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Arabellapark:Zwischen Baum und Borke

Rosenkavalierplatz. Stau am Zebrastreifen, Fußgängerüberweg

Streitobjekt: die kleine Verkehrsinsel am Rosenkavalierplatz.

(Foto: Florian Peljak)

An der Verkehrsinsel am Rosenkavalierplatz entzündet sich eine Grundsatz-Debatte

Von ulrike steinbacher, Arabellapark

Die Umwelt schützen wollen sie nach eigenen Angaben alle. Für den einen, den größeren Teil des Bezirksausschusses (BA) Bogenhausen hieß dies in der jüngsten Sitzung, sieben schwächliche Bäume zu fällen, dafür Parkplätze anzulegen und so den Parksuchverkehr im Arabellapark samt zugehörigem CO₂-Ausstoß weiter einzudämmen. Den restlichen BA-Mitgliedern dagegen bedeutete der Erhalt von sieben, wenn auch kleinen Bäumen an dieser Stelle schlicht Umweltschutz, zumal der Rosenkavalierplatz ohnehin wenig Grün zu bieten hat. Die Debatte verlief hitzig, ein Hauch von Wahlkampf war zu spüren - und entsprechend kompromisslos wurde argumentiert. CSU, SPD und FDP setzten schließlich nach halbstündiger Diskussion gegen die Stimmen von Grünen und ÖDP die Parkplätze durch; zwei sollen nach einem Vorschlag von Nicola Holtmann (ÖDP) mit Ladestationen für Elektroautos ausgestattet werden.

Entzündet hatte sich der Streit an einem Thema, bei dem die Stadtviertelvertreter eigentlich einen Erfolg verbuchen können. Im Oktober 2015 wurde die Straße Rosenkavalierplatz auf ihre Initiative hin zur Einbahnstraße erklärt. Nach Anlaufschwierigkeiten kamen die Autofahrer damit gut zurecht; das Verkehrschaos im Arabellapark, das auch auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Fahr- und Parksuchverkehr zurückzuführen ist, entzerrte sich. Mit der Einbahnregelung wurde aber auch die Mittelinsel am Zebrastreifen überflüssig, die den Fußgängern früher das Überqueren der Straße zwischen der U-Bahn und dem eigentlichen Platz erleichterte. Inzwischen darf sie auf der Südseite nur noch von Radlern passiert werden, die sich nicht an die Einbahn-Richtung halten müssen. Gelegentlich komme es zu "Irritationen", sagte Martin Tscheu (SPD), wenn Lieferwagen sich dorthin verirrten.

Die Mittelinsel, auf der zwei Bäume stehen, soll also weg. Da sind sich alle BA-Mitglieder einig. Und weil dadurch ein bisschen Platz entsteht, könnten nördlich der Straße acht zusätzliche Parkplätze angelegt werden. Da waren sich die BA-Mitglieder vergangenes Jahr noch einig, sind es jetzt aber nicht mehr. Dabei, so erklärte Tscheu, sei die Baumreihe an der Straßenkante, die im Schatten einer zurückversetzten älteren Baumreihe steht, klein und unterentwickelt, der Stammumfang so gering, dass nicht einmal die Baumschutzverordnung greife. Laub bilde sich wegen des Schattens nur auf einer Seite. Und am Rosenkavalierplatz mit all seinen Geschäften, Hotels und Praxen herrsche nun einmal hoher Parkdruck

Die Debatte mäanderte dann vom Emotionalen ins Grundsätzliche: Xaver Finkenzeller (CSU) bezeichnete die sieben Bäume abwechselnd als "Krischperl" und "Verreckerl", Paula Sippl (Grüne) wiederum nannte es "pervers", Bäume Parkplätzen zu opfern. Ihr Parteifreund Andreas Baier warf CSU und SPD vor, "immer noch an der autogerechten Stadt zu arbeiten". Peter Reinhardt (CSU) revanchierte sich, indem er grüne Ideologie für Münchens Stauprobleme verantwortlich machte.

Einzig Holger Machatschek (Grüne), der schon so manche BA-Debatte mit kräftiger Polemik gewürzt hat, gab sich salomonisch: "Die Bäume machen das Kraut nicht fett", konstatierte er, "die Parkplätze auch nicht."

© SZ vom 30.05.2017
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