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Architektur in München:Stadt im Wandel

München, das ist Kulissen-Glamour aus dem 19. Jahrhundert. So zumindest das Klischee. Dabei ist die zeitgenössische Architektur in der Landeshauptstadt längst besser als ihr Ruf. Ein Buch stellt 200 spektakuläre Bauprojekte vor.

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Quelle: Volk Verlag

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München, das ist Kulissen-Glamour aus dem 19. Jahrhundert. So zumindest das Klischee. Dabei ist die zeitgenössische Architektur in der Landeshauptstadt längst besser als ihr Ruf. Ein Buch stellt nun 200 neue - und zum Teil durchaus spektakuläre - Bauprojekte vor.

Selbst viele Münchner haben bislang nicht bemerkt, wie modern ihre Stadt geworden ist. Die Allianz Arena oder das Jüdische Gemeindezentrum am Jakobsplatz, deren Synagoge ein wenig an die berühmte Klagemauer erinnert, kennt jeder. Aber sonst? München ist vor allem für seine historischen Bauwerke berühmt, dabei haben in vielen Vierteln Architekten Neues geschaffen. Welche Vielfalt an Bauten dabei entstanden ist, zeigt jetzt das Buch "Aufbruch ins 21. Jahrhundert - Münchner Architektur und Städtebau seit 1990", in dem ein Autorenkollektiv junger Kunsthistoriker 200 Bauprojekte kritisch bewertet.

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Gute Noten gibt es etwa für den neuen Farbtupfer im Münchner Westen - die gelb schillernde ADAC-Zentrale des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton in der Hansastraße sei "ein neues Highlight der Münchner Stadtsilhouette". Erst 2011 wurde der etwa 320 Millionen Euro teure und fast 90 Meter hohe Glas-Stahl-Turm fertiggestellt, der sich mit seiner abgerundeten dreieckigen Form eigenwillig von der Umgebung abhebt.

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Aber auch weniger bekannte Gebäude werden in dem Buch vorgestellt. Die deutsche Verwaltungszentrale der Swiss Re in Unterföhring etwa, die "innerhalb eines ansonsten architektonisch völlig anspruchslosen Gebietes" hervorsticht. Viel Lob gibt es für die begrünte Außenhaut und die kunstvollen Außenanlagen, die eher an ein luxuriöses Hotel als an einen Bürokomplex erinnern. Doch lange nicht jeder Neubau kommt so gut weg: Trist sei etwa den Arnulfpark - zu viel Mittelmaß lautet das vernichtende Urteil der Autoren.

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Insgesamt sei die neue Bautätigkeit in der Stadt aber durchaus spannend. Vor allem zwei Faktoren hätten das begünstigt: der Aufstieg zur Hightech-Metropole und die städtebaulichen Chancen, nachdem große Areale in den vergangenen Jahren frei geworden waren - wie etwa am alten Flughafen Riem. Auch auf dem fast 100.000 Quadratmeter großen Industriegelände an der Balanstraße, das bis 2006 die Verwaltung von Infineon beherbergte, entsteht nun Neues - ein "Campus der Ideen", der unter anderem Text in die Architektur einbindet.

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Wie man alt und neu durchaus spektakulär verbindet, kann man in der Akademie der Bildenden Künste sehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Bauwerk nach den Plänen von Gottfried von Neureuther errichtet. Inzwischen hat das Wiener Architektenteam COOP Himmelb(l)au eine Erweiterung mit schrägen Winkeln, ineinander gestaffelten Glasflächen und riesigen Rohren geschaffen - eine Art "Anti-Architektur" zum alten Gebäude, die dennoch auf die Arbeit der Akademie hinweise. So bewertete die Jury den Entwurf. Auch den Autoren gefällt es - der eigenwillige Bau in der Akademiestraße setze einen neuen Akzent im Münchner Stadtbild.

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Aber es sind nicht nur die großen, spektakulären Projekte, die in dem Buch vorgestellt werden, sondern auch das gelungene Bauen im Kontext - etwa zwischen dem Westend und Sendling. Die beiden Stadtteile sind durch eine Brücke vom Westpark zur Theresienhöhe verbunden. Der Raum unterhalb der Brückenrampe wurde mit Hilfe eines privaten Investors und der Münchner Hierl Architekten in minimalistische Künstlerateliers verwandelt - mit Trespa-Platten und dunkelroten Eingangstüren auf der einen Seite und Glaswänden auf der anderen.

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Dass auch eine U-Bahnstation nicht langweilig aussehen muss, beweisen inzwischen die Bahnhöfe Westfriedhof (Bild) und Münchner Freiheit. Letzterer besticht durch seine neonfarbenen Wände, die durchaus geteilte Meinungen bei Fahrgästen und Kritikern hervorriefen. Der Neubau der U-Bahn-Haltestelle Westfriedhof mit den Lichtinstallationen von Ingo Maurer gilt dagegen als rundherum gelungen.

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Das Buch beweist auch: Oft sind es Münchner Architekten, die ein Händchen für ihre Stadt haben - das 2001 von Albert Weinzierl umgebaute Cortiina Hotel verbindet etwa Urbanität und bayerische Behaglichkeit. Und auch bei diesem goldenen Wohnturm waren Münchner am Werk: Der Bau der Steidle Architekten ergänzt die ursprünglich von Emil Freymuth in den fünfziger Jahren geplante Siemenssiedlung in Obersendling. An klaren Tagen kann man das 3. Sternhaus im Süden der Stadt sogar vom Zentrum aus sehen.

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Andere Wohnhäuser sind eher auf den zweiten Blick spektakulär. Einen Preis bekam dieses Gebäude im Lehel nicht für seine unregelmäßig angeordneten Fenster, die abgerundeten Ecken oder das grüne Flachdach, sondern für seine Effizienz: Mit etwa 60 Prozent weniger Primärenergie im Jahr als ein vergleichbarer Neubau ist das Ultra-Niedrigenergiehaus eines der ersten seiner Art in München, 2005 gab es dafür den Deutschen Bauphysik-Preis.

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Für den Neubau der Fachhochschule in der Lothstraße haben die Münchner Architekten Zobel, Weber, Gansser zwei parallele Längstrakte und einen glasüberdachten Lichthof entworfen. Auffällig ist der rote Würfel auf Stahlbetonstützen, in dem ein Hörsaal untergebracht ist - besonders im Vergleich zum eintönigen Uni-Trakt an der Dachauer Straße, der nur einige Jahrzehnte älter ist. Dieser Vergleich zeigt auch: Mutiges Bauen in München war lange keine Selbstverständlichkeit, doch längst ist die zeitgenössische Architektur besser als ihr Ruf.

Sebastian Holmer, Claudia Kapsner, Steffen Krämer (Hrsg.): Aufbruch ins 21. Jahrhundert - Münchner Architektur und Städtebau seit 1990. Volk Verlag, 288 Seiten, Hardcover. 29,00 Euro.

© sueddeutsche.de/afis/bica
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