Amalienstraße Politiker, Komiker und ein Widerstandskämpfer

Das Wohnviertel um die Amalienstraße wurde mehr und mehr zu einem Verwaltungs- und Universitätsviertel. Die Einwohnerzahl des Stadtteils schrumpfte damals von 18.000 auf 11.000. Der Komiker Gerhard Polt hat den Häuserkampf der Maxvorstädter in einem Hörspiel verarbeitet: Der "Herr Dachs aus der Amalienstraße" versucht darin, sein Café gegen die Uni zu verteidigen. Erfolglos. Polt lebte damals im Haus Nummer 79.

Überhaupt war die Amalienstraße Heimat vieler berühmter Personen. Der Dramatiker Henrik Ibsen lebte in der Amalienstraße 53, der Maler Paul Klee soll in der Hausnummer 45 gewohnt haben und der Kunstsammler und Schriftsteller Lothar Günther Buchheim residierte in der Nummer 73. Der spätere bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß ging in der Amalienstraße 36 zur Schule und hinter der Nummer 23 eröffnete 1955 der allererste Wienerwald, in dem Schauspieler Hans Clarin sich oft ein Hendl bestellte.

Heinrich Himmler, Reichsführer während der NS-Zeit, wuchs in der Hausnummer 16 auf - zur gleichen Zeit lebte im selben Haus auch der Dramatiker Franz Wedekind. Willi Graf, Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose, hauste in einem kleinen Zimmer in der Nummer 95.

"Ich weiß, wofür ich sterbe"

Bereits eineinhalb Jahre vor Graf kämpfte Walter Klingenbeck in der Amalienstraße gegen die Nazis. Der Schalttechnik-Lehrling traf sich anfangs mit Verbündeten, um unerlaubt ausländische Radiosender abzuhören. Später konstruierte er einen Geheimsender, mit dem er und seine Gruppe anti-nationalistische Beiträge weiterverbreiteten wollten. Ein Senderstandort war die Wohnung von Klingenbecks Eltern in der Amalienstraße 44. Dort kam es zu ersten Probesendungen.

Doch 1941 malte Klingenbeck eines Nachts Victory-Zeichen an Gebäude in Bogenhausen. Unvorsichtig erzählte er von dieser Aktion - und wurde prompt denunziert. Am 5. August 1943 wurde Klingenbeck in Stadelheim im Alter von nur 19 Jahren hingerichtet. "Nimm die ganze Sache nicht tragisch", schrieb Klingenbeck am Tag seines Todes einem Freund. "Ich weiß, wofür ich sterbe."

Heute ist die Realschule in Taufkirchen nach Klingenbeck benannt, ebenso wie seit 1998 ein kleiner Weg zwischen Ludwig- und Kaulbachstraße. Doch lange wurde dem Widerstandskämpfer Klingenbeck kaum gedacht, er blieb ein Unbekannter. Dazu passt es ins Bild, dass er in der Amalienstraße lebte - der Straße, deren Geschichte kaum ein Münchner kennt.

Weitere Informationen über die Amalienstraße und ihre Vergangenheit: "Amalienstraße - von Häusern und Menschen", Dokumentation von Sepp Hödl, Bezirksausschuss Maxvorstadt München, 2007, Telefon: 089/22802673.