Buch über Anti-Orte:Was man in München vergessen kann

Die Münchner sind mächtig stolz auf den Viktualienmarkt, ihre schönen Parks und Plätze, dabei haben manche Sehenswürdigkeiten durchaus ihre Schattenseiten. Jetzt gibt es ein bitterböses Anti-München-Büchlein, das die lustigsten Geschichten dazu gesammelt hat.

Auswahl.

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55 Orte in München, die man getrost wieder vergessen kann

Quelle: Christina Scheuerer Verlag

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Die Münchner sind mächtig stolz auf den Viktualienmarkt, ihre schönen Parks und Plätze, dabei haben manche Sehenswürdigkeiten durchaus ihre Schattenseiten. Ein neues Anti-München-Buch listet die nun auf.

Bilderflut und Datenmüll haben die Menschheit an die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit gebracht, findet R.W.B. McCormack. Deshalb hat der Autor nun ein Büchlein über Orte in München zusammengestellt, die man getrost wieder vergessen kann - sozusagen als Antwort auf verdienstvolle Werke wie "111 Orte in München, die man gesehen haben muss." Unbedingt gelesen haben muss man sein bitterböses Anti-München-Buch sicher nicht - es ist ein wenig lieblos geworden. Lustig sind manche der von ihm gesammelten Geschichten aber durchaus.

Viktualienmarkt

Alte Grantler, an denen hier weiß Gott kein Mangel herrscht, bezeichnen den Viktualienmarkt als Fäkalienmarkt, und selbst den Oberbürgermeister erinnern die Stände und Buden eher an ein Zeltlager am Hindukusch als an einen kundenfreundlichen Obst- und Gemüsemarkt. Die "Standlleut" tragen nicht gerade zur Imageverbesserung bei. Ein Bekannter des Autors hatte den am Markt gekauften Käse nachgewogen und für zu leicht befunden. Er rief den Käsehändler an mit der Bitte um Aufklärung. Der erklärte unter glucksendem Lachen, es könne schon mal passieren, dass der Wind das Messergebnis verfälsche.

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Quelle: Christina Scheuerer Verlag

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Marienplatz

An der Stelle dieses unscheinbar wirkenden Cafés am Marienplatz 22 soll die erste Weißwurst fabriziert worden sein. Die bis zum Überdruss vorgetragene Mahnung der Wirte, eine Weißwurst dürfe das Zwölfuhrläuten nicht hören, wurde von einem der boxenden Klitschko-Brüder mit drei Worten zu Fall gebracht. "Ich habe Jetlag."

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Max-Joseph-Platz

Eingezwängt zwischen Oper und Residenz liegt das Residenztheater. Ingmar Bergman fand hier vorübergehend Zuflucht vor schwedischen Finanzbeamten und möglicherweise dem schwedischen Gefängnis. Bald vergällten ihm die Intrigen der Münchner Kulturclique und das "graumelierte Gezeter" eines Kultusministers allerdings den Aufenthalt. Im Rückblick erinnerte ihn das Interieur des Staatstheaters mit seinen Neonröhren und dem Geruch nach deutschen Reinigungsmitteln an eine Entlausungsanstalt oder an ein kaserniertes Bordell. Da war ihm dann das heimatliche Schweden samt Steuerfahndung doch lieber.

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Quelle: Christina Scheuerer Verlag

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Englischer Garten

Ruhe und Erquickung suchen Bürger im Englischen Garten. Doch in der Dämmerung nehmen sie oft Gestalten wahr, die unter Büschen zucken und stöhnen und offensichtlich ihrer Sinne nicht mehr mächtig sind. Eine Gefährdung der Allgemeinheit ist indes nicht zu befürchten, zu sehr sind diese Herrschaften mit sich selbst beschäftigt. Ein Risiko, vor allem für spielende Kinder, geht dagegen von den gebrauchten Einwegspritzen aus, die unter Parkbänken und in Abfallkörben entsorgt werden.

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Prinzregentenstraße

Der Dreck zeigt, was von der Nacht geblieben ist - im P1, einer Disco neben dem Haus der Kunst für B- und C-Prominente. Bekannt geworden ist das P1 durch seine Mottoparties. Ein Beispiel: das "Römerfest". Zur Belustigung der Schickeria hängen sich Studenten in Jesuskostümen ans Kreuz.

55 Orte in München, die man getrost wieder vergessen kann

Quelle: Christina Scheuerer Verlag

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Amerika Haus

Der amerikanische Politologe Hans Morgenthau hielt hier einen öffentlichen Vortrag, worin er quintessentiell empfahl, die Völker der Dritten Welt in ihrem eigenen Saft schmoren zu lassen ("let them stew in their own juice"). Nicht einmal die Bayern konnten es dem missgelaunten Herrn recht machen: "If you'd get the Bavarians out of Munich, I could live in Munich."

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Königsplatz

Der Königsplatz, im Volksmund Plattensee genannt, ist Sitz der Glyptothek. Kenner raten Eltern von einem Besuch mit Kindern ab, seit Professor Artur Kutscher dafür gesorgt hat, dass die Feigenblätter von den antiken Statuen entfernt werden.

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Feinschmeckerlokal "Schwarzwälder"

"Ned schiaß'n, ned schiaß'n", rief Franz Josef Strauß seinen Leibwächtern zu, nachdem er bei Glatteis vor dem Feinschmeckerlokal "Schwarzwälder" in der Hartmannstraße Nummer 8 ausgerutscht und mit einem Passanten zusammengestoßen war.

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Schellingstraße

In der Schellingstraße Nummer 49 befand sich die Metzgerei des Vaters von Franz Josef Strauß, einst Verteidigungsminister sowie Parteivorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Nach seinem Tod wurde die Nummer 49 nicht mehr neu vergeben. Vermutlich aus Pietät.

R.W.B. McCormack: 55 Orte in München die man getrost wieder vergessen kann. CSV-Verlag, 60 Seiten, 5 Euro.

© Süddeutsche.de/afis/tob
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