ARD-Musikwettbewerb 2025Die Gewinner und Verlierer des großen Vorspielmarathons

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Für diese jungen Künstler kann der ARD-Wettbewerb das Sprungbrett zu einer internationalen Karriere sein. Siegreich im Fach Klavier (von links): Elias Ackerley (zweiter Platz), Liya Wang, Erstplatzierte, und Jiwon Yang (dritter Platz).
Für diese jungen Künstler kann der ARD-Wettbewerb das Sprungbrett zu einer internationalen Karriere sein. Siegreich im Fach Klavier (von links): Elias Ackerley (zweiter Platz), Liya Wang, Erstplatzierte, und Jiwon Yang (dritter Platz). (Foto: Daniel Delang)

Strahlende Gesichter, tiefe Enttäuschung, Juroren, die es sich und dem Publikum nicht leicht machen. All das gehört zum ARD-Wettbewerb, der jetzt zu Ende gegangen ist. Wie war der Jahrgang 2025?

Von Klaus Kalchschmid

Sie hätten am liebsten drei erste Preise vergeben, resümiert Reinhold Friedrich. Er ist der Vorsitzende der Jury im Fach Trompete. Und die hat es sich nicht leicht gemacht, das spürt man ganz deutlich bei der Preisvergabe im diesjährigen ARD-Musikwettbewerbs im Münchner Herkulessaal. Talente, sagt Friedrich weiter, sie würden wie die Pilze aus dem Boden schießen. Das zeigt, welches Niveau der international bedeutende Musikwettbewerb in diesem Jahr nicht zuletzt bei den Trompetern hatte.

Erster Platz bei den Trompetern: Der junge Franzose Robin Paillet hat im Alter von sechs Jahren begonnen, sein Instrument zu lernen.
Erster Platz bei den Trompetern: Der junge Franzose Robin Paillet hat im Alter von sechs Jahren begonnen, sein Instrument zu lernen. (Foto: Daniel Delang)

Und in der Tat, wie Sandro Hirsch und Raphael Horrach „Nobody knows de trouble I see“ von Bernd Alois Zimmermann spielten, war nicht weniger gut als die Interpretation von Robin Paillet. Doch der junge Franzose errang für sein ungemein farbiges, ja feuriges Spiel den ersten Platz, während bei Hirsch (zweiter Platz) die jazzigen Passagen vor allem feine Grauwerte besaßen und introvertierter klangen. Er hatte im Semifinale mit dem Es-Dur-Trompetenkonzert von Joseph Haydn noch die Nase vorn gehabt.

Als nicht minder spannend erwiesen sich die Schlussrunden auch bei den Klarinettisten, hing doch mit dem Mozart-Konzert im Prinzregententheater für alle die Messlatte gleich hoch. Der Israeli Elad Navon brillierte nicht nur hier, sondern auch im Finale mit dem Symphonieorchester des BR unter Sasha Scolnik-Brower und dem Konzert für Klarinette und Streichorchester mit Harfe und Klavier von Aaron Copland. Dafür gab es – wie bei Paillet – neben dem dank der Ernsting Kunst- und Kulturstiftung erstmals mit 15 000 Euro dotierten ersten Platz auch den Publikumspreis. Und den Preis für die beste Interpretation des zeitgenössischen Auftragswerks.

Siegreich im Fach Klarinette: Elad Navon aus Israel bei der Vorbereitung auf das Finale.
Siegreich im Fach Klarinette: Elad Navon aus Israel bei der Vorbereitung auf das Finale. (Foto: Daniel Delang)

Lev Zhuravskii erspielte sich mit dem noch anspruchsvolleren und in jedem Fall facettenreicheren Nielsen-Konzert – wie schon im Jahr 2024 mit Kollegen im Fach Bläserquintett – den dritten Platz (5000 Euro) und Hongyi Jiang den zweiten Platz (10 000 Euro). Die Jury kam hier nach geradezu rekordverdächtig kurzer Beratung zu ihrem Votum. Ihr Urteil war so klar und auch für das Auditorium nachvollziehbar, dass die Auszählung der Stimmen für den Publikumspreis deutlich länger dauerte.

Das Auftragswerk – ein extra für den Wettbewerb komponiertes Pflichtstück – bildete auch bei den Pianisten den Lackmustest. Und man war als Zuhörer froh, es im Semifinale gleich sechsmal hören zu dürfen, erschloss sich die komplexe Komposition doch erst allmählich. Zumal jeder Semifinalist sie anders spielte, unterschiedlich die Vortragsangaben realisierte und so Enno Poppes „Zaun“ mit seinen aufschießenden Clustern, hinter denen immer wieder leise, innige, fast tonale Phrasen durchschimmerten, anders zum Leuchten brachte.

Der Brite Elias Ackerley gewann den Preis für die beste Interpretation und spielt „Zaun“ im zweiten Preisträgerkonzert. Ebenfalls im Semifinale dominierten sowohl er wie Jiwon Yang mit dem zweiten Beethoven-Konzert und dem Münchener Kammerorchester, Ackerley noch plastischer, facettenreicher und spannungsvoller als der Chinese.

