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Arbeitsplätze:Kaum Billig-Jobs

Mehr als 38 000 Menschen arbeiten im Erdinger Moos

Von Dominik Hutter

Für die einen ist es das Portal zu Urlaub oder Geschäftsreise. Andere definieren den Münchner Flughafen vor allem als Arbeitsplatz, den eigenen nämlich. Mehr als 38 000 Menschen verdienen ihr Geld inzwischen in der gar nicht mehr so kleinen "Airport-Stadt" im Erdinger Moos - das hat die jüngste Beschäftigtenerhebung der Betreibergesellschaft FMG ergeben, die alle drei Jahre verfasst wird. 2015 waren es noch 3370 MUC-Mitarbeiter weniger. Was nach der Rechnung von Airport-Chef Michael Kerkloh bedeutet: Statistisch betrachtet entstehen derzeit jeden Tag drei neue Arbeitsplätze am Flughafen.

Schon seit längerer Zeit ist nicht mehr die einstmals führende FMG der größte Arbeitgeber im Moos. Die Lufthansa hat dem staatlichen Betreiberunternehmen den Rang abgelaufen. 13 100 Mitarbeiter beschäftigt die Kranichlinie an ihrem zweitgrößten Drehkreuz, rund 2400 mehr als bei der letzten "Erhebung". Die FMG kommt auf 9700 - die beiden "Großen" zusammen verfügen über knapp zwei Drittel aller Arbeitsplätze im Erdinger Moos.

Laut der Statistik kann, wer am Flughafen arbeitet, zu 87 Prozent einen sozialversicherungspflichtigen Job vorweisen. Rechne man die Beamten und Auszubildenden dazu, komme man sogar auf 95 Prozent. Diese Zahlen sind Kerkloh besonders wichtig, da dem Flughafen regelmäßig vorgeworfen wird, vor allem prekäre Billig-Jobs zu schaffen. Was die FMG dann ebenso regelmäßig zurückweist. Von den knapp 130 000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen in den Landkreisen Freising und Erding entfällt fast ein Viertel auf den Flughafen.

Im Durchschnitt verdient ein Flughafen-Mitarbeiter pro Jahr 52 400 Euro brutto und damit gut zwölf Prozent mehr als noch drei Jahre zuvor. "Das ist wirklich kein schlechter Wert", schwärmt Kerkloh. Obwohl auch dem Flughafen-Chef klar ist, dass dieses Durchschnittseinkommen Pilotengehälter ebenso umfasst wie das Salär von Fluglotsen, Kellnern, Flugbegleitern, Gepäckwagenfahrern, Schmuckverkäufern oder Putzkräften. Die weit überwiegende Zahl profitiere aber von überdurchschnittlichen Einkünften. Leicht überdurchschnittlich ist der Anteil der Teilzeitkräfte: 27,6 Prozent des Mitarbeiterstamms haben keine Fünftagewoche, bayernweit sind es knapp 26 Prozent. Müsste jemand alle Lohnzettel begleichen, wären brutto zwei Milliarden Euro im Jahr fällig. Dazu kommen noch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, 327 Millionen Euro.

© SZ vom 11.07.2019
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