Anzeige wegen Sexualstraftat Sedlmayr-Mörder auf der Flucht

Einer der Mörder des Schauspielers Walter Sedlmayr soll einen 19-Jährigen sexuell genötigt haben. Nun sucht die Polizei den Mann - bislang vergeblich.

Von Susi Wimmer

Einer der beiden Halbbrüder, die 1990 den Volksschauspieler Walter Sedlmayr ermordet hatten, wird von der Polizei gesucht: Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, soll der 55-Jährige am Freitag vor einer Woche einen 19-jährigen Schüler in sein Auto gelotst und sexuell genötigt haben.

Eine schriftliche Vorladung der Polizei in der Sache ignorierte der mutmaßliche Täter. Er ist weder an seinem Erstwohnsitz in Hessen noch in seiner Zweitwohnung im Kreis Erding erreichbar. Der Tatverdächtige war 2007 nach 16 Jahren Gefängnis zur Bewährung entlassen worden.

19-Jähriger stieg ahnungslos in ein Auto ein

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern bestätigte auf Nachfrage der SZ, dass der 19-Jährige Strafanzeige gestellt habe. Der junge Mann stammt aus den neuen Bundesländern und absolviert zur Zeit in Freising ein "Ökologisches Jahr".

An jenem Freitag vor einer Woche, um zwei Uhr früh, war der Schüler schon etwas angetrunken und auf dem Weg von der Kneipe nach Hause, als in der Ziegelgasse in Freising ein Auto neben ihm anhielt. Der Fahrer lud den 19-Jährigen zu sich ins Auto ein, dieser stieg ahnungslos ein.

Dann gab der Fahrer Gas. Mit dem, was der Mann wollte, hielt er nicht lange hinterm Berg: Der Schüler solle an ihm für 20 Euro den Oralverkehr vollziehen. Der 19-Jährige verneinte vehement. Daraufhin soll der Fahrer dem Betrunkenen an die Genitalien gegriffen haben.

Foto vom Wagen des Täters gemacht

Kurz darauf gelang es dem Schüler, aus dem Wagen zu springen. Geistesgegenwärtig holte er sein Handy hervor und machte ein Foto des Wagens. Der Fahrer schlug ihm daraufhin das Handy aus der Hand und fuhr davon. Mit diesem Foto ging der Schüler zur Polizei und erstattete Anzeige. Für die Beamten war es ein Leichtes, den Halter des Wagens zu ermitteln.

Anschließend legten die Polizisten dem Schüler ein Foto des Halters sowie andere Bilder gleichaltriger Männer vor. Der 19-Jährige identifizierte den Sedlmayr-Mörder nach Angaben der Polizei eindeutig als mutmaßlichen Täter von Freitagnacht.

Zur Vernehmung nicht erschienen

Die Polizei lud daraufhin den 55-Jährigen zur Vernehmung vor, er erschien allerdings nicht. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks verfügt der Mann über einen Zweitwohnsitz im Bereich von Erding. Er ist für die ermittelnde Polizei weder hier noch an seinem Erstwohnsitz in Mittelfranken erreichbar.

Der mutmaßliche Sextäter und sein Halbbruder waren im Mai 1993 des Mordes an Walter Sedlmayr für schuldig befunden worden. Das Gericht war zu dem Schluss gekommen, dass die Brüder den Schauspieler überfallen, gefesselt, mit Messerstichen gequält und mit einem Hammer erschlagen hatten.

Sedlmayr hatte einen neuen Privatsekretär eingestellt, einer der Brüder, den Sedlmayr als Ziehsohn ansah, befürchtete, dass nun seine kriminellen Machenschaften als Antiquitätenhändler auffliegen und der Schauspieler nicht mehr so spendabel sein würde. Die Brüder wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Der heute 55-Jährige ließ sich nach Hessen verlegen und kam 2007 frei.