bedeckt München 26°

Anwohner der Feierbanane:"Unsere Nerven liegen blank"

Bar "Beverly Kills" in der Müllerstraße in München, 2013

Die Müllerstraße hat sich zu einer Problemzone entwickelt. Vor allem an den Wochenenden geht es vor den vielen Lokalen laut zu.

(Foto: Stephan Rumpf)

Grölende Gäste und laute Musik: In der Müllerstraße machen immer mehr Kneipen und Bars auf. Die Anwohner der sogenannten Feierbanane fühlen sich nicht nur durch den Lärm massiv belästigt. Nun fordern sie die Stadt zum Eingreifen auf.

Von Alfred Dürr

Die einen machen Party, die anderen fühlen sich massiv belästigt: Anwohner in der Müllerstraße beklagen sich über die Auswirkungen der sogenannten Feierbanane. Der Zustand dort sei nicht länger zu ertragen, heißt es. Die Stadt müsse endlich handeln. In dem bogenförmigen Gebiet von der Blumenstraße über die Sonnenstraße bis zur Türkenstraße etablierte sich mit zahlreichen Lokalitäten eine beliebte Club-Szene. Aber gerade der Abschnitt Müllerstraße hat sich in den vergangenen Jahren für die Anwohner zu einer besonderen Problemzone entwickelt.

In dem eng bebauten Gebiet zwischen dem Sendlinger-Tor-Platz und der Hans-Sachs-Straße liegen viele Wohnhäuser. Geschäfte und Läden wandelten sich zu Bars und Clubs. "Tagsüber ist es hier wunderbar ruhig und friedlich, aber kommen Sie einmal am Wochenende nach 22 Uhr hier vorbei", sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen will. Grölende Gäste, laute Musik - an Durchschlafen sei nicht mehr zu denken, "unsere Nerven liegen blank".

Lärm und Müll

Der Müll im Umfeld der Häuser sei mitunter unbeschreiblich, sagt Thomas Kother, der auch in der Müllerstraße wohnt und der sich für die Interessen der Anlieger einsetzt. Er erlebt es selbst und viele Nachbarn berichten es ihm: Die Leute lärmten vor den Lokalen, Autos würden beschädigt, Gläser in die Trambahn-Schienen geworfen. Kneipen und Bars seien wie Pilze aus dem Boden geschossen, was eine entsprechend hohe Zahl von Besuchern zur Folge habe. Mittlerweile verfüge schon jedes Haus über irgendeinen gastronomischen Betrieb. Wolfgang Neumer (CSU), der Vorsitzende des Altstadt-Bezirksausschusses, hat sich an mehreren Wochenenden selbst ein Bild gemacht: "Es geht da zu wie am Ballermann."

Die Sorgen der Anwohner bekommen weitere Nahrung. Der Club "Die Bank" ist seit einiger Zeit geschlossen, die Räume einer ehemaligen Bankfiliale werden gerade renoviert. Hier will der Szene-Gastronom David Walker ("Die Registratur") neu eröffnen. Genehmigt hat die Stadt im Jahr 2004 eine "Gaststätte mit Kleinkunst und Varieté" über mehrere Etagen hinweg. Eine solche Formulierung könne aber auch bedeuten, sagt Thomas Kother, dass dort bekannte DJs auftreten, die eine große Anzahl von Besuchern anzögen. Ganz abgesehen von möglichen Lärmbelästigungen durch die Veranstaltungen.

David Walker äußert sich noch nicht zu seinem Konzept für den neuen Club in der Müllerstraße. "Wir sind uns bewusst, dass es sich um kein leichtes Thema handelt, niemand will Ärger mit den Nachbarn haben", sagt er lediglich. Auch aus der Baugenehmigungsbehörde ist wenig zu erfahren. Der Betreiber habe sich an die Auflagen zum Lärmschutz zu halten.

Falsch verstandene großstädtische Liberalität

Auf der jüngsten Sitzung des Altstadt-Bezirksausschusses forderten die Bürger aus der Müllerstraße die Sperrzeiten für die Lokale zu verlängern, außerdem müsse die Polizei in diesem Areal mehr Streife fahren, schließlich dürfe nicht immer mehr Außengastronomie vor den Lokalen zugelassen werden. Es sei speziell an diesem Ort eine falsch verstandene großstädtische Liberalität, wenn die Stadt nichts zum Schutz der Anwohner unternehme.

Die Polizei könne nicht alle Probleme in der Müllerstraße lösen, sagte Christian Weiss, der Chef der Altstadt-Inspektion. Die Leute sollten Sachbeschädigungen anzeigen und anrufen, wenn sie sich belästigt fühlten. Die Beamten könnten nur einschreiten, wenn es um einen konkreten Fall gehe, aber nicht vorsorglich für Ruhe und Ordnung sorgen. Der Bezirksausschuss will nun einen runden Tisch organisieren, an dem die Beteiligten Lösungen für das Problem Müllerstraße suchen.

© SZ vom 25.09.2014/vewo

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite