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Anwohner kündigen weitere Proteste an:Der Wunsch nach Wohnraum überwiegt

"Wir werden weiter Front machen gegen die völlig überzogene Nachverdichtung", kündigt der bisher schon sehr aktive Verein Pro Fürstenried an.

(Foto: Robert Haas)

Der Bezirksausschuss hält sich mit Kritik an Plänen zur Nachverdichtung in Fürstenried-West deutlich zurück, trotz erheblicher Versiegelung, der Fällung zahlreicher Bäume und eines befürchteten Verkehrskollapses

30 Prozent mehr Versiegelung; der Verlust eines Viertels des Baumbestands; eine von 540 auf 660 deutlich hochgeschraubte Zahl an Wohnungen; drohendes Autoverkehrschaos; ein Stellplatzschlüssel von 0,53; extreme Verschattung bestehender Häuser. Dazu ein Bruch der Zusage, keine Altgebäude abzureißen, sowie anhaltender Unmut der Anwohner aus der Appenzeller Straße, Forst-Kasten-Allee, Graubündener Straße und Bellinzonastraße. Kein Wunder, dass reichlich Skepsis der Lokalpolitiker den Weg zur geplanten Nachverdichtung in Fürstenried-West begleitet. Wenn davon dennoch wenig zu lesen ist in der Stellungnahme, die der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln jetzt zum Vorhaben der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) verabschiedet hat, so liegt das an der alles überlagernden Hoffnung auf dringend benötigten, bezahlbaren Wohnraum. Darin weiß das Gremium sich einig mit Stadtrat und Planungsreferat.

Wäre es nach der CSU gegangen, hätten einige der erwähnten heiklen Punkte in der Stellungnahme trotzdem ihren Niederschlag gefunden. Doch das verhinderten SPD, Grüne und FDP per Abstimmung. Die CSU beschwört vor allem einen Verkehrskollaps in Fürstenried-West. "Wenn in einem ohnehin schon übervollen Bezirk noch 1850 Kraftfahrzeuge dazu kommen, kriegen wir einen Infarkt", prophezeite Fraktionssprecher Reinhold Wirthl. Seine Fraktionskollegin Claudia Küng warf den anderen Parteien vor, eine "Politik der Wunschvorstellungen" zu betreiben und einer Verlagerung der Verkehrsprobleme in andere Quartiere Vorschub zu leisten. Dazu passend schilderte eine Zuhörerin, dass sie schon heute nicht wisse, wie sie "aus der Siedlung rauskommen soll".

Ein BVK-Vertreter konterte die Einwände mit dem Hinweis auf ein umfassendes Mobilitätskonzept. Dazu zählten eine bessere Busanbindung im Zehn-Minuten-Takt, Car-Sharing und Leihfahrräder. Auf eine Taktverdichtung bei der U 3 will der BA zusätzlich hinwirken. Michael Kollatz (SPD) sprach zusammenfassend von einer "politischen Entscheidung, die nicht mehr auf den Individualverkehr setzt", sondern auf ein Bündel alternativer Lösungen.

Einige Details der geplanten Nachverdichtung stießen trotz generellen Wohlwollens auf Ablehnung. So sei die Überbauung eines Gehwegs auf Höhe des zweiten Stocks "in keinster Weise gebietstypisch" und werde abgelehnt, heißt es in dem Positionspapier. Ferner stört sich der BA am zusätzlich vorgesehenen Hochbau an der Forst-Kasten-Allee, weil diesem "ein sehr erhaltenswerter Baumbestand" weichen müsste. Zudem sei "nicht nachvollziehbar", dass das Bauvorhaben als Einzelfall betrachtet werde und nicht im Zusammenhang mit anderen Großprojekten in der Umgebung, wie den Neubauten am Neurieder Kreisel.

Unterm Strich überwogen die positiven Kommentare zur Nachverdichtung. Vor allem Grüne und FDP sehen in dem Projekt eher einen Grund zum Feiern denn zum Protest. Positiv vermerkt werden die Schaffung eines Quartiersplatzes mit Einzelhandel, Mobilitätsstation, Gewerbe und sozialen Einrichtungen, ebenso wie die Bewahrung des Gehölzgürtels Richtung Neuried sowie die Schaffung von Dachgärten und -begrünungen. Alexander Aichwalder (Grüne) würdigte überdies das "transparente Verfahren" und bescheinigte dem Investor, "nicht die schnelle Kohle, sondern fairen Mietwohnungsbau" machen zu wollen. Auch Richard Ladewig (FDP) rief den BA auf, der Stadt eine "positive Grundtendenz" zu signalisieren. Gebaut wird von 2022 bis voraussichtlich 2028 in sechs Abschnitten. Skeptisch geblieben ist der BA-Vorsitzende Ludwig Weidinger (CSU), vor allem wenn er an jene Leute denkt, die künftig im Schatten von Hochhäusern leben: "Ich würde da depressiv werden." Christoph Söllner, Sprecher des Vereins Pro Fürstenried, zeigte sich ebenso enttäuscht wie viele der zahlreichen Zuhörer: "Wir werden trotzdem weiter Front machen gegen die völlig überzogene Nachverdichtung", kündigte er an.