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Architekturprojekt:Die Ufermauern müssen zu großen Teilen ohnehin saniert werden

Tatsächlich prüfen Experten in der Stadtverwaltung derzeit, ob und wie dieser Bereich neu gestaltet werden kann. Denn die Ufermauern müssen zu großen Teilen ohnehin saniert werden, zudem ist im nördlichen Bereich der Ludwigsbrücke bereits ein kleines Lokal im Brückenbauwerk geplant, es könnte noch in diesem Jahr eröffnet werden.

Allerdings gibt es mit dem Standort ein Problem: Die Kleine Isar ist Landschaftsschutzgebiet, was zu massiven Protesten von Naturschützern und auch einigen Politikern führen dürfte.

Die Problematik ist den Professoren durchaus bewusst, aber "hier konnte man einfach Dinge einmal ausprobieren", sagt Meck. "Deshalb wollten wir die Kleine Isar nicht ganz von vornherein ausschließen." Und so haben sich auch Philipp Jung und Ina Grothusen nicht von dem Naturschutzkriterium einschränken lassen und gemeinsam ein großes Floß oder Schiff vor dem Müllerschen Volksbad ans Ufer gelegt.

Im Modell fügt sich das flache Flussbad in seinen Achsen und Proportionen gut an den neubarocken Jugendstilbau aus dem Jahr 1901. Flechtwände zum Fluss hin lassen den lang gestreckten Bau beinahe schon historisch wirken.

Auch Bernhard Eder will in seinem Entwurf die Kleine Isar mit einbeziehen, allerdings lediglich mit einer breiten Stufenterrasse in Richtung Ostufer, auf der die Münchner das ganze Jahr über sitzen könnten. Das eigentliche Bad mit dem Namen "Waldlichtbad" soll sich im nördlichen Teil der Vater-Rhein-Insel befinden, wo jetzt ein Spielplatz liegt und der Wehrsteg beginnt.

Ein Schwimmbecken in der großen Isar

Das Wasser würde aus der Großen Isar eingespeist, sodass die Schwimmer zwar im Isarwasser, aber nicht direkt im Fluss baden würden. Ein Clou, denn damit wäre wohl auch das herrschende Badeverbot in der innerstädtischen Isar umgangen.

Das könnte theoretisch auch beim Entwurf von Tiago Alves Machado der Fall sein, "ein sehr poetisches Gebäude", wie Silke Langenberg urteilt. Dabei handelt es sich um ein leichtes Brückenbauwerk über den Isarkanal zwischen Steinsdorfstraße und der Insel mit dem Vater-Rhein-Brunnen.

Die Brücke dient als Umkleide mit Sanitäranlagen, auch Gastronomie soll darin Platz finden. Darunter hängt das eigentliche Schwimmbecken in der Großen Isar, selbst schwankende Wasserstände und sogar Hochwasser sollen so ausgeglichen werden können, indem sich das Schwimmbecken mit der Flusshöhe hebt und senkt.

"Es war mir zunächst wirklich unverständlich, dass es in München noch kein Flussbad gab", sagt Silke Langenberg, die in Zürich und München lebt. In ihrer Schweizer Heimatstadt haben Flussbäder seit mehr als einem Jahrhundert Tradition, fünf von ihnen haben freien Eintritt. Für ihren Kollegen Andreas Meck ist ein Flussbad in München aber keine Utopie mehr.

Vor zehn Jahren hatte er schon einmal ein Projekt mit Studenten zum Thema Isarbad organisiert. Damals war der Anlass, dass die Isar wieder Badequalität aufwies. Heute diskutieren Politiker fast selbstverständlich über ein Flussbad mitten in der Stadt. Die Arbeiten, die im Sommer beim Kulturstrand erstmals öffentlich gezeigt werden, "könnten ja auch eine Anregung für die Stadt sein", sagt Meck.

© SZ vom 17.02.2016/dit

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