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Architektur:Hotelierfamilie Geisel: Die Königshofmacher

Der Ist-Zustand am Stachus: Der jetzige Königshof neben dem Justizpalast ist seit vielen Jahren eine bekannte Münchner Adresse.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Carl, Michael und Stephan Geisel gehören zu den wenigen großen Privathoteliers in Deutschland.
  • Seit 25 Jahren führen die Brüder bereits die Geschäfte des Unternehmens.
  • Sie sind ausschließlich in München aktiv und planen verschiedene spektakuläre Projekte - nicht nur den neuen Königshof.

Von Alfred Dürr

Fast kein Neubau-Quartier in der Stadt kommt heute mehr ohne ein Hotelprojekt aus. Bestehende Beherbergungsbetriebe werden renoviert, erweitert oder gleich abgerissen und neu errichtet - München erlebt einen beispiellosen Boom in diesem Immobilienbereich. Nicht nur die weltweit agierenden Unternehmen - vom Luxushaus bis zum Low-Budget-Betrieb - sind hier mit Nachdruck aktiv, auch die sogenannte Privathotellerie ist auf Expansionskurs, allen voran das Münchner Familienunternehmen Geisel mit ihrem Vorzeigehaus, dem Luxushotel Königshof am Stachus.

Die Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel gehören zu den wenigen großen Privathoteliers in Deutschland. Sie sind ausschließlich in München aktiv. Vor 25 Jahren haben sie in vierter Generation die Leitung des Unternehmens übernommen. Mit einer Reihe von neuen Projekten und, wie sie betonen, "innovativen und ungewöhnlichen Konzepten" wollen sie sich jetzt noch stärker auf diesem Markt positionieren.

So eröffnet im Sommer kommenden Jahres unter der Marke "Beyond" in den beiden oberen Etagen des dann fertig umgebauten Hugendubel-Hauses am Marienplatz eine "Stadtresidenz" mit 20 Zimmern und Suiten. Diese ordnen sich um ein Atrium mit Lounge und Bar an, das sich über zwei Stockwerke erstreckt. Bei Bedarf können Einzelpersonen oder Unternehmen den gesamten Betrieb für sich mieten. Den Blick auf das Rathaus und die Altstadt gibt es inklusive.

Ebenfalls 2017, im Herbst, soll der Neubau in der Hohenzollernstraße eröffnet werden. Das frühere Cosmopolitan Hotel wurde abgerissen. Jetzt kommt ein Haus mit 81 Zimmern, das den etwas ungewöhnlichen Hotelnamen "Schwabinger Wahrheit by Geisel " trägt. "Das typische Schwabinger Flair bedeutet Freiheit, Offenheit, Entspannung, und das drückt unser Konzept aus", erläutert die Sprecherin der Geisel Privathotels, Ute Hopfengärtner.

So sind etwa Suiten für zahlungskräftige Businessreisende vorhanden, aber auch Vier-Bett-Zimmer für Rucksack-Touristen mit kleinerem Budget. Schwabing sei auch ein beliebtes Ausgehviertel, deswegen soll es bei der Gastronomie mit ihrem "Street-Food-Imbiss-Konzept" keine Schwellenängste geben, sagt Hopfengärtner.

2019 wird der alte Königshof abgerissen

Von Anfang kommenden Jahres an erhält das Traditionshotel Excelsior in der Schützenstraße eine Komplettrenovierung. In zwei Bauabschnitten werden die Fassade, die Zimmer und die Lobby neu gestaltet. Außerdem ist ein Wellnessbereich im Dachgeschoss geplant. Die Vinothek im Erdgeschoss wird um einen Raum und etwa 30 Sitzplätze erweitert.

Ein Bau, an dem sich die Geister scheiden: Aufsehenerregend wird der neue Königshof in jedem Fall. Und nachts dürfte er besondere Akzente setzen. Simulation: Nieto Sobejano Arquitectos

Bis zum 31. Dezember 2018 bleibt der Königshof am Stachus geöffnet. Dann wird das Gebäude abgerissen. Rund zweieinhalb Jahre Bauzeit sind für den neuen Komplex nach dem Entwurf des spanischen Architektenbüros Nieto Sobejano mit der extravaganten Fassade vorgesehen. Das Restaurant unter Sternekoch Martin Fauser soll auf dem Dach angesiedelt werden und damit auch eine besonders schöne Sicht auf die Altstadt bieten. Den Gourmetbetrieb will man während der Bauzeit keinesfalls einstellen. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen, sagt Hopfengärtner, "wir überlegen, wie wir die Bauzeit überbrücken können".

Erst vor kurzem hatte die Stadt die Baugenehmigung für den neuen Königshof erteilt. Wegen der Kritik an der Architektur mit dem auffälligen vertikalen Einschnitt in der Fassade gab es Verzögerungen im Verfahren. Vor allem die Initiative Altstadtfreunde München wehrt sich gegen den Neubau. Er beeinträchtige das historische Stadtbild in eklatanter Weise, speziell den benachbarten Justizpalast. Zur Zeit prüft die Regierung von Oberbayern nach verschiedenen Einsprüchen, ob die Baugenehmigung korrekt erteilt wurde. Die Geisels hegen keinen Zweifel daran. Man habe nun Planungssicherheit und arbeite bereits mit den Architekten intensiv an den Details für den Neubau, heißt es.

© SZ vom 29.07.2016/vewo
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