Süddeutsche Zeitung

Animationsfilm:Entführungsfall bei der Tour de France

Die französische Trickkomödie "Das große Rennen von Belleville" spielt mit dem legendären Ereignis des Radsports.

Von Barbara Hordych

Champion ist ein aufgeweckter kleiner Junge, der als Waisenkind von seiner Großmutter Souza großgezogen wird. Nichts macht das Kind glücklicher als das Geschenk eines Fahrrads. Alsbald startet Oma Souza für ihren Enkel ein intensives Fahrradtraining, so dass aus dem jungen Mann ein fantastischer Biker wird, der sogar an der legendären Tour de France teilnimmt. Da entführen zwei schwarz gekleidete Männer den hoffnungsvollen Sportler während einer Bergetappe. Doch die Bösewichte haben die Rechnung ohne Madame Souza gemacht, in der trotz ihres fortgeschrittenen Alters die Instinkte einer Superheldin geweckt werden.

Sylvain Chomets Animationsfilm "Das große Rennen von Belleville" begeistert mit einer bizarren Bilderwelt, die fast ohne Worte auskommt und swingender Jazzmusik. Die Hommage an den "französischen Chaplin" Jacques Tati sprüht vor irrwitzigen Einfällen und ist von unkonventionellen Charakteren bevölkert. So bedient der Ober ohne Rückgrat, Mafiahandlanger treten in ihrer sprichwörtlichen "Schrankform" auf, und bei den hilfreichen Drillingsschwestern "Triplettes" handelt es sich um drei gealterte, exzentrische Showstars, die sich ausschließlich von Froschgerichten ernähren. Der Film wurde 2003 zum Überraschungserfolg des Cannes-Festivals und heimste gleich zwei Oscar-Nominierungen ein.

Das große Rennen von Belleville, Frankreich 2003, Regie: Sylvain Chomet

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Quelle:
SZ vom 18.06.2020
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