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Messerattacke am S-Bahnhof:Diese Polizisten haben den Angreifer von Grafing gestoppt

Polizeibeamte die Messerstecher überwältigt haben.

Ein klein wenig waren sie Helden für einen Tag: Thomas Buschmeyer (links) und Silvan Kusian.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)
  • Am frühen Dienstagmorgen hat Paul H. mit einem Messer auf Menschen in der S-Bahn und im Bahnhofsbereich eingestochen. Ein Mann wurde getötet, drei weitere verletzt.
  • Polizeiobermeister Silvan Kusian und Praktikant Thomas Buschmeyer nahmen den Täter fest.
  • "Der Mann wirkte ganz ruhig und sah uns an", erinnern sie sich.
  • Nach der Tat hatten sie erst eimal zwei Tage frei, um Abstand zu gewinnen.

Erst ganz am Ende, als die ganze Sache schon gelaufen war, da realisierten sie nach und nach, was gerade passiert war: Dass ein geistig Verwirrter an der S-Bahnstation Grafing Bahnhof mit mehreren Messerstichen einen Menschen getötet und drei weitere schwer verletzt hatte. Und dass sie den gefährlichen und noch bewaffneten, mutmaßlichen Mörder gerade festgenommen hatten.

"Sie", das sind zwei junge Streifenbeamte der Polizeiinspektion Ebersberg: Der 27 Jahre alte Polizeiobermeister Silvan Kusian und Thomas Buschmeyer, 18 Jahre alt und seit 1. Mai Polizeipraktikant. "Ja", sagt der junge Mann, "das Adrenalin war schon hoch." Aber jetzt will er erst recht Polizist werden.

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Die beiden Beamten hatten nach Schichtplan gerade zwei Tage frei und auch Zeit, "um etwas Abstand zu gewinnen", wie ihr Chef, Inspektionsleiter Hendrik Polte, sagt. Jetzt stehen sie wieder am Ort des Geschehens: mitten auf der Hauptstraße am Grafinger Bahnhof, direkt vor der griechischen Taverne. Dort am Eingang, Buschmeyer deutet auf den Torpfosten, habe ein verletzter Mann gelegen, als sie mit dem Streifenwagen ankamen.

Es war fünf Uhr früh, es dämmerte. Vom Bahnhof rannte ihnen der Fahrdienstleiter entgegen und berichtete von einem Mann mit einem Messer, der Richtung Nettelkofen davongelaufen sei. Ein Krankenwagen war alarmiert, der Fahrdienstleiter blieb bei dem Verletzten, und die beiden Streifenbeamten machten sich auf die Suche nach dem Messerstecher. Kaum waren sie mit dem Streifenwagen in die nächste Seitenstraße eingebogen, kam der Funkspruch: Wie Zeugen gerade mitgeteilt hätten, sei der Täter an den Tatort zurückgekehrt.

Kusian wendete, stand Sekunden später wieder auf der Hauptstraße - und dem Messerstecher Paul H. gegenüber. Die Streifenbeamten stiegen aus. Kusian suchte Blickkontakt. "Der Mann wirkte ganz ruhig und sah uns an", erzählt er. Dann schrie der Polizeiobermeister mit fester Stimme: "Legen Sie sich sofort auf den Bauch!" Vom Messerstecher kam bloß ein "Ja" zurück und dann legte er sich mitten auf die Hauptstraße.

Silvan Kusian und Thomas Buschmeyer wussten, was zu tun war. Mit ein paar Schritten waren sie neben dem Mann, knieten sich beide auf ihn und fesselten ihm mit Handschellen die Hände auf den Rücken. Der Festgenommene ließ es widerstandslos geschehen. Erst da sahen die beiden Beamten das blutige Messer, das seitlich in einem Holster an der Hose steckte.

Wie ihnen bewusst wurde, was da gerade geschehen ist

Die Fahrt zur Dienststelle verlief schweigend. Hinten saß Buschmeyer mit dem Täter, "schon ein bissl ein mulmiges Gefühl", gibt er zu. Auf der Wache stellten sie die Kleidung des Mannes sicher und brachten ihn in eine Haftzelle. Nach und nach erreichten die Beamten die Meldungen: Sie hatten nur einen verletzten Mann draußen gesehen, plötzlich waren es drei Schwerverletzte - und ein Toter.

Dann kamen die Kollegen von der Kripo und vom Landeskriminalamt, und langsam realisierten sie, was da gerade abgelaufen war. "Ich fand es komisch, dass er alles so mitgemacht hat", meint der 18-jährige Polizeioberwachtmeister. "Man wartet, dass da noch was kommt, aber es ging alles so schnell."

Natürlich, sagen die beiden, frage man sich im Nachhinein kurz: Was wäre, wenn er das Messer gezogen hätte? Haben wir Glück gehabt? War die Eigensicherung ausreichend? "Es ist alles wie nach Lehrbuch gelaufen", sagt Chef Hendrik Polte stolz. Die Kollegen haben gratuliert, und er sei froh, dass den Zweien nichts passiert sei.

Thomas Buschmeyer wird nach drei Monaten in Ebersberg wieder zu seiner Ausbildungsstätte in Königsbrunn zurückkehren. "Das Praktikum", sagt Polte, "wird dort noch durchgesprochen und nachbearbeitet." Zu erzählen wird Buschmeyer genug haben.

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