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Altstadt:Verzicht auf Lärmmessungen

Trotz sehr lauter Musik beim Christopher Street Day soll es bei Appellen bleiben

Der Christopher Street Day (CSD) gehört längst zu München wie das Oktoberfest, mag er auch in ähnlicher Weise an Nachbar-Nerven zerren. Der Altstadt-Bezirksausschuss (BA) nimmt Anwohnerbeschwerden über allzu laute Musikbeschallung entsprechend ernst, sieht aber davon ab, die Lärmbelastung vom Umweltreferat (RGU) messen zu lassen.

Dass es beim diesjährigen CSD erneut nicht nur bunt zuging, sondern dank Techno-Beschallung auch unnötig laut, hatten Anwohner aus dem Bereich des Sankt-Jakobs-Platzes bereits Mitte Juli im BA beklagt. Das Gremium vertagte das Thema zunächst und beriet nun mögliche Konsequenzen, nachdem weitere Beschwerden eingegangen waren. Dass der CSD nicht wie ein gewöhnliches Straßenfest beurteilt werden kann, sondern zugleich als politische Demonstration für Toleranz und Anerkennung (nicht nur) schwul-lesbischer Lebensentwürfe einen Sonderstatus genießt, hatten bereits im Juli alle Stadtteilvertreter betont - auch jene, die mehr Rücksicht auf die Anwohner einfordern. "Es kann nicht sein, dass man alles hinnehmen muss", beharrte Carolin Heiter-Dieses (CSU) auf dem Standpunkt des Unterausschusses für Gastronomie und Öffentlichen Raum, der sich für Lärmmessungen beim CSD 2020 ausgesprochen hatte. "Und was machen wir, wenn voll überzogen wird?" wollte Philippe Louis (Grüne) wissen. An der Institution CSD wolle der BA ja wohl selbst bei überschrittenen Grenzwerten kaum rühren und sollte sich Nachforschungen daher verkneifen. Allzu striktes Beharren auf Vorschriften könne am Ende sämtliche Festivitäten treffen. Jörg Hoffmann (FDP) vermutet, dass "einige, die sich beschweren, durchaus das Ziel haben, den CSD zu beschädigen" und hält daher Zurückhaltung schon aus gesellschaftspolitischen Gründen für geboten. Mit Unterstützung der vier Grünen sowie von Charlotte Böhmler und Haluk Sevengül (beide SPD) setzte sich diese Ansicht schließlich gegen sechs CSU- und SPD-Stimmen durch. Der BA belässt es also beim beiderseitigen Appell: Die Veranstalter sollen den Regler freiwillig etwas herunter drehen, die Anwohner notfalls die CSD-Tage auswärts verbringen. Da das Spektakel draußen um 23 Uhr ende, müssten sie ja nicht gleich in Hotelübernachtungen investieren, so der Tipp aus dem BA.