Flüchtlinge in München Die Flüchtlinge schlafen auf dem nackten Boden

Hoenning O'Carroll steht mit drei anderen Helfern hinter dem Eingang zum Starnberger Flügelbahnhof. Auf ein gelbes Banner haben sie "Welcome" geschrieben. Die Flüchtlinge entdecken die Münchner. Sie klatschen, rufen "Thank you Germany" und "I love Germany".

Doch die Euphorie weicht schnell der Erschöpfung: Männer, Frauen und Kinder liegen auf dem Boden, manche sind eingeschlafen. Die Beamten der Bundespolizei, die die Registrierung der Flüchtlinge in der Nacht übernommen haben, versuchen schnell zu arbeiten. Aber es sind einfach zu viele Menschen da.

Angekommen: Ein Flüchtlingskind schläft auf dem Boden am Münchner Hauptbahnhof.

(Foto: dpa)

In der Halle wird es stickig, an das Rauchverbot hält sich schon längst keiner mehr. Die Passagiere aus dem 23-Uhr-Zug sind noch nicht einmal abgefertigt, da drängen um kurz nach eins schon die nächsten 300 Flüchtlinge herein. Insgesamt sind damit 900 Leute am Hauptbahnhof angekommen - von Montagabend um 19 Uhr bis Dienstagfrüh um eins.

Wer keinen Platz findet, muss draußen sitzen. Jetzt helfen auch die Polizisten mit: Sie verteilen Gebäck, Fladenbrot und Semmeln. Es wird langsam ruhig in der Schalterhalle. Wer jetzt registriert wird, kann in München bleiben. Zu weit wäre die Fahrt in andere Teile Bayerns.

Die Feuerwehr zapft Hydranten an, damit Wasser zum Waschen da ist

Aufhören wird die Arbeit in dieser Nacht nicht mehr. Alle paar Stunden kommen Flüchtlinge in neuen Zügen an, alleine von Mitternacht bis zum späten Vormittag werden es mehr als 1400 sein. Die Polizei muss Teile der Arnulfstraße und des Bahnhofsvorplatzes auf der Westseite sperren, damit all die Menschen Platz haben und die Busse, die sie in ihre Unterkünfte bringen sollen, auch durchkommen. Dass die Lage sich entspannen wird, glauben die Verantwortlichen nicht. Die Beamten tauschen nach wenigen Stunden die provisorischen Absperrbänder durch Gitter aus.

Flüchtlinge in Ungarn

Was sich am Budapester Bahnhof abspielt

Die Hilfe läuft mittlerweile professioneller. Die Züge halten nicht mehr mitten in der Haupthalle, sondern wenn möglich auf Gleis 26, das gleich neben dem Starnberger Flügelbahnhof liegt. Die erschöpften Passagiere müssen jetzt nicht mehr quer durch die Bahnhofshalle. Die Feuerwehr hat Hydranten angezapft, damit die Wartenden nicht nur Wasser zum Trinken, sondern auch zum Waschen haben.

Das Jugendamt verteilt Nahrungsmittel für Babys und hält Ausschau nach minderjährigen Flüchtlingen, von denen an diesem Dienstag nicht allzu viele anreisen. Kinder werden nun in einem Bus medizinisch untersucht, damit das sogenannte Screening schneller geht. Dennoch warten viele Menschen im Freien.

Glück und Verzweiflung liegen nahe beisammen. Ein Immobilienmakler aus Syrien etwa kann sich von einem Fernseh-Journalisten ein Handy leihen. Zum ersten Mal seit Tagen kann er seine Familie anrufen. Von ihr wurde er bei der Flucht getrennt. Nach Griechenland wollten sie mit dem Schiff übersetzen, doch sie wurden auf unterschiedliche Boote verteilt. Erleichtert erfährt der Mann, dass sein Sohn samt Familie in Kitzingen untergekommen ist.

Der 17-jährige Mohammad hingegen hat bisher vergeblich auf seine Freunde gewartet. Sie sind wohl noch in Ungarn.

Flüchtlinge in München Wenn Hunderte Flüchtlinge gleichzeitig ankommen Bilder
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Münchner Hauptbahnhof

Wenn Hunderte Flüchtlinge gleichzeitig ankommen

In München tun alle Beteiligten ihr Möglichstes, um der großen Zahl der Flüchtlinge gerecht zu werden. Sie setzen auch auf Notlösungen. Eindrücke vom Hauptbahnhof.