Wenn man Georg Philipp Telemanns G-Dur Konzert für Viola, Streicher und Basso continuo so hinreißend virtuos, geistreich mit dem Orchester dialogisierend und alle Facetten des Violklangs auskostend erlebt wie an diesem Sonntagmorgen im Prinzregententheater mit dem einzigartigen Antoine Tamestit als Violasolisten und dem BRSO-Kammerorchester unter Leitung von Radoslaw Szulc, bleibt nur Verwunderung, dass es in den folgenden Musikepochen nicht eine Flut exzellenter Violakonzerte gegeben hat. Doch obwohl Komponisten von Bach bis zu Paul Hindemith gerne Bratsche spielten, blieb die Viola bis auf wenige Ausnahmen bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Stiefkind unter den Streichern, was das Solistische angeht.
Dass sich das grundlegend geändert hat, beweist ein phänomenaler Musiker wie Antoine Tamestit: Er entfaltete nicht nur Telemanns Witz, Eleganz und kompositorische Meisterschaft mit tänzerischem Schwung und rhythmischer Pointierungslust sondergleichen, sondern verwirklichte davor Alfred Schnittkes weit ausgreifenden „Monologue“ für Viola und Orchester mit unbedingter Emphase. Das begann in zartester Melancholie und steigerte sich bis zu ekstatischer Klage immer im Zusammenspiel mit dem Kammerorchester.
Schnittke ging es nicht um ein erwartbares Abwechseln zwischen Solo und Tutti, sondern in diesem Stück wollte er ein Zusammenwachsen zwischen allen Beteiligten erreichen unter Anführung und Anfeuerung der Viola. Der Eindruck dieses mit größter Inständigkeit dargebotenen Stückes ging tief. Dem brausenden Beifall dankte Tamestit mit dem Prélude aus der 1. Cello-Suite von Bach.
Bach war der musikalische Elefant im Raum. Denn Radoslaw Szulc und die Seinen boten spannend leise und durchsichtig Contrapunctus 1 und 4 aus der „Kunst der Fuge“ und zu Beginn Arthur Honeggers „Prélude, arioso et fughette sur le nom de B.A.C.H:“als feurige Hommage an Bach. Und auch in der 8. Streichersymphonie des 14-jährigen Felix Mendelssohn schimmert dessen intensive Beschäftigung mit Bach immer durch. Brillant gespielt, mit Jubel gefeiert!

