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Architektur:Was bleibt und was hinzukommt

Staab möchte die vom riesigen Ehrenhof des Schlosses aus sichtbaren historischen Trakte des nördlichen Seitenflügels mit dem Hubertussaal und dem dahinterliegenden Hofgeviert gänzlich unberührt lassen. Dafür sollen aber die Gebäude aus den Sechzigerjahren, die den dahinter anschließenden zweiten Hof umschließen und für Museumszwecke völlig ungeeignet sind, abgerissen und statt ihrer ein Neubau errichtet werden. Dieser Neubau wird mit seinen Außenkanten exakt die Konturen der barocken Ursprungsplanung nachvollziehen. Doch mit seinen modernen Bauformen wird er auf die Bedürfnisse des künftigen Museums reagieren, das sich ja der Zukunft verschrieben hat.

Man kann sich grundsätzlich fragen, ob ein Museum, das sich als öffentliches Forschungslabor versteht und für junge Leute attraktiv sein will, in diesem verkehrstechnisch schlecht angebundenen Winkel der Nymphenburger Vorstadt und in diesem versteckten Nebenhof des barocken Schlosses wirklich ideal untergebracht ist. Aber wenn man sich auf diesen Ort einlässt - die Fußgängernähe zum Botanischen Garten und zum Schlosspark mit seinen Gewächshäusern spricht dafür -, dann kann man mit dem überarbeiteten Entwurf von Staab sehr zufrieden sein.

Da das Museum im Inneren vorwiegend mit elektronischen Geräten arbeiten wird, hatte Staab im Erstentwurf keine Fenster vorgesehen; dieser einheitlich geschlossene Block hätte im engen Quartier also extrem abweisend gewirkt. Im neuen Entwurf ist das Erdgeschoss im Rhythmus der historischen Nachbarfassaden gleichmäßig durchfenstert, es nimmt also aus der Umgebung eine Bewegung auf und lässt sie um den ganzen Block herumlaufen.

Mit einer auffällig breiten Portalöffnung möchte das Museum die Besucher, die vom Schlossrondell aus in die Maria-Ward-Straße einbiegen, zu seinem Neubau und dort in den neu geschaffenen Museumshof hineinlocken. Dieser lang gestreckte Hof, in dem einige museale Schaustücke präsentiert werden sollen, ist auf der einen Seite vom hinteren Pendant des Hubertussaals begrenzt, auf der anderen vom neuen Museumsgebäude, das sich mit einer Glasfront in ganzer Länge zum Hof hin öffnet. Dass Staab das Gegenüber von historischem Altbau und musealem Neubau zu harmonischer Geschlossenheit zusammenzwingen kann, hat er in Bayreuth beim Einbau des Richard-Wagner-Museums in den Garten der Villa Wahnfried eindrucksvoll bewiesen.

Von besonderem Reiz wird der breite Durchblick durch den abschließenden neuen Querriegel auf die Wiesen und Beete der dahinter liegenden Schlossgärtnerei und auf das einzigartige Denkmal des aus dem 18. Jahrhundert überkommenen Gewächshauses sein. Im lichterfüllten Erdgeschoss möchte sich das Museum seinen Besuchern vorstellen. Dort werden Laborräume, ein Film- und Vortragssaal und ein Besucher-Café eingerichtet. Im Untergeschoss sollen Sonderausstellungen gezeigt werden; das gesamte Obergeschoss aber ist für die Dauerausstellung reserviert.

Die ersten Ansichten des Baus versprechen eine lebendige Folge von Außen-und Innenräumen. Es wäre also schade, wenn der Architekt seinen Entwurf verwässern müsste, weil einige Anwohner mit Details nicht zufrieden sind.

© SZ vom 20.09.2017/axi
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