Kritik:Letzte Höhepunkte

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Kritik: Geschmeidiger Ton: Kris Garfitt hat beim Preisträgerkonzert im Herkulessaal hörbar Spaß an seinen solistischen Aufgaben.

Geschmeidiger Ton: Kris Garfitt hat beim Preisträgerkonzert im Herkulessaal hörbar Spaß an seinen solistischen Aufgaben.

(Foto: Daniel Delang)

Der ARD-Musikwettbewerb endet effektvoll mit dem dritten Preisträgerkonzert im Herkulessaal.

Von Klaus Kalchschmid, München

Gewichtige, effektvolle Konzerte des 20. und 21. Jahrhunderts für Posaune, Flöte und Klavier mit großem Orchester dominierten das dritte Preisträgerkonzert und damit das der Erstplatzierten des 71. ARD-Musikwettbewerbs im Herkulessaal der Residenz. Ein frühes Haydn-Streichquartett (op. 20/2) war da mittendrin ein einsamer Solitär. Das Barbican Quartet überzeugte wie im ersten Durchgang mit nobler Zurückhaltung, großer Homogenität der Tongebung, feinem Zusammenspiel, aber auch der Fähigkeit, zuzupacken und das Kapriziöse des langsamen Satzes zwischen Rezitativ und ariosen Partien mit geschärftem Sinn und einer Spur Theatralik darzubieten. Prägnant gelang auch das in drei der sechs "Sonnenquartette" op. 20 das Quartett krönende Fugen-Finale.

Begonnen hatte der Abend, überaus launig moderiert von Maximilian Meier, mit dem Konzert für Posaune und Orchester aus dem Jahr 1956 des Franzosen Henri Tomasi (1901-1971). Da darf das Soloinstrument alle tänzerischen Spielarten aufs Schönste demonstrieren und auch mal in den Gefilden des Jazz wildern. Der Brite Kris Garfitt hatte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Joshua Weilerstein hörbar Spaß an seinen solistischen Aufgaben, die er mit geschmeidigem Ton und wunderbarer Phrasierung meisterte, konnte aber auch mal in die zweite Reihe zurückzutreten. Immer blieb er freilich die dominierende Farbe, selbst wenn er mit verschiedenen Dämpfern spielte, und demonstrierte stets eleganten Swing.

Marc-André Dalbavies Konzert für Flöte und Orchester aus dem Jahr 2006 verrät den erfolgreichen Musikdramatiker, der etwa für die Salzburger Festspiele 2014 "Charlotte Salomon" komponierte, so plastisch und über absolute Musik hinausweisend klingt die Partitur des 1961 geborenen Franzosen in fast jedem Moment. Der Koreaner Yubeen Kim konnte hier alle Facetten seines Könnens zeigen.

Noch einmal Steigerungen gegenüber der Finalrunde

Sergej Rachmaninows eher selten gespieltes viertes Klavierkonzert, hier in der Revision von 1941 zu hören, war dann das Finale und ein letzter Höhepunkt des 71. Musikwettbewerbs der ARD, der endlich wieder in allen Runden vor Publikum stattfinden konnte. Und das in vielfacher Hinsicht, denn sowohl der 21-jährige Österreicher wie die BR-Symphoniker konnten gegenüber der Finalrunde an Ausdruck und Selbstverständlichkeit des Zusammenspiels noch zulegen. Den symphonisch konzertanten Kopfsatz wie das eigentümlich zwischen dem Charakter eines Trauermarsches und stolzer Selbstvergewisserung wechselnde Largo oder das nur anfangs heiter brillante Finale kann man kaum besser musizieren. Sternath vermochte die kraftvolle Pranke und das sensible Ausformulieren von Nuancen perfekt auszubalancieren.

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