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Apéro Monaco:Am Viktualienmarkt kann man genießen wie auf der Piazza

Zurücklehnen und genießen: Die Aussicht ist gut im Apéro Monaco.

(Foto: Robert Haas)

Feierabend-Spritz und schnell noch einen Happen vor dem Abendessen: So läuft der italienische Aperitivo. Im Apéro Monaco in der Altstadt kann das aber schiefgehen - zu üppig ist die Karte.

Von Christian Gschwendtner

Man soll ja nicht lügen. Aber ein paar Ausnahmen sind dann doch erlaubt. Das Apéro Monaco, die neue Bar gegenüber der Schrannenhalle, ist so ein Fall. Auf der Markise überm Eingang steht "made in italy" - was so nicht stimmt. Die Bar hat sich kein Italiener ausgedacht, sondern Martin Hörner, der in der Hofstatt bereits das Cole & Porter betreibt. Schlimm? Eher nicht. Denn sitzt man erst mal an den runden Tischen draußen auf der Straße, ist es sofort da: das Piazza-Gefühl.

Alle paar Minuten fährt der 62er Bus vorbei, um einen herum sind haufenweise Touristen, Afterwork-Menschen und Shopper. Kann man sich alles anschauen, von einem luftigen Schattenplatz unter den Bäumen. Und genau darum geht es ja: kurz was trinken, eine Kleinigkeit essen. Und dann weiter zum Abendessen oder sonst wo hin. Wie in Italien eben.

Das Apéro Monaco hat sich jedenfalls auf "Aperitivo" spezialisiert. Ein Trend, den man in München aktuell häufiger beobachtet. Vor allem in der Gegend rund um den Viktualienmarkt. Wenn es hier an einem nicht fehlt, dann an einer Gelegenheit einen Drink zu bekommen. Vor allem tagsüber. Das Apéro Monaco hebt sich trotzdem von der Masse der Bars ab. Und das liegt daran, dass hier Wert auf Qualität und Service gelegt wird. Der Chef hat im Schumann's gelernt. Sein Barmann trägt Hosenträger zum weißen Hemd.

Im Endeffekt ist das Apéro Monaco der ideale Ort für einen Drink zwischendurch. Es gibt hervorragende Lillets (ab 7,50 Euro), sie sind nicht zu süß, sondern fruchtig und erfrischend. Empfehlen kann man die hochwertigen Apéro Gins (ab 12,50 Euro), und bei den Cocktails besonders den Guns n 'Roses (9,50 Euro), der mit einem Rosenblatt serviert wird. Das Problem ist eher das Ausmaß der Karte. Sie ist so üppig, dass Anschlusstermine ernsthaft gefährdet sind - was dem Aperitif-Prinzip wiederum grundlegend widerspricht.

Ein Grund zu bleiben ist in jedem Fall das Buffet mit Lachs-Blinis, Entenleberpastete, Blätterteigtaschen mit Ziegenkäse, Thunfisch und Oliven. Es steht von Montag bis Donnerstag ab 17 Uhr bereit (3 Euro pro Person). Wer will, kann sich zusätzlich noch Vollkorn-Toasts und Ciabatte bestellen. Es soll niemand ohne Unterlage trinken. Den Satz haben sie hier beherzigt.

Was man aber sagen muss: das Sitzen an den Tischen auf der Straße macht deutlich mehr Spaß als im Innenraum. Das liegt nicht unbedingt an der Ausstattung. Der Messingtresen, die goldenen Wandbögen - all das ist angemessen pompös. Es gibt auch ein kleines Schild, das Goethe zitiert: Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Stimmt, aber auf der Straße ist doch mehr los. Ungelogen.

© SZ vom 02.06.2017/vewo

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