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Ankunftszentrum für Flüchtlinge:Das Tor zu München

Neues Ankunftszentrum der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber München - Einladung zum Tag der offenen Tür, Maria-Probst-Str.

Rund 2600 Quadratmeter groß ist das neue Ankunftszentrum in der Maria-Probst-Straße.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Regierung von Oberbayern eröffnet an diesem Dienstag ihr neues Ankunftszentrum für Flüchtlinge.
  • Das Zentrum an der Maria-Probst-Straße besteht aus 95 Bürocontainern und vier Hallen.
  • Auf der anderen Straßenseite gibt es zudem ein Bettenhaus mit etwa 600 Plätzen in einem umgebauten Bürogebäude - dort können Flüchtlinge schlafen, die abends oder nachts ankommen.

Es ist höchste Zeit, dass sie hier, auf der weiten Kiesfläche, die Türen aufsperren. Höchste Zeit, dass die unwürdigen Zustände in dem alten Haus an der Baierbrunner Straße in Obersendling ein Ende finden, da sind sich alle einig. Das marode Gebäude war oft das Erste, was Menschen aus Syrien oder Eritrea von München kennengelernt haben. Nun werden jene, die am Hauptbahnhof ankommen oder irgendwo von der Polizei aufgegriffen werden, in den Euro-Industriepark geschickt.

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Das Haus hat gute Chancen, wesentlich menschenfreundlicher zu werden als das bisherige. Die Regierung von Oberbayern eröffnet an diesem Dienstag ihr neues Ankunftszentrum für Flüchtlinge: auf einer städtischen Fläche an der Maria-Probst-Straße, es besteht aus 95 Bürocontainern und vier Hallen. Man hat sie in nur drei Monaten aufgestellt.

Auf 350 täglich neu Ankommende ist das neue Zentrum ausgelegt, im Durchschnitt, wie Regierungspräsident Christoph Hillenbrand betont. Es seien auch Spitzen von 500 bis 600 Flüchtlingen in 24 Stunden zu bewältigen. Ob das reicht? Immerhin kamen von Sonntag- bis Montagfrüh 629 Asylsuchende in München an, die Zahl liegt knapp unter dem Allzeitrekord vom Februar. Jeder fünfte Flüchtling, der Deutschland erreicht, kommt zuerst nach München, in diesem Jahr waren es bereits 50 000. "Das wird funktionieren", sagt Hillenbrand zur Kapazität in den Containern, er sei "zuversichtlich". Sein Optimismus speist sich aus einer Art Relativitätstheorie. In der Baierbrunner Straße habe man auch 600 geschafft, und nun sei die zur Verfügung stehende Fläche sechsmal so groß. Dennoch, das System dürfte von Anfang an heiß laufen.

Die meisten Ankommenden werden nicht bleiben

Am Montag, beim Tag der offenen Tür, werkeln noch die Bauarbeiter, Maschinen kreischen, Kühlanlagen warten auf ihre Installation. Aber der Weg ist längst festgelegt, jener Weg, den die Flüchtlinge durch die 2600 Quadratmeter große Einrichtung nehmen werden. Es beginnt mit Infoblättern, die bald in 27 Sprachen ausliegen sollen, und mit mehrsprachigen Mitarbeitern am Empfangstresen. Dahinter eine Art Cafeteria, wo sich erschöpfte Menschen stärken und ausruhen können. Und wo sie warten auf das Folgende: medizinisches Erstscreening, Fotostation, Erstregistrierung.

Neues Ankunftszentrum der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber München - Einladung zum Tag der offenen Tür, Maria-Probst-Str.

Flüchtlinge werden registriert und untersucht.

(Foto: Florian Peljak)

Ganz am Ende, in der letzten Wartehalle, hängt hinter den Bierbänken eine Deutschlandkarte an der Wand, rote und grüne Punkte darauf. Es sind Städte mit einer Erstaufnahmeeinrichtung. Hier können die gerade Angekommenen schauen, wo Bielefeld liegt oder Halberstadt, ihre neue Heimat auf Zeit. Etwa zwei Drittel der Menschen, die das Ankunftszentrum an der Maria-Probst-Straße durchlaufen, werden nicht in München bleiben. Sie werden weitergeschickt in andere bayerische Bezirke oder Bundesländer.

Das richtet sich danach, wo eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für welche Nationalität zuständig ist. Für manche Länder gibt es nur in einer Stadt einen Beamten, München etwa ist bundesweit allein für Flüchtlinge aus dem Staat Vatikanstadt zuständig. Stefanie Weber, die Asylchefin der Regierung, erzählt das gerne, es ist ein garantierter Lacher in jedem ihrer Vorträge übers Asylsystem.

Vieles muss sich noch einspielen

Egal woher sie geflohen sind und wie schnell das Ankunftszentrum arbeitet: Viele Flüchtlinge kommen erst abends an, müssen also eine Nacht im Ankunftszentrum verbringen. Dafür gibt es auf der anderen Straßenseite, an der Lotte-Branz-Straße, ein Bettenhaus mit etwa 600 Plätzen, ein hohes, umgebautes Bürogebäude. Und irgendwann soll auf dem Areal ein dauerhaftes Ankunftszentrum entstehen, das jetzige ist nur ein Provisorium.

Neues Ankunftszentrum der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber München - Einladung zum Tag der offenen Tür, Maria-Probst-Str.

Christoph Hillenbrand, der Präsident der Regierung von Oberbayern, hat das Ankunftszentrum präsentiert.

(Foto: Florian Peljak)

"Wir sind hier Pioniere", sagt Hillenbrand, so ein Zentrum gebe es nirgends sonst in Bayern. Bei der Konzeption habe man auf Erfahrungen aus dem bisherigen, viel zu kleinen Zentrum zurückgegriffen und auf die Anlaufstellen in Dortmund und Karlsruhe. Vieles werde sich in den nächsten Wochen einspielen müssen. Weit mehr als 100 Menschen werden im Ankunftszentrum arbeiten, darunter um die 40 Beamte der Regierung, die im Drei-Schicht-System arbeiten. Dazu kommen knapp 20 Sozialbetreuer der Inneren Mission, sowie Caterer, Reinigungskräfte, Hausmeister und Wachpersonal. Das ist in Zeiten brennender Asylheime besonders wichtig. Schon während der Bauphase wurde das Objekt rund um die Uhr bewacht. Die Regierung war in Sorge, dass Neonazis Feuer legen könnten. Es ist nichts passiert.