bedeckt München 24°

Anwalt von Bayern-Spieler Breno:"Er braucht Hilfe, keine Haft"

Der Fall um den in U-Haft sitzenden Bayern-Spieler Breno wird immer mysteriöser: Nach SZ-Informationen war der Brasilianer in der Brandnacht nicht alleine in seiner Villa. Der Anwalt von Breno kritisiert indes das Vorgehen der Staatsanwaltschaft scharf.

Susi Wimmer

Der Bayern-Profi Breno war in der Nacht, in der seine Villa in Grünwald abgebrannt ist, offenbar nicht allein in seinem Haus. Am Abend soll auch ein Bekannter aus Brasilien zugegen gewesen sein, erfuhr die Süddeutsche Zeitung. Der Mann aus Brasilien soll in den Tagen zuvor im Gästezimmer im Keller des Hauses gewohnt haben. Doch welche Rolle der Mann an diesem Abend gespielt hat, ist noch unklar.

Bayern-Spieler Breno in Untersuchungshaft

Bayern-Spieler Breno sitzt in Untersuchungshaft. Er soll sein Haus in Grünwald angezündet haben. Sein Anwalt kritisiert indes das Vorgehen der Staatsanwaltschaft.

(Foto: dapd)

Und es wurde noch ein weiteres Detail aus der Nacht bekannt: Als die Polizeibeamten nach Mitternacht an der brennenden Villa eintrafen, soll Breno ihnen nach SZ-Informationen die rußgeschwärzten Unterarme entgegengestreckt und gefragt haben, ob er jetzt festgenommen sei. Die Staatsanwaltschaft bemüht sich derzeit, den Ablauf der Brandnacht zu klären. Breno soll seine angemietete Villa in Grünwald angezündet haben; es wird gegen ihn wegen schwerer Brandstiftung ermittelt.

Am Samstag erließ eine Ermittlungsrichterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen Breno. Der Grund: Flucht- und Verdunklungsgefahr. "Es müssen noch Zeugen befragt und Widersprüche abgeklärt werden", sagt Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Brenos Verhalten in der Tatnacht sei relevant, sagte er. Nach SZ-Informationen soll der Fußballer nach dem Brand im Krankenwagen einem Sanitäter drei Feuerzeuge übergeben haben mit der Bitte, diese verschwinden zu lassen. "Hier steht ein Verbrechenstatbestand im Raum, der Fluchtanreiz ist hoch", sagt der Staatsanwalt.

Die SZ erfuhr ebenso, dass Breno am Abend des Brands Besuch aus Brasilien hatte. Der Besucher verließ offenbar irgendwann das Haus, ebenso Brenos Frau und die Kinder. "Als das Feuer sichtbar wurde, war Breno alleine in der Villa", sagt auch die Staatsanwaltschaft. Später wurde bei dem Fußballer ein Atemalkohol von 1,5 Promille gemessen. Ermittler fanden mehrere Brandherde im Haus.

Der Anwalt von Breno und der FC Bayern München kritisierten das Vorgehen der Staatsanwaltschaft scharf. "Wir haben es nicht mit einem Kriminalfall zu tun, sondern mit einer tragischen persönlichen Entwicklung", sagt Rechtsanwalt Werner Leitner, "Breno braucht Hilfe, keine Haft." Leitner beschreibt ihn als "verzweifelt", "am Boden zerstört", als "einen mit der Situation überforderten Jungen", der buchstäblich nur noch das besitze, was er am Leib trägt.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß tobte beim Spiel des FC Bayern am Samstagabend gegen Leverkusen vor der Presse: "Was aus dem Fall gemacht wird, ist die absolute Katastrophe." Wie sich die Staatsanwaltschaft aufführe sei "Wahnsinn", es fehle die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Breno in Haft zu nehmen, sei unvorstellbar: "Der kann kein deutsch, er hat keinen Pass mehr, er hat gar nichts mehr, da gibt's nichts zu verdunkeln. Der Junge ist schon völlig fertig."

Die Staatsanwaltschaft kontert am Sonntag: "Man kann gerne Angaben zur Brandursache und zum Brandverlauf machen. Alle anderen Aussagen kommentieren wir nicht", meint Steinkraus-Koch. "Die Ermittlungsrichterin hat den dringenden Tatverdacht und die Haftgründe anerkannt." Rechtsanwalt Leitner, der Breno vertritt, hat noch am Samstag einen Haftprüfungstermin beantragt. Am Montagmittag wurde er bestätigt. Es gebe noch keinen Termin, aber man gehe davon aus, dass er zeitnah innerhalb von zwei Wochen stattfinden werde, sagte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger.

Gegen Zahlung einer Kaution und Meldeauflagen könnte es sein, dass Breno wieder auf freien Fuß gesetzt werden kann. "Ich bin zuversichtlich, dass mein Mandant eine Chance bekommt, von einer längeren Haft verschont zu werden", meint der Rechtsanwalt. Und: "Ich glaube nicht, dass man das von Brenos Aussageverhalten abhängig macht."

© SZ vom 26.09.2011/bica
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB