Am Hart/Neuhausen Umzug mit Nebenwirkung

Der Umzug wirft immer noch Schatten: Die Tennisspieler müssen ihr Jugendteam neu aufbauen.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Tennisabteilung des SV Stadtwerke München hat so gut wie alle Nachwuchsspieler verloren

Von Sonja Niesmann, Am Hart/Neuhausen

"Wir sind erledigt", hatte Robert Stechele, der damalige Vorsitzende der Tennisabteilung des SV Stadtwerke München, 2016 erklärt, und ein Jahr später stand auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung tatsächlich der Punkt "Auflösung des Vereins". Aber man soll - wie auf dem Court selbst - nie zu früh aufgeben, selbst wenn alles aussichtslos erscheint: Die Tennisspieler, die ihre Anlage an der Neuhauser Postillonstraße, neben dem Dantebad, wegen des Baus von Werkswohnungen räumen mussten, haben letztlich doch eine neue Bleibe gefunden. Sie konnten sechs Sandplätze samt Clubhaus an der Neuherbergstraße 81, die zur Bezirkssportanlage an der Wegenerstraße gehören, vom Tennisclub Grün-Weiß Nord übernehmen. Allerdings hat der Neuhauser Verein beim Umzug gut 200 von 320 Mitgliedern verloren, darunter - besonders schmerzhaft - so gut wie alle 40 Jugendlichen.

"Die Kinder und Jugendlichen waren alle aus der Umgebung der Postillonstraße, denen und ihren Eltern war der Weg in den Münchner Norden zu weit", sagt der neue Vorstand Rudolf Mock. Er und sein komplett neues Vorstandsteam wollen nun den Schwerpunkt auf den Aufbau einer Vereinsjugend legen. Damit das nicht nur "so am Rande mitläuft", damit aus derzeit gerade mal fünf jugendlichen Spielern vielleicht so viele werden, dass man wie früher zwei Turniermannschaften bilden kann, ist eigens ein Jugendsportwart gewählt worden. Reste des Grün-Weiß-Vermögens werden zweckgebunden investiert, zum Beispiel für den Kauf von Schlägern, für kostenlose Trainingsangebote für Kinder, für günstige Mitgliedsbeiträge für Jugendliche. Die liegen bei 50 Euro jährlich bis 14 Jahre, für 14- bis 18-Jährige bei 75 Euro. Erwachsene zahlen nun 200 Euro im Jahr - sie hatten an der Postillonstraße mit 110 Euro Beitrag die Bälle konkurrenzlos günstig übers Netz gedroschen.

Als die Stadtwerke wegen ihres Wohnbauprojekts den Pachtvertrag für die neun Sandplätze beim Dantebad kündigten, war das Entsetzen groß. Lange suchten die Tennisspieler, die gerne als Verein selbständig bleiben und nicht zu einem anderen Club wechseln wollten, nach einem neuen Domizil. Schließlich hatten sie fünf Plätze im Olympiapark, also nicht allzu weit entfernt von der Postillonstraße, in Aussicht. Doch selbst mit einer deutlichen Erhöhung der Mitgliederbeiträge hätte man die Jahrespacht nicht zahlen können. Die Stadtwerke schmetterten damals die Bitten um einen Zuschuss ab. Man fühle sich dazu nicht verpflichtet, argumentierten sie, da unter den 320 Mitgliedern nur noch genau 16 aktive SWM-Mitarbeiter seien. Auf der neuen Anlage ist eine Beschäftigung bei den Stadtwerken übrigens keine Voraussetzung, "wir sind ein offener Verein", sagt Rudolf Mock.