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Architektur:Klage hin, Klage her

Festival MPhil 360° im Gasteig München, 2015

Die Sanierung des Kulturzentrums könnte sich wegen Klagen von Architekten verzögern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Stadtrat will am Mittwoch über Gasteig-Umbau entscheiden

Von Alfred Dürr

Der Stadtrat wird aller Voraussicht nach wie geplant am kommenden Mittwoch die Sanierung des Gasteig-Kulturzentrums voranbringen. Das wurde nach einer Sitzung des Ältestenrats bekannt. Dabei soll dem Vorschlag des Gasteig-Aufsichtsrats zugestimmt werden, den Umbauauftrag an ein Architektenbüro zu vergeben. Wer das sein wird, ist noch nicht offiziell bekannt gegeben worden, um der Entscheidung des Stadtrats nicht vorzugreifen. Es ist aber bereits durchgesickert, dass das Münchner Büro Henn Architekten den Zuschlag bekommen soll.

Vor wenigen Tagen hatten die zwei Architektenbüros, die neben Henn gleichberechtigt als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgingen, Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vergabeverfahrens angemeldet. Sie wollen deswegen ein Verfahren einleiten, was die Gasteig-Sanierung erheblich verzögern könnte. Die Vertreter der Büros Wulf aus Stuttgart und Auer Weber aus München sind sich sicher, dass der Aufsichtsrat und das zuvor tagende Empfehlungsgremium unter Druck standen, als sie die Entscheidung für den endgültigen Siegerentwurf trafen.

Einer der Architekten des Gasteig-Komplexes hatte mit Verweis auf seine Urheberrechte erklärt, dass er sich nur mit dem letztlich gewählten Siegerentwurf arrangieren könne. Auf diese Urheberrechtsproblematik habe man aber gar nicht reagieren können, argumentieren die beiden Büros, die nun gegen das Verfahren klagen. Auch habe das Büro Henn einen Informationsvorsprung gehabt, da es bereits mit vorbereitenden Arbeiten zur Gasteig-Sanierung betraut war.

Der Vorsitzende des Gasteig-Aufsichtsrats, Bürgermeister Josef Schmid (CSU), erkennt keinerlei rechtliche Verstöße im Verfahrensablauf und geht mit den Einsprüchen der beiden Architektenbüros gelassen um. Auch Gasteig-Chef Max Wagner sieht keinen Sinn darin, das Thema am kommenden Mittwoch von der Tagesordnung abzusetzen, bis der Streit beigelegt ist. Das Auswahlverfahren für einen Modernisierungsentwurf sei korrekt abgelaufen.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl spricht dagegen von einer "hochgradig schrägen Diskussion". Angesichts der Einsprüche zweier Architektenbüros gegen das Vergabeverfahren kann seiner Ansicht nach der Stadtrat in der Vollversammlung nicht über eine Auftragsvergabe entscheiden: "Ein Beschluss ergibt keinen Sinn, wenn er einer möglichen rechtlichen Prüfung nicht Stand hält." Die SPD-Fraktion werde Anfang kommender Woche noch beraten, ob und wie das Thema am Mittwoch behandelt werden soll.

Für Florian Roth, den Vorsitzenden der Grünen-Fraktion, ist die Situation reichlich verfahren. Völlig ungeklärt sei zum Beispiel, welche Rolle die Urheberrechte der ursprünglichen Gasteig-Architekten spielten. Vor diesem Hintergrund müsse überlegt werden, ob man bei der Sanierung nicht "alles auf Anfang" stelle und den Gasteig etwa in der bald frei werdenden Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke unterbringe.

© SZ vom 20.10.2018

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