Digitaler Kunstführer „My Art Walk“App und Aus

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Heinke Hagemann hat viel Zeit und Geld in die App "My Art Walk" investiert.
Heinke Hagemann hat viel Zeit und Geld in die App "My Art Walk" investiert. privat

Für die Kunstfreundin Heinke Hagemann war die App „My Art Walk“ immer eine „Herzensangelegenheit“. Nun will sie das Projekt beenden. Warum?

Von Evelyn Vogel

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„Good bye“ stand in dem Betreff der Mail, und statt Neuigkeiten aus der Welt der Kunst verkündete der jüngste Newsletter von Heinke Hagemann, dass die App „My Art Walk“ eingestellt wird. Wie bitte? Dieses, wie sie es selbst nennt „Herzensprojekt“, das sie im April 2018 selbst finanziert und unter Einsatz von viel Zeit begann, soll jetzt zu Ende sein? Die App, mit deren Hilfe man sich Kunsttouren in verschiedenen Städten Deutschlands, aber auch in Los Angeles empfehlen lassen oder sich selbst zusammenstellen kann – kostenlos wohlgemerkt – soll verschwinden?

„Ja“, bestätigt Hagemann, „die App wird eingestellt und demnächst aus den App-Stores genommen“. Auch wenn Hagemann als Frohnatur prinzipiell immer heiter klingt, ein wenig hört man ihrer Stimme an, dass ihr diese Entscheidung nicht ganz leicht gefallen ist. Die Gründe für das Einstellen der App seien rein technischer Natur. „Nach sechs Jahren wäre jetzt ein totaler Relaunche nötig gewesen. Meine Entwickler haben mir gesagt, es müsse alles neu programmiert werden. Diesen riesigen Investitions-Batzen wollte ich nicht auf mich nehmen. Und eine Umlage dieser Kosten auf die beteiligten Galerien kam für mich auch nicht infrage.“

Für Köln beispielsweise gab es in der App auch einen Menüpunkt zur Kunstmesse Art Cologne.
Für Köln beispielsweise gab es in der App auch einen Menüpunkt zur Kunstmesse Art Cologne. Heinke Hagemann

Tatsächlich sind sechs Jahre in der Welt der Programmierzyklen eine Ewigkeit. Und die App ist maßgeschneidert. Denn Hagemann suchte sich damals ein junges Start-up-Team, das alle ihre Wünsche und Anforderungen an die App umsetzte. Bezahlt hat sie das alles aus eigener Tasche. „Herzensangelegenheit“, wie gesagt. Eingepflegt hat sie die Daten anfangs selbst zuhauf, bis es eine Möglichkeit gab, dass die Galerien, die Aufnahme fanden und einen gewissen Beitrag zahlten, die Daten halbwegs bequem selbst einfüttern konnten. Auch ein paar Sponsoren und Kooperationspartner wie das Gallery Weekend Berlin und die Art Cologne konnte sie gewinnen, und das Münchner Kulturreferat gewährte ihr eine Projektförderung. Die App wurde Hagemanns persönliche kleine Erfolgsgeschichte.

Für die Nutzer ist die App kostenlos und man benötigt nicht einmal eine Registrierung, um loszulegen. Nur wer seine eigenen Favoriten über eine gewisse Anzahl hinaus dauerhaft speichern will, muss sich anmelden. Inzwischen hat die App laut Hagemann etwa 14 000 Nutzer, 3500 sind registriert für die App und den Newsletter.

Eine Kunsttour ohne Hetze

Die Idee zur App kam der promovierten Betriebswirtin und Mutter von drei Kindern aus ihrer Kunstbegeisterung heraus. Bei Besuchen in anderen Städten investierte sie oft viel Zeit im Voraus, so erzählte sie es mal, um die einzelnen Webseiten abzuklappern und sich eine Route zurechtzulegen, um möglichst viele Ausstellungen zu sehen. Bei einem Städtetrip steht einem aber nur ein begrenzter Zeitraum zur Verfügung und mangelnde Ortskenntnisse können dazu führen, dass man sich nicht die optimale Route zurechtlegt. Wenn Galerien und Museen mit den verschiedenen Öffnungstagen und -zeiten sich nicht gut kombinieren lassen, steht man mitunter vor verschlossenen Türen oder es heißt, nur noch fünf Minuten Einlass.

Die App berücksichtigt all das bei der Zusammenstellung einer Tour: Auf kürzestem Wege und zu den angegebenen Öffnungszeiten zu den Ausstellungen, die man nach eigenen Interessen zuvor ausgewählt hat. Wenn’s zu viel wird, kann man die Auswahl reduzieren und die Route wird neu berechnet. Wie ausgeklügelt die App ist, zeigt sich daran, dass der Rundgang, wenn man irgendwo länger verweilt als gedacht, optimiert wird. Wer es sich ganz einfach machen will, vertraut Hagemanns Gespür für interessante zeitgenössische Kunst und folgt „Heinkes kuratiertem Art Walk“, den es ebenfalls für jede Stadt gibt.

Als Heinke Hagemann ihre App "My Art Walk" startet, tat sie das in ihrer Heimatstadt München. Mehrere Städte, darunter auch Los Angeles, folgten.
Als Heinke Hagemann ihre App "My Art Walk" startet, tat sie das in ihrer Heimatstadt München. Mehrere Städte, darunter auch Los Angeles, folgten. Heinke Hagemann

Begonnen hat Hagemann mit München – einfach deshalb, weil sie sich in ihrer eigenen Stadt am besten auskennt und vor Ort direkt Kontakt mit den Museen, Stiftungen, Institutionen und Galerien aufnehmen konnte. Schon Ende des Jahres kam Berlin dazu. Und Anfang 2019 Hamburg. Dann – ihrer Liebe zu der Stadt der Engel geschuldet – folgte Los Angeles. Inzwischen gibt es „My Art Walk“ auch noch für Köln und Düsseldorf. Wann die App verschwindet, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Aber an Plänen hapert es Heinke Hagemann nicht. Und was, wenn plötzlich ein Investor für die App um die Ecke käme? Hagemann zögert nur eine Sekunde und sagt dann mit ihrer ganzen positiven Ausstrahlung: „Dann würde ich es mir noch mal überlegen.“

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