"Arcade Fire" in München:Schulter an Schulter trotz Vorwürfen

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"Arcade Fire" in München: Mit "Me too"-Vorwürfen konfrontiert: Win Butler, Sänger der kanadischen Band "Arcade Fire", hier am 17. September bei einem Konzert in Mailand.

Mit "Me too"-Vorwürfen konfrontiert: Win Butler, Sänger der kanadischen Band "Arcade Fire", hier am 17. September bei einem Konzert in Mailand.

(Foto: Elena Di Vincenzo/IMAGO/ZUMA Wire)

Die kanadische Indie-Rock-Band trotzt in der Olympiahalle dem aktuellen Eklat um ihren Sänger Win Butler - durch einen Songkatalog erster Güte.

Von Martin Pfnür, München

Die Monitor-Box mit der Aufschrift "We" scheint Win Butler Halt zu geben. Gleich zu Beginn stellt er sich da oben drauf und singt mit emphatischer Gestik von einer Angst, die er dringend aus sich herausbekommen müsse. Die Sitznachbarin findet's trotzdem nicht gut, sie fragt sich lauthals, warum denn immer nur Typen dort stehen dürfen. Dabei haben Arcade Fire derzeit ja weiß Gott andere Probleme als Win Butler, der auf einer Monitor-Box steht. Da ist vielmehr Win Butler, dem drei Frauen und eine non-binäre Person vorwerfen, sie sexuell bedrängt zu haben. Butler wiederum zeigt sich reuig, spricht aber von Einvernehmlichkeit. Für seine Ehefrau und Band-Kollegin Régine Chassagne ist er indes einer, der "vom Weg abgekommen ist, aber auch wieder zurückgefunden hat", wie sie bei Pitchfork schreibt.

Das jedenfalls ist der Rucksack, den Arcade Fire bei der Präsentation ihres neuen Albums "We" in der Olympiahalle zu tragen haben. Sie schultern ihn tapfer, was auch dadurch erleichtert wird, dass die kanadische Indie-Rock-Band längst über einen Songkatalog erster Güte verfügt. Gleich das folgende "Ready to Start" mit Chassagne als zweiter Drummerin schickt eine Energie mit dem Effekt eines Aufputschmittels in die Halle, es wirkt, als hätte irgendwo jemand einen Knopf gedrückt: Euphorie an, Befangenheit aus.

"This is not a war, it's just a fucking concert", lässt Butler denn auch verlauten. Und tatsächlich geht es mit jedem Song gefühlt etwas weiter hinaus aus dem Schlamassel. Von der erhabenen Monumentalität von "Rebellion (Lies)" über den funky ins Ekstatische gedrehten French-Pop von "Reflektor" bis hin zur süß verklimperten Vorstadtmelancholie von "The Suburbs" oder der geschliffenen ABBA-Reminiszenz "Everything Now". Schulter an Schulter stehen Arcade Fire schließlich zur Zugabe auf einer winzigen Zweitbühne inmitten des Publikums und spielen das weihevolle "Wake Up", bevor sie im Stile eines hippieesken Spielmannszugs durchs Parkett von dannen ziehen. Sie demonstrieren damit auch etwas, das derzeit nicht nur skandalgebeutelten Bands gut ansteht: Geschlossenheit in Zeiten der Krise.

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