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Architektouren:Nichts für arme Leute

Im Palais Portia an der Kardinal-Faulhaber-Straße berät die Hypo-Vereinsbank zwischen wertvollen Kunstwerken ihre besonders vermögenden Kunden. Am Sonntag steht diese Türe ausnahmsweise allen Besuchern offen

Ausstattung, Licht, die ganze Raumaufteilung - eigentlich gleicht das Ambiente einem modern und abwechslungsreich gestalteten Ausstellungsraum. Am Eingang begrüßt eine Skulptur des zeitgenössischen Bildhauers Stephan Balkenhol die Besucher. Beim Rundgang kommt man an Werken von bedeutenden Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts vorbei: unter anderem an Bildern von Gerhard Richter und Heinz Mack, einer Arbeit von Kerstin Brätsch und einem maschinenähnlichen Gebilde von Jean Tinguely.

Zwischen diese Schätzen sind Sitzgruppen und unterschiedlich große Besprechungsräume - 17 sind es insgesamt - in die museumsähnliche Umgebung integriert. Denn um eine reine Kunstgalerie handelt es sich hier nicht. Es geht auch um Geld, um sehr viel Geld. An der Kardinal-Faulhaber-Straße 12 befindet sich die Abteilung für Private Banking und Wealth Management der Hypo-Vereinsbank (HVB), also das Beratungszentrum für reiche Privatkunden. Wer mehr als 500 000 Euro anlegen kann und will, ist hier willkommen. Wer nicht ganz so viel Geld auf der hohen Kante hat, der bekommt zumindest bei den Architektouren an diesem Sonntag Gelegenheit, einen Blick ins kunstvolle Innere zu werfen.

Gesamtkunstwerk im Bankhaus: natürliches Licht, wohnliches Ambiente, moderne Meisterwerke.

(Foto: Michael Heinrich)

Die Bank investiert in dieses wachsende Geschäft mit den Wohlhabenden. Deswegen hat man während der zweijährigen Umbauzeit auch deutlich in die Substanz des Palais Portia eingegriffen und es aufwendig im Innern verändert. Dabei mussten Auflagen der Denkmalschutz-Behörden erfüllt werden. Für die Gestaltung ist das Münchner Büro Bottler Lutz Architekten in Zusammenarbeit mit der HVB-Immobilienabteilung zuständig.

Als wichtigste Änderung zum früheren Zustand wurde der Innenhof überdacht. In der Erdgeschosszone findet die Beratung statt. In den darüberliegenden Büros arbeiten die Experten der Bank. Neues Design und modernste technische Ausstattung biete den Kunden eine "sehr repräsentative und professionelle Beratungssituation",

sagt Stefanie Ruehl-Hoffmann, die Niederlassungsleiterin für das Private Banking der HVB in München. Ziel sei es gewesen, ein besonderes Umfeld für die Kunden zu schaffen. Schon beim Eintreffen sollen sie den hohen Qualitätsstandard spüren.

Wer auf der Kardinal-Faulhaber-Straße an dem Palais vorbeispaziert, merkt nichts von den grundlegenden Neuerungen im Innern. Das Gebäude wurde 1693 errichtet und seither immer wieder verändert. Die Bayerische Vereinsbank kaufte das Haus 1934, inzwischen gehört es der Hypo-Vereinsbank. 1944 zerstörten Bomben das Palais bis auf die Fassade. Diese wurde 2008 saniert und erhielt 2009 den Fassadenpreis der Stadt München.

Bitte eintreten

Am Wochenende führen in ganz Bayern wieder Bauherren, Architekten, Landschafts- und Innenarchitekten durch ihre Projekte. Dazu gehören Wohngebäude, Schulen und Kindergärten, aber auch Kirchen, Gärten, Plätze sowie Umbauten und Sanierungen. Der Eintritt ist frei. Es gibt ein Begleitprogramm für Kinder, Busfahrten, eine Wanderausstellung und auch eine Architektouren-App, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Alle 289 Projekte und die Besichtigungstermine sind online abrufbar unter www.byak.de/start/architektur/architektouren.

Die Straße mit ihren prächtigen Fronten der ehemaligen Adelspalais und den stattlichen Bankgebäuden zählt zu den schönsten Ensembles innerhalb der Altstadt. Die traditionelle Struktur der einzelnen Fassaden wirkt wie aus einem Guss. Dennoch hat sich viel verändert. Aus dem einst verschachtelten Areal mit den in die Jahre gekommenen Bank- und Verwaltungsgebäuden hinter den traditionsreichen Häuserfronten wurde 2003 das architektonisch herausragende Quartiersprojekt "Fünf Höfe". Zur selben Zeit wurde das Gebäude der damaligen HVB-Zentrale an der Kardinal-Faulhaber-Straße 1 entkernt und im Innern neu gestaltet. Inzwischen ist die Führungsebene des Unternehmens in das renovierte Hypo-Hochhaus umgezogen.

Bei diesem ganzen Immobilienreigen nimmt das Palais Portia eine herausragende Stellung ein. Einmal wegen der Architektur mit den warmen Farben, dem natürlichem Licht und den unaufdringlich wirkenden Materialien. Aber auch wegen der Kunst, die im Zusammenspiel mit der Umgebung eine geradezu wohnliche Atmosphäre schaffe, wie Bärbel Kopplin sagt, die Kuratorin der Kunstsammlung Hypo-Vereinsbank. Aus dem Bestand von mehr als 20 000 Werken hat sie die Meisterstücke ausgewählt. Für einen Ort, an dem Diskretion und Vertraulichkeit eine zentrale Rolle spielen, aber auch Architektur und Kunst einen hohen Stellenwert haben.

Zu besichtigen am Sonntag um 14 Uhr an der Kardinal-Faulhaber-Straße 12.