Dass Klavier neben Streichquartett (wieder 2026) und Gesang (wieder 2027) zu den populärsten Kategorien des ARD-Musikwettbewerbs zählt, konnte man bereits im zweiten Durchgang erleben, war nachmittags das Studio 1 des Bayerischen Rundfunks doch immer voll besetzt, und auch zum Finale gab es im Herkulessaal kaum mehr Plätze.

Die strahlende Siegerin im Finale:  die 23-jährige Pianistin und Organistin Liya Wang aus China.
Die strahlende Siegerin im Finale:  die 23-jährige Pianistin und Organistin Liya Wang aus China. (Foto: Daniel Delang)

Mancher im Publikum bedauerte da die Entscheidung der Jury, einen seiner Favoriten, etwa Johannes Huber, den Sohn von Gerold Huber, dem exzellenten Pianisten von Christian Gerhaher, nicht für das Semifinale zuzulassen. Auch dass die Japanerin Misora Ozaki nach einem wunderbaren Mozart-Konzert (KV 488) nicht zum Finale zugelassen wurde, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Allerdings war die Entscheidung der Jury im Semifinale auch besonders schwierig, da nicht nur Liya Wang Mozarts A-Dur-Konzert KV 414 exzellent musizierte.

Die junge Chinesin war dann die strahlende Siegerin im Finale mit einem ungemein plastisch, sensibel und voller Leuchtkraft gespielten g-Moll-Konzert op. 22 von Camille Saint-Saëns, wofür es auch den Publikumspreis gab. Hinter dieser Leistung blieb sogar die Koreanerin Jiwon Yang mit demselben Konzert etwas zurück, was sie auf den dritten Platz brachte. Elias Ackerley hatte sich mit dem zweiten Konzert g-Moll op. 16 von Sergei Prokofjew einen gewaltigen Brocken ausgesucht, für den er durchaus die Kondition aufbrachte, wenngleich die musikalische Gestaltung da nicht ganz mithalten konnte.

Platz zwei im Fach Klavier: Elias Ackerley aus Großbritannien. Der 24-Jährige gewann auch einen Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition.
Platz zwei im Fach Klavier: Elias Ackerley aus Großbritannien. Der 24-Jährige gewann auch einen Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition. (Foto: Daniel Delang)

„Aber ich liebe dieses Konzert und wollte es unbedingt für das Münchner Publikum spielen“, so Ackerley gegenüber der SZ. Dafür verlieh ihm die Jury den zweiten Platz, sozusagen den Preis für den größten Mut und das größte Risiko. Denn wie der junge Pianist, der im März einen Klavierwettbewerb in Thailand gewonnen hat, bestätigte, „vier Runden in nur einer Woche, das ist schon sehr anstrengend und herausfordernd“.

Wie jedes Jahr, gab es für den ARD-Wettbewerb 2025 einen Rekord bei den Bewerbungen, allein 260 bei den Pianisten. Wovon 54 zugelassen wurden, aber nur 38 letztlich antraten, da es in diesem Jahr noch eine Reihe renommierter Klavierwettbewerbe gibt. Aus Sparzwang wurde der Wettbewerb erstmals nur in drei statt der üblichen vier Fächern ausgetragen. Weshalb Elisabeth Kozik, die organisatorische Leiterin des Wettbewerbs, von einem „sehr geschmeidigen Wettbewerb“ sprach, bedeutet ein Fach weniger doch auch 25 Prozent weniger Arbeit.

Die Mitglieder der Jury hatten es auch in diesem Jahr nicht leicht.
Die Mitglieder der Jury hatten es auch in diesem Jahr nicht leicht. (Foto: Daniel Delang)

Zum 75-jährigen Bestehen des Wettbewerbs im nächsten Jahr wird das Quartett dann wieder vollständig sein, mit Fagott, Orgel, Schlagzeug und Streichquartett. Allerdings stehen die Studios des BR dann nicht mehr zur Verfügung, weshalb vermehrt der Große Saal der Musikhochschule und zum ersten Mal das Amerikahaus genutzt werden; der Orgel-Wettbewerb wird neben Musikhochschule und Herkulessaal dann in St. Michael ausgetragen.

Doch nun gehört die Bühne erst einmal den Gewinnern 2025: In den ersten beiden Preisträgerkonzerten mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem Münchener Kammerorchester am 17. und 18. September im Prinzregententheater (jeweils 20 Uhr) kann man die Zweit- und Drittplazierten erleben. Im letzten, mit dem Symphonieorchester des BR, das Sasha Scolnik-Brower von Sir Simon Rattle übernommen hat, der aus Krankheitsgründen nicht dirigieren kann, sind am 19. September im Herkulessaal die ersten Preisträger zu hören.

Alle Konzerte werden von BR Klassik übertragen oder können über www.ard-wettbewerb per Livestream verfolgt werden. Da lassen sich auch die jeweiligen Runden seit dem zweiten Durchgang im Nachhinein abrufen.

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