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Amoklauf in München:Er versteckte sich in einem Gebüsch - und wurde sogar noch angesprochen

Der Amoklauf

Über einen nur dafür eingerichteten Facebook-Account versuchte David S. am 21. und 22. Juli, Opfer in den McDonald's am OEZ zu locken. Im Internet gab er sich als Mädchen aus und postete insgesamt vier Einladungen, am Tattag in das Schnellrestaurant an der Hanauer Straße zu kommen. Laut den Ermittlungsergebnissen folgte aber niemand diesen Einladungen.

Der Täter selbst verließ am 22. Juli, einem Freitag, kurz vor 16 Uhr die Wohnung seiner Eltern, setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr los. Am McDonald's traf er sich mit dem 16-Jährigen, gegen den kurzzeitig ermittelt wurde und mit dem er sich zuvor verabredet hatte. Gegen 17 Uhr trennten sich die beiden wieder.

Um 17.08 Uhr betrat David S. dann den McDonald's. Zuerst "hat er die Lage gecheckt", berichtet Kriminaloberrat Jürgen Miller. Er sprach mit niemandem, sah sich nur gründlich um. Es dauerte eine Weile, bis er um 17.50 Uhr schließlich in die Toilette im ersten Obergeschoss ging und dort die Pistole aus seinem Rucksack holte. Nur eine Minute später verließ er das Klo wieder, suchte sich ein paar Gäste, die zufällig seinen Peinigern aus der Schule ähnelten, ging zu einer Sitznische und hob die Waffe. David S. feuerte. 18 Schüsse. Um 17.51 Uhr tötete er zwei 15-Jährige, einen 14-Jährigen und zwei 14-jährige Mädchen. Ein 13-jähriges Kind wurde mehrfach getroffen, überlebte aber knapp.

Nach nur einer Minute verließ David S. das Schnellrestaurant durch den Haupteingang. Er drehte sich nach rechts und feuerte. Menschen flüchteten in Panik vor ihm, der 18-Jährige schoss ihnen hinterher. Vor der Einfahrt zu einer Tiefgarage traf ein Projektil einen 17-Jährigen und tötete ihn. Eine andere Kugel verletzte einen 27-Jährigen schwer. Wenige Meter entfernt sackte eine 35-Jährige zu Boden und starb, ein 60-Jähriger wurde am Bein getroffen. Eine Mutter, die mit ihren drei Kindern unterwegs war, traf der 18-Jährige in beide Unterschenkel. Schwer verletzt flüchtete die 44-Jährige mit ihren unverletzten Kindern in einen Elektromarkt. In der Nähe des Abgangs zur U-Bahn starb ein 19-Jähriger. Später fand die Polizei 16 Patronenhülsen vor dem McDonald's. David S. überquerte die Straße, ging langsam durch den Haupteingang in das Einkaufszentrum. Dort erschoss er einen 20-Jährigen, sein letztes Todesopfer.

Das Ende

Über eine Brücke verließ David S. anschließend das OEZ und ging in das angrenzende Parkhaus. Noch von der Brücke aus feuerte er auf eine Frau, verfehlte sie aber. Dann ballerte er auf leere Autos und stieg aufs oberste Parkdeck. Von dort aus stritt er sich mit einem Anwohner, der auf einem Balkon stand und ihn beschimpfte. Die Szene wurde gefilmt, das Video im Internet verbreitet. Wieder feuerte der 18-Jährige, Splitter einer Kugel verletzten einen 47-Jährigen auf einem anderen Balkon.

Um 18.04 Uhr entdeckten Polizisten den Amokläufer, ein Beamter feuerte einen einzigen Schuss aus einer Maschinenpistole ab, verfehlte ihn aber. David S. rannte davon, versteckte sich vermutlich in einem Gebüsch an der Riesstraße. "Es herrschte Panik", erklärt Miller, "niemandem fiel der Täter auf." Dann drückte er sich eine Weile in einem Treppenhaus herum. Dort wurde er sogar angesprochen. Ein Anwohner soll gefragt haben, ob man ihm helfen könne. "Nein, es passt schon", hat er laut Miller sinngemäß geantwortet. Anschließend verkroch er sich in einem Fahrradkeller in der Tiefgarage. Längst hatte er aufgehört zu schießen. Schließlich, um 20.26 Uhr, tauchte er wieder auf. Durch eine Stahltür verließ er die Garage, dort traf er auf Polizisten. Die Beamten forderten ihn auf, die Waffe auf den Boden zu legen. "Jetzt ist es eh vorbei", soll er geantwortet haben. "Ihr könnt mich auch erschießen." Dann gab David S. noch einen Schuss ab. Seinen letzten. Er tötete sich damit selbst.

Die Ermittlungen sind abgeschlossen. Die Sonderkommission ist aufgelöst.

© SZ vom 18.03.2017/sim
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