WirtschaftDüstere Stimmung auf dem Münchner Arbeitsmarkt

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Dunkle Wolken über München – das beschreibt auch die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt der Stadt.
Dunkle Wolken über München – das beschreibt auch die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt der Stadt. (Foto: Wolfgang Maria Weber/Imago)
  • Die Arbeitslosenquote in München liegt aktuell bei 5,2 Prozent – so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr, über 59 000 Menschen sind ohne Arbeit.
  • Unternehmen planen trotz steigender Investitionsabsichten Stellenabbau, da sie in Effizienzsteigerungen statt Kapazitätserweiterungen investieren und mit weniger Personal arbeiten wollen.
  • In der bayerischen Industrie liegt der Investitionsindikator bei minus elf Punkten, jedes vierte Unternehmen will am Standort Stellen streichen.
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Die Arbeitslosenquote in der Stadt ist so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Woran das liegt und in welchen Branchen es besonders schlecht läuft.

Von Catherine Hoffmann

Der Münchner Arbeitsmarkt steht zunehmend unter Druck. Die Arbeitslosenquote in der Landeshauptstadt liegt aktuell bei 5,2 Prozent – so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Mehr als 59 000 Menschen sind in München ohne Arbeit. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Personal verhalten: Rund 10 000 offene Stellen sind bei der Agentur für Arbeit gemeldet, ein im Vergleich zu den Vorjahren niedriger Wert.

„In München kommt der Arbeitsmarkt noch nicht in Schwung“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Wilfried Hüntelmann. Der Beschäftigungszuwachs der vergangenen Jahre sei ins Stocken geraten. Während die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze lange um rund drei Prozent jährlich zulegte, liegt das Plus nun nur noch bei 0,8 Prozent – Tendenz sinkend. In manchen Branchen – etwa im Handel oder in unternehmensnahen Dienstleistungen – geht die Beschäftigung bereits leicht zurück.

Die Zahl der anzeigepflichtigen Entlassungen nach dem Kündigungsschutzgesetz hat deutlich zugenommen. Betroffen sind insbesondere Industrieunternehmen, technische Dienstleistungen sowie die IT- und Kommunikationsbranche. Gründe reichen von Umstrukturierungen über Auftragsrückgänge bis zu kompletten Geschäftsaufgaben. „Eine nachhaltige Belebung wird erst mit einer deutlichen wirtschaftlichen Erholung einsetzen“, sagt Hüntelmann. Doch ein Aufschwung ist nicht in Sicht.

In der Region München – also der Stadt plus den umliegenden Landkreisen – hellt sich die Stimmung in den Betrieben zwar leicht auf. Der Konjunkturindex der Industrie- und Handelskammer steigt im Vergleich zum Frühjahr um vier Punkte auf 110 Zähler, bleibt jedoch unter dem langjährigen Durchschnitt. Zwar blicken 24 Prozent der Unternehmen etwas optimistischer in die Zukunft, 13 Prozent rechnen aber mit einer Verschlechterung ihrer Geschäfte. Hauptproblem bleibt die zu geringe Nachfrage, von der 70 Prozent der Betriebe berichten.

Auffällig ist, dass der Fachkräftemangel an Bedeutung verliert: Nur noch 45 Prozent sehen ihn als Belastung, nach 55 Prozent im Frühjahr. Gleichzeitig planen die Unternehmen – trotz wieder steigender Investitionsabsichten –, Stellen abzubauen. Was paradox klingt, ist es nicht: Investiert wird nicht in die Erweiterung der Produktionskapazitäten, sondern in Effizienzsteigerungen. So können sie künftig mit weniger Personal arbeiten. Per Saldo fallen die Beschäftigungspläne der Betriebe um drei Zähler auf minus neun Punkte und liegen damit weit entfernt vom langjährigen Durchschnitt von sechs Punkten – ein deutliches Signal für weiter steigende Arbeitslosigkeit in der Region.

Auch in Bayern ist die Stimmung schlecht

Der Blick auf ganz Bayern zeigt ein ähnliches Bild. Der halbjährlichen Firmenumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) zufolge ist die Stimmung in den Betrieben derzeit nahezu genauso schlecht wie vor dem Regierungswechsel in Berlin. Dabei hatten viele Unternehmer und Manager sich von der schwarz-roten Koalition schnelle Reformen für die Wirtschaft erhofft. Die Enttäuschung zeigt sich im BIHK-Konjunkturindex, der nur geringfügig auf 105 Punkte steigt und damit deutlich unter dem langjährigen Niveau bleibt. An der Umfrage nahmen 3200 Unternehmen in ganz Bayern teil, sie zeichnet also ein sehr präzises Bild der Stimmung in der bayerischen Wirtschaft. Und die ist schlecht.

Folge ist, dass die Unternehmen im Schnitt kaum noch Geld für Zukunftspläne, oder neue Produkte ausgeben: Der Investitionsindikator des Industrie- und Handelskammertags lag im Saldo bei einem Punkt, nur knapp über null. Doch das ist nur der Durchschnittswert aller Branchen: Im wichtigsten Wirtschaftszweig – der bayerischen Industrie – liegt dieser Wert bei minus elf Punkten. Das bedeutet, dass Industriebetriebe im Saldo nicht investieren, sondern kräftig sparen. Ökonomen verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass die ohnehin angeschlagene Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ohne Investitionen noch weiter sinken dürfte.

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Die geringe Investitionsneigung hat viele Ursachen, die wichtigste: Niemand kauft neue Maschinen, wenn die alten nicht ausgelastet sind. In der BIHK-Umfrage geben 43 Prozent der bayerischen Industrieunternehmen an, dass ihre Kapazitäten nicht ausreichend ausgelastet seien. Das sind doppelt so viele wie im langjährigen Durchschnitt, der bei 22 Prozent liegt. Dramatischer noch ist, dass es eine Rationalisierungswelle bei Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt. Wenn im Inland investiert wird, dann mit dem Ziel zu rationalisieren. 56 Prozent der Betriebe geben dies als Hauptmotiv an, nur 37 investieren, um ihre Produktion zu erweitern.

„Die bayerische Wirtschaft fährt weiter auf Sparflamme“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Viele Betriebe bereiten sich dem Verband zufolge auf eine „längere Durststrecke“ und zusätzlichen Personalabbau vor. Der Verlust von Arbeitsplätzen drohe in allen Branchen. Besonders dramatisch sehe es aber in der Industrie aus, wo jedes vierte Unternehmen am Standort Stellen streichen wolle. Nur ein kleiner Teil des Abbaus geht auf den Mangel an Arbeitskräften zurück, hat also damit zu tun, dass sich keine passenden Bewerber finden und man die Suche deshalb aufgibt. Beinahe 80 Prozent des Stellenabbaus werden ausdrücklich mit dem Ziel vorgenommen, die Beschäftigtenzahl zu senken.

Offenbar haben in den vergangenen Jahren viele Firmen trotz flauer Konjunktur an ihren Mitarbeitern festgehalten – in der Erwartung, dass das Geschäft bald wieder anzieht. Diese Hoffnung schwindet nun. Oder, wie Gößl es formuliert: „Jetzt stellt man sich auf ein dauerhaft niedriges Niveau ein.“

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