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Architekturdebatte:Gerade Wände statt schräger Fassaden

Es waren zwei Varianten für ein neues Bürogebäude an der Friedenstraße 2, mit denen der Münchner Architekt Falk von Tettenborn sich am Dienstagabend der Diskussion in der Stadtgestaltungskommission stellte. Erstellt hat er die Entwürfe, die jeweils stark begrünte Fassaden vorsehen, im Auftrag der Stadtsparkasse, die Bauherr des Projekts ist. Variante eins mit den vertikalen Fassaden sei "etwas konventioneller", sagte Tettenborn. An Variante zwei, die mit teils schrägen Fassaden aus manchen Blickwinkeln an einen Pyramidenstumpf erinnert und einen höheren Grünanteil hat, "hängt mein Herz, sie trifft aus unserer Sicht eine stärkere Aussage als Eingang zum Werksviertel".

Doch er drang damit in dem Gremium, das die Stadt zu Bauprojekten von besonderer Bedeutung berät, nicht durch. "Ich tendiere deutlich zu Variante eins, weil die Fassung der Straßenräume mit den klaren stehenden Raumkanten besser gelingt", sagte die Hamburger Architektin Karin Loosen. Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht äußerte "eindeutig Sympathie für Variante eins", beim zweiten Vorschlag sah er eine "Angliederungsfeindlichkeit" zu den Nachbargebäuden. Andrea Degl aus dem bayerischen Bauministerium sah bei Variante zwei eine "frappierende Ähnlichkeit" mit dem Konzertsaal, den der Freistaat im Werksviertel errichten will. Ein Hinweis, der Tettenborn bei der Architektenehre packte. Er bat inständig: "Glauben Sie mir, dass unser Entwurf wirklich nichts damit zu tun hat". Er habe dabei an ein Haus gedacht, das er einmal in Haiti gebaut habe.

Die Münchner Architektin Karin Schmid regte an, dass Tettenborn bei der Überarbeitung versuchen könne, die Varianten zusammenzubringen. Dem schloss sich die Kommission an, die das "spannende Projekt" grundsätzlich begrüßte.

© SZ vom 03.12.2020 / sekr
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