Natur, Kunst und TechnikAußergewöhnliche Ausflugstipps rund um den Ammersee

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Anziehungspunkt für Erholungssuchende aus nah und fern: der Ammersee, hier von  Herrsching aus aufgenommen.
Anziehungspunkt für Erholungssuchende aus nah und fern: der Ammersee, hier von  Herrsching aus aufgenommen. Franz Xaver Fuchs

Kunst und Konzerte, besondere Vögel und Pflanzen, riesige Satellitenschüsseln und ein ganz besonderes Licht: Der Ammersee ist in vielerlei Hinsicht spannend. Eine Erkundungstour.

Von Astrid Becker

Es gab eine Zeit, in der der Ammersee eher abschätzig als „Bauernsee“ bezeichnet wurde – im Gegensatz zum Starnberger See, der lange Zeit als „Fürstensee“ galt. Gerecht wird dem Ammersee, dem zweitgrößten Gewässer im Fünfseenland und drittgrößten in Bayern, sein Spitzname aber nicht. Auch wenn er zugegebenermaßen schon sehr lange landwirtschaftlich geprägt war.

Korrekter wäre allerdings ein anderer Name für dieses Gewässer: „Künstlersee“ hätte man ihn taufen sollen, weil er schon vor mehr als 100 Jahren Malern und Literaten als Quelle der Inspiration diente. Viele von ihnen, Wilhelm von Kobell, Hans Beat Wilhelm, Olaf Gulbransson, Thomas Theodor Heine oder in neuerer Zeit auch Georg Baselitz verwirklichten dort ihren Traum vom idyllischen Leben auf dem Land. Schriftsteller und Lyriker ließen sich dort nieder oder verbrachten zumindest die Sommermonate dort: etwa Christian Morgenstern, Ludwig Thoma, Thomas Mann oder sogar Bertolt Brecht, der ein Haus in Utting besaß. Warum? Vermutlich des besonderen Lichtes wegen, das dem See an schönen Tagen einen fast schon zauberhaften, magischen Reiz verleiht.

Morgenlicht und Abendrot

Ein Tretboot liegt im Sonnenaufgang am Ufer des Ammersees.
Ein Tretboot liegt im Sonnenaufgang am Ufer des Ammersees. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Für die Menschen, die dort an seinen Ufern leben, steht eines längst fest: Es gibt kaum schönere Sonnenauf- und Sonnenuntergänge als am Ammersee. Wer sich also früh am Morgen aus dem Bett quälen kann, sollte sich am Westufer des Sees etwa in Dießen, in Riederau oder in den fast romantisch verwittert wirkenden Seeanlagen in Schondorf niederlassen. Bewaffnet mit einer Thermoskanne Kaffee oder Tee sowie einem der Tageszeit angepassten Picknick lässt sich vortrefflich beobachten, wie sich die Sonne langsam das gegenüberliegende Ostufer erobert. Besonders schön betrachten lässt sich das natürlich auch von einem Segelboot aus, sofern man einen der Touranbieter dort zu einem Ausflug über den See in den frühen Morgenstunden überreden kann.

Besitzt man eher ein Langschläfernaturell, sollte man sich in Richtung Seepromenade in Herrsching aufmachen – mit rund acht bis zehn Kilometern, je nachdem, was dazugerechnet wird, die längste in ganz Deutschland. Wer sich dort niederlässt, dem sei der Abend empfohlen: Traumhafte Sonnenuntergänge lassen sich hier bei einem Drink bestens genießen – etwa vom Kult-Kiosk Bayerische Brandung oder von der Terrasse des eher mondänen Ammerseehotels aus.

Kiosk Bayerische Brandung, Seepromenade, Herrsching, herrsching.de/urlaub-am-ammersee; Ammerseehotel, Summerstraße 32, Herrsching, ammersee-hotel.de

Paradies für Vogelliebhaber

Storchennest in Raisting.
Storchennest in Raisting. Franz Xaver Fuchs

Wer ein Herz für Natur und Tiere besitzt, sollte sich ein gutes Fernglas einpacken und sich auf den Weg in das Ampermoos begeben, nördlich des Ammersees. Es hat gute Gründe, warum das knapp 530 Hektar große Gebiet als Flora-Fauna-Habitat unter den Schutz der Ramsar-Konvention gestellt worden und Teil der Natura 2000 ist, eines europaweiten Verbundsystems besonders schützenswerter Lebensräume. Hier treffen seltene Pflanzen wie der Kantige Lauch, Mehlprimeln und diverse Orchideenarten auf besondere Wiesen- und Schilfbrüter: Kiebitze, Große Brachvögel, Wiesenpieper und Bekassine. Wer aufmerksam in den Himmel blickt, wird auch Fischadler erkennen können oder Rote Milane. Aber Achtung: In dem Gebiet herrscht zwischen März und 15. Juli ein Betretungsverbot, um die Vögel nicht beim Brüten zu stören.

