Architektur und Design in München Man traut sich nur selten

Tatsächlich besteht München nicht aus den wichtigsten deutschen Architekten, sondern aus wichtigen Architekten, die allerdings in einer Stadt, die sich selten etwas traut (Werkbundsiedlung, Hochhäuser etc.), auch entsprechend selten zum Zuge kommen.

U-Bahnhof Münchner Freiheit in neuem Design - für das Lichtdesign ist Ingo Maurer verantwortlich.

(Foto: Stephan Rumpf)

Kein Wunder, dass die Designer international viel bekannter sein dürften. Ingo Maurer (Licht) und Konstantin Grcic (Industrie- und, viel wichtiger, Alltags-Design): Das sind Namen, die man auch weltweit kennt - woran Andreas Hild dann doch noch arbeiten muss. Und die Designer-Szene ist höchst vielfältig: Mirko Borsche ist einer der maßgeblichen Grafikdesigner und Typografen Deutschlands; Saskia Diez ist Industrie- und Schmuckdesignerin - und ebenfalls: über München hinaus bekannt.

Die Verrücktesten waren in München

Bei all dem Potenzial in dieser Stadt könnte man sich den Einsatz herumvagabundierender Jetset-Architekten eigentlich sparen - aber Entwerfen-und-Entwerfen-lassen ist eine Lebenshaltung hier, weshalb uns die Allianz-Arena, die BMW-Welt oder die Erweiterung des Lenbachhauses denn auch willkommen sein sollten. Auch deshalb, weil sich die ortsansässige Architektenschaft dann umso treffender davon distanzieren kann. An den legendären Kampf gegen Coop Himmelb(l)au wird sich der eine oder andere erinnern.

Die BMW-Welt gehört zu den markantesten Neubauten der Stadt.

(Foto: Florian Peljak)

Und die verrücktesten Architekten, die die Welt je aufzubieten hatte, lebten ohnehin in München. Der eine, Herman Sörgel (1885-1952), ersann als selbst ernannter "Weltbaumeister" einen ganzen Kontinent namens "Atlantropa". Zu diesem Zweck wollte er das Mittelmeer mit Hilfe gigantischer Staudämme mal eben um 100 Meter absenken. Der andere, Günther L. Eckert (1927-2001), wollte Ende der 1970er-Jahre alle 4,3 Milliarden Menschen, damals die Weltbevölkerung, in einer einzigen gigantischen Röhre unterbringen, wo man wohnen und arbeiten sollte. Auf 35.000 Kilometer Länge. Gut, dass beides nie realisiert wurde. Schade aber auch.

München ist seither eher ärmer an architektonischer Fantasie geworden. Was nicht gut ist, denn ohne Fantastik hätte es weder Schwabing noch das Maximilianeum gegeben. Und übrigens auch nicht Olympia 1972. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Die weiteren Aussichten jedenfalls: mitunter föhnig aufgeheitert.