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Platz für 1500 Beschäftigte:Apple plant neuen Standort in München

  • 300 Ingenieure aus 40 Ländern arbeiten bereits im "Bavarian Design Center" in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs.
  • Jetzt sollen es mehr werden, viel mehr: Apple folgt Google und baut seinen Standort in der Stadt deutlich aus.
  • Das Bürogebäude "Karl", das derzeit auf dem ehemaligen Mahag-Gelände an der Karlstraße gebaut wird, könnte nach seiner für 2021 geplanten Fertigstellung Platz für etwa 1500 Beschäftigte bieten.

Es ist erst ein paar Monate her, dass Apple-Chef Tim Cook sich in München aufhielt. Er war zu Gast auf dem Oktoberfest, wo er unter anderem den Wirtschaftsreferenten Clemens Baumgärtner (CSU) traf. Und Cook besuchte erstmals das "Bavarian Design Center" seines Konzerns, das in der Nähe des Hauptbahnhofs sitzt, von außen aber kaum erkennbar als Apple-Standort ist. 300 Ingenieure aus 40 Ländern arbeiten dort schon. Und es sollen mehr werden, viel mehr. Einen Ort für seine Expansion hat Apple nun offenbar gefunden: das Bürogebäude "Karl", das derzeit auf dem ehemaligen Mahag-Gelände an der Karlstraße gebaut wird und das nach seiner für 2021 geplanten Fertigstellung Platz für etwa 1500 Beschäftigte bieten wird.

Apple hat es komplett angemietet, wie die Süddeutsche Zeitung von mehreren Kennern des Marktes für Gewerbeimmobilien in München bestätigt bekommen hat. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. Apple gehe auf Fragen zum Standort München, etwa auch zur Zahl der zusätzlichen Mitarbeiter, "im Detail nicht ein", erklärt ein Sprecher. Die Eigentümer des "Karl" lassen ausrichten, dass die 30 000 Quadratmeter Geschossfläche komplett an einen Nutzer vermietet seien. Zu dessen Namen dürfe man keine Angaben machen.

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München

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Der Internet-Konzern hat das Areal an der Hackerbrücke gekauft und will dort den Standort München massiv ausbauen. 1500 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Aber die Nachricht ist auch in der Stadtspitze angekommen. "Ich freue mich, dass sich Apple am Standort München vergrößert", sagt Wirtschaftsreferent Baumgärtner. "Dadurch werden hochwertige Arbeitsplätze in unserer Stadt gesichert und neu geschaffen." Zum Treffen auf der Wiesn erläutert er: "Ich nutze das Oktoberfest, um mit Akteuren der Wirtschaft in Kontakt zu treten und über die Vorzüge des Technik- und Wissenschaftsstandorts München zu sprechen. Wenn dies bei Herrn Cook positive Resonanz gefunden hat, freue ich mich darüber." Die Expansion wird in der Stadt aber auch entgegengesetzte Reaktionen auslösen. Die Debatte, wie man mit dem Wachstum Münchens umgehen und ob man es begrenzen soll, prägt schon jetzt den Wahlkampf. Und wegen Apple werden in den nächsten Jahren noch einmal mehr als 1000 Gut- bis Topverdiener hier Wohnraum suchen.

Hinzu kommt, dass dieser Aufschlag Teil eines Trends ist: Die Stadt hat eine enorme Attraktivität für Kommunikations- und Technologie-Konzerne, insbesondere auch für die größten der Welt. Erst im Oktober hat Google bekannt gegeben, seinen Münchner Standort von derzeit 1000 zunächst um weitere 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergrößern zu wollen. Das Unternehmen hat dafür eigens das denkmalgeschützte ehemalige Paketzustellamt zwischen Hackerbrücke und Circus Krone, auch bekannt als "Postpalast", samt umliegender Gebäude gekauft. Der Preis dürfte im gut dreistelligen Millionenbereich gelegen haben. Dort will Google 41 000 Quadratmeter Büroflächen bauen, zusätzlich zum bestehenden angemieteten Standort im Arnulfpark. Und der Konzern sucht weitere Flächen. Zudem haben etwa Amazon und Microsoft ihre Deutschland-Zentralen in München.

Ein Werk des bekannten britischen Architekten David Chipperfield: Das Bürohaus Karl, das bis 2021 an der Karlstraße entsteht, soll Platz für 1500 Mitarbeiter bieten. Simulation: Chipperfield Architects

Was das neue Apple-Büro von den Standorten der anderen Tech-Konzerne unterscheiden wird: Apple plant auch an der Karlstraße nach außen sehr zurückhaltend. Es solle kein Logo am Gebäude geben, heißt es in der Immobilienbranche. Der Markenauftritt bleibt den mit fast schon sakralem Anspruch gestalteten "Stores" vorbehalten, in München gibt es zwei: nahe dem Marienplatz und im Olympia-Einkaufszentrum.

Apple wird mit seiner Expansion nicht warten, bis der neue Standort bezugsfertig ist. Auf der Homepage sind für den Standort München mehr als 60 verschiedene Stellenprofile aus dem Bereich Forschung und Entwicklung ausgeschrieben. Zunächst ging es hier darum, die sogenannte "power management unit" weiterzuentwickeln, also einen Chip, der dafür sorgt, dass jeder Teil eines Geräts in jedem Moment mit der richtigen Menge Energie versorgt wird. Inzwischen arbeiten die Ingenieure in München auch verstärkt an anderen Bereichen für Soft- und Hardware. Denkbar ist, dass in München an Handymodems für den 5-G-Standard gearbeitet wird. Den Bereich hat Apple teilweise von Intel gekauft, das wiederum einen großen Standort mit vielen Experten kurz hinter der Stadtgrenze in Neubiberg hat.

Wachstumsmarkt

Noch sind es knapp unter zehn Prozent der Beschäftigten in München, die in der Informations- und Kommunikationsbranche arbeiten, 9,5 Prozent genau genommen. 82 990 an der Zahl waren es im Jahr 2018, ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (branchenübergreifend war es ein Plus von 2,8 Prozent) und von 36,8 Prozent im Fünf-Jahres-Vergleich. Die Zahlen stammen aus der Broschüre "München, der Wirtschaftsstandort", in der die Stadt elf Branchen unterscheidet. "Grundstückswesen, Beratung und Dienstleistung für Unternehmen" ist die größte (25,1 Prozent der Beschäftigten) vor "Handel, Gastgewerbe, Verkehr" (18,1 Prozent). Mit den gut 82 000 Beschäftigten im Sektor Information und Kommunikation liegt München weit vor anderen deutschen Zentren, wie die Stadt mit Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit von 2016 berichtet: In Berlin waren es 57 600, im Rhein-Main-Gebiet 50 200, in Hamburg 39 200. Sebastian Krass

Was Apple an München so interessant findet, hat Tim Cook in einem FAZ-Interview erklärt: Man könne hier "ein Team beschäftigen, das wir an einem anderen Ort auf der Welt so nicht zusammenstellen könnten. Wir finden hier Talente, die wir anderswo nicht finden würden". Damit bezieht er sich auf die Absolventen der Hochschulen, insbesondere der Technischen Universität (TU). Zudem wolle "nicht jeder, der eine gute Entwickler-Ausbildung hat, im Silicon Valley arbeiten". Und wenn so eine weltweit umworbene Fachkraft die Wahl etwa zwischen Tel Aviv oder München hat, dann nehmen viele München, weil das Leben hier unkomplizierter ist. Und aus internationaler Perspektive sind Mietpreise von gut 20 Euro pro Quadratmeter sehr verträglich.

© SZ vom 18.01.2020/lfr
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