Folgt man Fischadler und Rotem Milan in Richtung Süden, wird man in der Gegend rund um Raisting und Pähl jede Menge Weißstörche entdecken:  Es ist die größte Brutkolonie Südbayerns mit 33 Brutpaaren in diesem Jahr, zwei mehr als im Vorjahr.

Ampermoos, zwischen Stegen und Grafrath, fuerstenfeldbruck.bund-naturschutz.de oder schutzgemeinschaft-ammersee

Spacetime und Spiritualität

Im Radom bei Raisting können Technikräume besichtigt werden.
Im Radom bei Raisting können Technikräume besichtigt werden. Georgine Treybal

Nicht weit entfernt von der Storch-Brutkolonie ragen im Süden des Ammersees mehrere riesige Satellitenschüsseln gen Himmel. Es handelt sich dabei um eine der größten Erdfunkstellen der Welt. Genutzt werden dort derzeit noch sieben Großantennen und etwa 50 kleinere Antennen. Historische Bedeutung hat diese Anlage als Wiege der Satellitenkommunikation gewonnen. Errichtet wurde sie in den Sechzigern und ermöglichte erstmals transkontinentale Telefongespräche, Fernsehübertragungen und interkontinentale Kommunikation.

Vor allem das Radom, die größte dieser Antennen, die heute mit einer weißen Schutzhülle überzogen ist, gilt als technisches Wunderwerk – und ist deshalb auch als Industriedenkmal gelistet:  Über sie wurden 1969 die erste Mondlandung übertragen, 1972 die Olympischen Spiele aus München in alle Welt. Wer die Anlage besichtigen möchte, kann eine private Führung über das gesamte Gelände buchen, es selbst durchwandern oder jeweils am Wochenende, von 14 bis 17 Uhr, das Innere des Radoms besichtigen. Im Sommer werden auch vor der beeindruckenden Kuppelkulisse Kinofilme unter freiem Himmel gezeigt.

Immer wieder tauchen in unmittelbarer Nähe der Erdfunkstelle Kornkreise in den Feldern auf: Für Anhänger esoterischen und spirituellen Gedankenguts ist diese Sehenswürdigkeit also auch ein beliebter Kraftort.

Radom, Hofstätterweg 2, Raisting, radomraisting.de oder erdfunkstelle-radom.de

Kunst und Kunsthandwerk

Für seinen Töpfermarkt ist Dießen berühmt. 
Für seinen Töpfermarkt ist Dießen berühmt.  Georgine Treybal

Um die Südspitze des Sees herum gelangt man über eine mit Birken gesäumte, recht kurvige Straße nach Dießen – dem wahrscheinlich malerischsten Ort am Westufer des Ammersees. Der Marktplatz in Richtung Ufer ist fußgängerfreundlich angelegt, mit mehreren kleinen Lokalen, Boutiquen und Fischhändlern, bei denen man natürlich auch Fischsemmeln jeglicher Art erwerben kann. Sogar eine Biermanufaktur gibt es hier: das Craft Bräu Dießen, das mit einem wöchentlich wechselnden Kulturprogramm aufwartet, etwa auch mit Talkrunden mit Persönlichkeiten aus der Gegend.

Am Seeufer selbst befindet sich ein Pavillon, in dem das ganze Jahr über Keramik und Töpferkunst zu besichtigen und zu kaufen ist: ein deutlicher Hinweis auf die vielen Tausenden Menschen, die sich alljährlich im Frühsommer dort einfinden. Denn dann ist der Töpfermarkt in Dießen angesagt, mit internationalen Kunsthandwerkern und mehreren Kunstwettbewerben.

Es lohnt sich aber auch, in die andere Richtung den Berg hinauf, weg vom See zu bummeln. Auch hier finden sich kleinere Boutiquen, Ladengeschäfte der Kunsthandwerker und diverse Galerien, etwa im Fritz-Winter-Atelier, oder die Freie Kunstanstalt mit ihren Veranstaltungen und Ausstellungen.

