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Animationsfilm:"Ich habe an jeden Baum gepinkelt"

Jan Josef Liefers, PETS2 Preview im Mathaeser Kino

Zum Start des Animationsfilms Pets 2 kam Jan Josef Liefers zum Mathäser-Kino, in der Hand die Stoff-Version seines Charakters Max.

(Foto: Florian Peljak)

Zur Premiere von Pets 2 verrät Jan Josef Liefers, wie er sich auf die Hauptrolle eingestimmt hat

Von Julian Hans

Der große Beagle aus Sand, der vor dem Eingang zum Mathäser Filmpalast auf dem Boden kauert, gehört nicht zum Premierenprogramm von Pets 2, da möchte die Dame von Universal Pictures keine Verwechslungen. Die Produktionsfirma hat das Foyer im zweiten Stock gemietet und den Weg dorthin mit Figuren aus dem Film gepflastert, der diese Woche offiziell startet. Aber der Straßenköter draußen ist das Werk eines selbständigen Künstlers, der für die Einnahmen einen zerknautschten Pappbecher daneben gestellt hat.

Schön und gut: Ob die Produzenten nun aus Hollywood stammen oder aus Rumänien, das Prinzip bleibt dasselbe: Niedliche Tiere sollen die Kassen zum Klingeln bringen. Nur die Maßstäbe sind natürlich ganz andere. Universal hat für die Vorpremiere in fünf deutschen Städten Kinos gemietet und Hunderte Tickets verlost. Weil die eigentlichen Stars - der Jack Russel Max, das Kaninchen Snowball und der Dackel Buddy - am Computer animiert wurden, können sie nicht selbst auf dem Roten Teppich auftreten und die Werbetrommel schlagen. Also kommen ihre Stimmen.

In fünf Städten wird mit solchen Vorpremieren für den Deutschland-Start des Animationsfilms geworben. München hat dabei echt Glück gehabt: Die Stadt wurde Jan Josef Liefers zugeteilt. Der Schauspieler spricht die Hauptrolle, den Terrier Max. In Berlin kommt Mario Barth, der spricht den fetten Mops Mel, der überwiegend frisst und hechelt.

Was macht man, wenn man ein bisschen VIP-Atmosphäre will? Man sperrt etwas ab. Wo eine Kordel ist, da ist die Welt geteilt in Stars und Publikum. Und während Liefers mit einer Stoff-Version seines Charakters Max vor eine Ziegelwand aus Pappe für die Kameras posiert - Hund an der linken Wange, Hund an der rechten Wange, ein Küsschen für den Hund -, passen drei Bodyguards in dunklen Anzügen mit orangenfarbenen Polyester-Krawatten auf, dass der Stargast von seinen Fans nicht überrannt wird. Das ist zum Glück nicht so schwer, denn die meisten Fans sind nicht älter als 49 - in Hundejahren gerechnet.

Um sich richtig in seine Rolle als Terrier einfühlen zu können, habe er sich intensiv vorbereitet, sagt Liefers: "Ich bin bei mir zu Hause durch den Garten gelaufen und habe an jeden Baum gepinkelt." Dass er bei Begegnungen mit anderen zuerst an deren Hinterteil geschnüffelt habe, sei nicht immer auf Verständnis gestoßen. Trotzdem habe ihm die Arbeit am Film "Riesenspaß" gemacht. Und er verstehe jetzt auch seinen eigenen Hund Toni besser.

Nicht allen Kindern ist sein Gesicht bekannt, sie sind zu jung, um den Tatort mit dem Rechtsmediziner Boerne zu gucken. "Der sieht ein bisschen aus wie Klopp", ruft einer, und wirklich: der Bart, das Grinsen! Doch dann wird es dunkel im Saal.

Als 90 Minuten später 300 Kinder berauscht von Cola und Popcorn vor die Tür des Mathäser treten und ins Tageslicht blinzeln, haben sie einen witzigen Film gesehen, wenn auch nicht so schön anarchisch wie die Minions, die Stars des Animationsstudios Illumination Entertainment. Auf dem Trottoir kniet noch immer der Bettler neben seinem Sandköter. Jemand legt ihm einen Zehn-Euro-Schein in den Becher. Zumindest hier hat das bewährte Prinzip gewirkt.

© SZ vom 24.06.2019

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