Griechisches Restaurant Schlachthofviertel "Anesis" Olivenöl und Lederhosen

Hellas in München: das Anesis in der Schmellerstraße.

(Foto: Andreas Heddergott)

Das "Anesis" hat alle Griechenkneipenmoden der vergangenen Jahrzehnte überlebt. Mit seinem Angebot von Wienerschnitzeln bis Arnaki Psito ist das Restaurant ein Musterbeispiel kulinarisch-kultureller Integration.

Von Ivan Lende

Es war zu Beginn der achtziger Jahre, als der deutsche Tourist Hellas' Gestade als idealen Urlaubsort entdeckte.Das führte an Ort und Insel zu markanten Veränderungen des als liebenswert verschroben bekannten griechischen Wesens.

In der Hafenkneipe von Ios musste der Urlauber den Wein auf einmal vor dessen Ausschank bezahlen, in der Altstadt von Rhodos stellten sich ihm Touristenfänger in den Weg und brüllten "oriste souvlaki", was "prima Fleischspieße" bedeutet und oft gelogen war, und auf dem Syntagma-Platz von Athen kostete das Bier plötzlich den doppelten Preis.

Dafür wuchsen zum Reloading des Urlaubsgefühls im fernen Deutschland, also auch in München, die Griechenkneipen aus dem Boden wie die Macchia aus den felsigen Eilanden der Kykladen. Die Damen des VHS-Sirtakikurses tanzten mit Fernweh in den Augen zu Sorbas' "Tarräng" und hielten es für Folklore. Damals entstand auch das ANESIS in der Schmellerstraße. Das Wort heißt frei übersetzt "Gemütlichkeit" - und die, gepaart mit etwas schlachthofvierteltypischer Boaznhaftigkeit, erscheint hier immer noch so zu sein wie damals.

Vielleicht hat zu diesem Eindruck auch das nur bedingt hellenische, dennoch äußerst wohlgeratene Wiener (Schweine-)Schnitzel (8 Euro) beigetragen, ein Musterbeispiel lukullisch-kultureller Integration. Oder war das bereits Assimilation? Die Speisekarte nährt zunächst diesen Verdacht. Auf dem Deckblatt präsentiert sich ein Grieche in Lederhose.

Der gute Mann auf dem Bild ist Kellner im Anesis. Bei einer Zigarette vor der Tür erzählt er gerne in nahezu astreinem Bairisch, er sei hier in München geboren, seine Tante habe das Restaurant vor gut 25 Jahren eröffnet, und auch der Koch sei von Anfang an mit von der Partie.

Ach ja: Und über Münchens Sechzger gehe überhaupt nichts! Also sei ihm die Lederhose gestattet. Bis die riesige Portion gemischter warmer Vorspeisen (14,90 Euro für vier Personen) vertilgt ist, hat der Gast dann Zeit genug, darüber nachzudenken, warum gerade dieses Restaurant offensichtlich alle Griechenkneipenmoden eines Vierteljahrhunderts überlebt hat.

Dabei halfen sicher die in feines Olivenöl eingelegten Pilze, die Zucchini, Auberginen und mit Käse gefüllten Paprikaschoten. Und dass, rares Zugeständnis an den Lauf der Zeit, hier kein Sorbas in Endlosschleife aus dem Lautsprecher springt. Man speist hier zu griechischer Popmusik vom erfreulich leise eingestellten Band und kann sich, anders als damals, als die live gezupfte Bouzouki zur Griechenkneipe gehörte wie die Meze-Vorspeise zum Ouzo, sogar unterhalten.