Immer wieder sonntags, von April bis Oktober, öffnet das Künstlerhaus Gasteiger im Uttinger Gemeindeteil Holzhausen seine Pforten. Die Villa auf einem mehr als 20 000 Quadratmeter großen Seegrundstück wurde in den Jahren 1908  bis 1913 als Künstlersitz des Bildhauers und Zeichners Mathias Gasteiger und seiner Frau, der Malerin Anna Sophie Gasteiger, erbaut. Heute birgt es ein kleines Museum, in dem Werke der Künstler zu sehen sind – sowie die Originaleinrichtung, in der sie gelebt haben.

Dießener Töpfermarkt in den Seeanlagen, Seestraße 30, Dießen, diessener-toepfermarkt.de; Fritz-Winter-Atelier, Forstanger 15 A, Dießen, fritz-winter-atelier.de, Freie Kunstanstalt, Johannisstraße 33, Dießen, freie-kunstanstalt.de, Craft Bräu, Mühlstraße 12, Dießen, craft-braeu.de, Künstlerhaus Gasteiger,Eduard-Thöny-Straße 43, Utting-Holzhausen, schloesser.bayern.de

Konzertreihen und Festivals

Auch der Andechser Florianstadl ist immer wieder Schauplatz der Konzerte aus der Reihe Ammerseerenade: hier  Alexandro Quarta im Jahr 2023.
Auch der Andechser Florianstadl ist immer wieder Schauplatz der Konzerte aus der Reihe Ammerseerenade: hier  Alexandro Quarta im Jahr 2023. Nila Thiel

Der wahrscheinlich berühmteste Komponist aus der Gegend um den Ammersee dürfte Carl Orff sein. Er lebte in Dießen, wurde aber in Andechs begraben. Ihm zu Ehren wurde nicht nur ein Museum gebaut, das von 2. November 2025 an für Besucher geöffnet sein soll.  Jahrelang, genauer gesagt bis 2015, gab es sogar eigene Carl-Orff-Festspiele im Florianstadl unterhalb des Klosters Andechs, zuletzt unter der Leitung von Markus Everding. Streitigkeiten um Werktreue und dergleichen mehr machten die Veranstaltungsreihe aber zunichte. Trotzdem werden Werke von Orff noch immer im Florianstadl aufgeführt, der auch als Bühne für andere hochkarätige klassische und moderne Musiker genutzt wird.

Eine andere besondere Konzertreihe lockt im September alljährlich ebenfalls viele Kenner und Liebhaber klassischer Musik an: die Ammerseerenade. Seit diesem Jahr steht die Reihe unter neuer Leitung. Die renommierten Musiker Alexandra Troussova und Kirill Troussov haben erstmals das Festivalprogramm für die Konzerte an verschiedenen Spielstätten rund um den See zusammengestellt.

Florianstadl, Bergstraße 2, Andechs, andechs.de, ammerseerenade.de

Klettern und Erkunden

Das diesjährige Motiv des Labyrinths Ex Ornamentis in Utting ist die Europakarte nebst Friedenstaube.
Das diesjährige Motiv des Labyrinths Ex Ornamentis in Utting ist die Europakarte nebst Friedenstaube. Veranstalter/oh

Natürlich lässt sich der Ammersee, wenngleich nicht durchgängig auf ausgewiesenen Wegen, vortrefflich mit dem Rad umrunden. Ungefähr 52 Kilometer legt man dabei zurück. Wassersport ist ebenfalls ein großes Thema: ob Segeln, Kiten oder Paddeln. Für Familien mit Kindern sei ein Ausflug in den Hochseilklettergarten, am besten mit Reservierung, in Utting, oder, noch bis zum 28. September, ins dortige Labyrinth Ex Ornamentis empfohlen. Der Uttinger Unternehmer und Landwirt Uli Ernst fräst dort alljährlich ein neues Motiv in ein riesiges Feld. In diesem Jahr hat es eine politische Botschaft: Es ist Europa mit der Friedenstaube.

Ernst ist übrigens auch Weinbauer: einer der ersten, die sich in diesen Breitengraden als Winzer versucht haben. Mittlerweile produziert er um die 30 000 Flaschen aus verschiedenen pilzresistenten Sorten. Er bietet auch immer wieder verschiedene Weinverkostungen an.

Hochseilgarten, Fahrmannsbachstraße 2, Utting, hochseilgarten-ammersee.de, Labyrinth Ex Ornamentis, Freizeitgelände Fahrmannsbachstraße, Utting, exornamentis.de, Ammersee Winery, Schondorfer Straße 22, Utting, ammersee-winery.de

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