Sicherheit im Verkehr Mehr Zeit für grüne Männchen

Eine Fußgängerampel zeigt grünes Licht.

(Foto: Catherina Hess)

Für Menschen mit Gehbehinderungen sind die Grünphasen der Münchner Ampeln oftmals zu kurz. In Trudering wird deshalb eine Anlage getestet, die auch auf langsamere Passanten Rücksicht nimmt.

Von Thomas Anlauf

Die Fußgängerampel schaltet auf Rot, doch bis zur anderen Straßenseite sind es noch einige Meter. Viele Menschen sind in solchen Situationen verunsichert und haben Angst, dass gleich die Autos Grün bekommen und losfahren. Besonders Menschen mit Gehbehinderungen fürchten kurze Ampelphasen an stark befahrenen Strecken. Denn diese sind in Deutschland für schnelle Geher ausgelegt. Die Richtlinie für Lichtsignalanlagen (RiLSA) sieht vor, dass Fußgänger in der Regel mit mehr als 4,3 Stundenkilometern über eine Kreuzung laufen müssen, um noch bei Grün drüben anzukommen. In München soll nun aber eine Fußgängerampel installiert werden, die auch auf langsamere Passanten Rücksicht nimmt.

An der stark befahrenen Kreillerstraße in Trudering will die Stadt ein neues System testen, mit dessen Hilfe Rollstuhlfahrer oder Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, eine längere Grünphase erhalten. Der Versuch, den der Bezirksausschuss Trudering-Riem angeregt hat, soll es an der Kreuzung mit der Marianne-Plehn-Straße mobilitätseingeschränkten Personen ermöglichen, mit einer technischen Vorrichtung eine deutliche Verlängerung der Grünphase zu erwirken. "Eine entsprechende Anordnung wurde bereits erteilt. Die Inbetriebnahme des Systems ist noch für 2018 beabsichtigt", teilt Johannes Mayer vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) mit.

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Das Baureferat hat auch schon einen Termin. Die Vorbereitungen für den Pilotversuch laufen bereits, im November werde man die Anlage installieren. Dabei handelt es sich nach Auskunft von Baureferatssprecherin Dagmar Rümenapf um einen Handsender, den die Fußgänger mit Mobilitätseinschränkungen bei sich tragen. Sobald sich der Passant der Ampel nähert, erkennt die Anlage das Signal und verlängert die Grünphase für den Fußgänger. An der Kreuzung soll aber nicht nur getestet werden, wie benutzerfreundlich das neuartige Ampelsystem ist, sondern auch, ob sich die längeren Ampelphasen auf den Verkehrsfluss auswirken. "Ob und wie sich die beim Pilotversuch eingesetzte Technik auf andere Standorte übertragen lässt, wird sich erst nach Abschluss der Erprobung zeigen", sagt KVR-Sprecher Mayer.

Ein Münchner Rollstuhlfahrer und sein Pfleger hatten den Versuch an der Kreillerstraße angestoßen, weil es der Münchner bei der kurzen Grünphase nicht über die Kreuzung schafft. Doch er ist nicht der Einzige, dem die derzeitige Ampelphase viel zu kurz ist. Da es in unmittelbarer Nähe ein Alten- und Pflegeheim sowie eine Seniorenwohnanlage gibt, wird der Testlauf nun dort gestartet.

In Ebersberg wird derzeit ein vergleichbares Projekt getestet

Der Münchner Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Fußgängern mehr Rechte eingeräumt werden. "Natürlich begrüße ich solche Projekte", sagt Bickelbacher, der im erweiterten Bundesvorstand des Fußgänger-Fachverbands "Fuss" ist. Grundsätzlich bräuchten Passanten aus Sicherheitsgründen mehr sogenannte Gehwegnasen an Kreuzungen, Mittelinseln, "mehr Bedarfsampeln, die sofort umschalten, und jede Menge Zebrastreifen". Gerade in der Nähe von Seniorenheimen seien Ampelanlagen, die längere Grünphasen für Fußgänger haben, "sehr hilfreich".

Vor Kurzem wurde in Ebersberg ein vergleichbares Projekt wie in Trudering gestartet. An dieser sogenannten Seniorenampel können Menschen mithilfe einer Chipkarte, die im Rathaus erhältlich ist, die Ampelphase von zehn auf 16 Sekunden verlängern. Ein Jahr lang wollen die Ebersberger nun beobachten, ob sich die behindertenfreundliche Ampel bewährt. Wie sich die Sache in München entwickeln wird, muss sich erst noch zeigen. An sehr stark befahrenen Straßen wird es die Bedarfsampeln wohl nur in Ausnahmefällen geben. Insgesamt gibt es in München nach Angaben des Kreisverwaltungsreferats rund 1150 Ampelanlagen an Straßenkreuzungen. Davon sind die meisten Anlagen auch mit Fußgängerampeln ausgestattet.

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