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Altstadt:"Wir werden immer wieder vertröstet"

Frauen vom Förderverein Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e.V.

Sucht eine Nachfolgeregelung: Christa Lippmann.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Das von Christa Lippmann gegründete Nachbarschaftsprojekt für Frauen im Alter bangt um die künftige Finanzierung

Von Justus Wilke, Altstadt

Der Verein "Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter" hat auch in diesem Jahr Geld bei der Stadt beantragt, damit er eine hauptamtliche Geschäftsführerin finanzieren kann. Die aktuelle Vorsitzende und Gründerin des Vereins, Christa Lippmann, bemüht sich seit mehreren Jahren um zusätzliche Finanzmittel. Sie selbst arbeitet ehrenamtlich für den Verein, sucht aber wegen ihres Alters eine Nachfolgerin. "Heutzutage findet man keinen Menschen mehr, der ohne Bezahlung voll beruflich tätig ist", sagt Lippmann.

Daher stellt sie jedes Jahr aufs Neue einen Antrag bei der Stadt, damit sie eine halbe Stelle für die Geschäftsführung schaffen kann. Momentan erhält der Verein etwa 40 000 Euro pro Jahr, der Verein braucht nach Lippmanns Angaben aber mindestens weitere 40 000 Euro, damit er in Zukunft auch ohne ihre ehrenamtliche Mitarbeit bestehen kann.

Ziel des Vereins ist es, älteren Frauen mit geringer Rente ein angenehmes Zusammenleben zu ermöglichen. Der Verein hat aktuell fünf Wohnprojekte, in denen knapp 40 Seniorinnen zu Hause sind. In jeder Wohngruppe leben etwa acht Frauen in getrennten Apartments, ein Gemeinschaftsraum verbindet die privaten Zimmer. In der WG sollen sich die Bewohnerinnen gegenseitig helfen und füreinander da sein, insbesondere wenn die Partner oder Familien das nicht mehr können.

Damit die Wohngruppen weiterhin bestehen können, ist ein hoher Verwaltungsaufwand nötig; vor allem wenn weitere Projekte entstehen sollen. Deshalb beantragt Lippmann das zusätzliche Geld bei der Stadt, optimistisch ist sie aber nicht: "Wir werden immer wieder vertröstet, es wird hinausgezogen. Und dann ist dies und dann ist das", beschwert sich Lippmann. In diesem Jahr bangt die Vorsitzende einmal mehr um die Finanzierung, schließlich seien ein neuer Stadtrat und Corona keine guten Voraussetzungen. Auf Anfrage teilt die Pressestelle des Sozialreferats lediglich mit, dass geplant sei, "noch in diesem Jahr den Stadtrat mit der Thematik zu befassen."

© SZ vom 28.09.2020

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