Amtsgericht "Mit Verlaub, Sie sind ein Grapscher"

Siegfried Mauser mit seinen Anwälten Stephan Lucas (li.) und Alexander Stevens (re.).

(Foto: Robert Haas)
  • Der ehemalige Rektor der Musikhochschule München Siegfried Mauser wurde wegen sexueller Nötigung zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.
  • Mauser hat eine Professorin gegen ihren Willen geküsst und bedrängt.
  • Von seinem Posten als Leiter des Salzburger Mozarteums ist Mauser derzeit beurlaubt.
Von Christian Rost

Der ehemalige Rektor der Musikhochschule München und derzeit beurlaubte Leiter des Salzburger Mozarteums, Siegfried Mauser, ist vom Münchner Amtsgericht am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss er 25 000 Euro Geldstrafe zahlen.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Matthias Braumandl sprach ihn der sexuellen Nötigung einer Professorin der Musikhochschule schuldig. "Mit Verlaub, Herr Rektor, Sie sind ein Grapscher", sagte der Vorsitzende Richter.

Angeklagt worden war der 61-Jährige wegen zwei Fällen der sexuellen Nötigung. Im zweiten Fall - er soll eine Gitarristin während einer Konzertprobe gegen deren Willen geküsst und begrapscht haben - wurde er freigesprochen. Das Opfer hatte nach Ansicht des Gerichts nichts gegen den Übergriff unternommen, weshalb hier die Schwelle zur Strafbarkeit nicht überschritten worden sei.

Musikprofessor schweigt vor Gericht zum Vorwurf der sexuellen Nötigung

Der ehemalige Leiter der Musikhochschule soll zwei Frauen bedrängt haben. Über seine Anwälte ließ er ausrichten: Er sei kein "rücksichtsloser Lüstling". Von Christian Rost mehr ...

Die Professorin indes, die er in seinem früheren Büro am Gasteig während eines dienstlichen Gesprächs geküsst und genötigt hatte, ihn an der Hose im Genitalbereich anzufassen, zeigte sehr wohl Widerwillen und machte das auch deutlich. Hier sah das Gericht den Tatbestand der sexuellen Nötigung als erfüllt an. Richter Braumandl attestierte dem sichtlich erschütterten Angeklagten ein übertriebenes sexuelles Selbstbewusstsein: "Möglicherweise fühlen Sie sich sexuell so attraktiv wie James Bond. Da überschätzen Sie sich aber in Ihrer Wirkung."

Staatsanwalt Markus Michl hatte eine dreieinhalbjährige Haftstrafe für Mauser gefordert. Die Verteidiger Stephan Lucas und Alexander Stevens hatten einen Freispruch verlangt. Sie kündigten Berufung an. Mauser sagte, er fühle sich als "Opfer" falscher Anschuldigungen. Beim Strafmaß berücksichtigte das Gericht, dass der Schuldspruch für den Pianisten "persönlich und beruflich enorme Folgen" haben werde. Der Universitätsrat des Mozarteums kündigte nach der Urteilsverkündung an, "so rasch als möglich zusammenzutreten, um sich zu beraten". Die Geschäfte am Mozarteum werde weiterhin die Vizerektorin Brigitte Hütter leiten, hieß es.

Wie die Ermittler auf die Anschuldigungen gegen Mauser stießen

Auslöser für die Ermittlungen gegen Siegfried Mauser war ein anderer Fall eines mutmaßlichen schweren sexuellen Übergriffs. Eine Frau hatte bei der Polizei angezeigt, mehrfach von einem früheren Professor der Musikhochschule, einem Komponisten, vergewaltigt worden zu sein. Eine Kriminalpolizistin befragte daraufhin Zeugen an der Hochschule, im Zuge dessen wurden auch die Anschuldigungen gegen den ehemaligen Rektor Mauser laut.

Laut Staatsanwaltschaft München I sind die Ermittlungen gegen den 62-jährigen Komponisten, der ebenfalls nicht mehr an der Hochschule lehrt, noch nicht abgeschlossen. Der Vorwurf lautet auf Vergewaltigung und illegalen Drogenbesitz. Mutmaßliches Opfer war seine ehemalige Geliebte.

Ein Sondereinsatzkommando stürmte in den Morgenstunden des 28. April 2015 dessen Haus im Münchner Osten. Mit Maschinenpistolen ausgerüstete Polizisten schlugen die Terrassentür ein und holten den Musiker samt Familie aus den Betten. Eine Studentin der Musikhochschule, die damals bei dem Ex-Professor wohnte, soll massiven Widerstand geleistet haben. Es wurden Computer und andere Beweismittel beschlagnahmt. Auch Amphetamine und K.-o.-Tropfen sollen gefunden worden sein.

Den Vorwurf der Vergewaltigung wies der Komponist entschieden zurück. Angeblich gehören ihm auch die Drogen nicht. Die Staatsanwaltschaft rechtfertigte den Polizeieinsatz mit dem Verdacht, es habe sich eine Waffe im Haus befunden. Gefunden wurde eine Gaspistole. Wann Anklage erhoben wird, steht nicht fest.

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