Altstadt Selbst gemachter Verkehrsinfarkt

"Falscher Zeitpunkt": Einen von den Grünen geforderten Rückbau der Zweibrückenstraße lehnen die Lokalpolitiker ab

Von Renate Winkler-Schlang, Altstadt

Der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel hatte bei seiner Diskussion zum Gesamtkonzept für den innerstädtischen Isarraum angeregt, die kommende Baustelle auf der Ludwigsbrücke dafür zu nutzen, um herauszufinden, ob der Verkehr dort künftig auch nur mit jeweils einer Spur pro Fahrtrichtung funktionieren kann. Da hatte eine ganze Menge Skepsis und Angst vor Verkehrschaos mitgeklungen. Die Lokalpolitiker konnten sich kaum vorstellen, dass eine solche Maßnahme ohne ein großflächiges Gesamtkonzept für den Verkehr östlich der Isar Aussicht auf Erfolg haben könnte. Der Stadtrat jedoch hat inzwischen diese Einspurigkeit der Brücke bereits beschlossen.

Für die Grünen im Bezirksausschuss war diese neue Lage Grund genug, einen Folgeantrag für die gleichzeitige Umgestaltung der Zweibrückenstraße hinterherzuschicken. Auch diese Verbindung zwischen Brücke und Altstadtring solle nach Meinung von Peter Hoerauf, Philippe Louis, Markus Stadler und Andrea Stadler-Bachmaier mit Beginn der Arbeiten auf der Ludwigsbrücke 2020 auf je eine Spur pro Richtung zurückgebaut werden. Das biete die Chance, die Radwege, die sich die Radler derzeit oft mit den Touristenströmen auf dem Weg zum Deutschen Museum teilen müssen, auf die Fahrbahn zu verlegen - mit einer minimalen Breite von 2,30 Metern. Das wieder schaffe mehr Platz für die Fußgänger - und stadteinwärts zwischen Steinsdorfstraße und Liebherrstraße womöglich auch für neue Bäume. Die Parkplätze dort sollten aufgelöst werden, an ihrer Stelle wollen die Grünen neben neuem Grün auch Mobilitätsstationen oder Fahrradabstellmöglichkeiten. Auch die Trambahnhaltestelle inmitten der Zweibrückenstraße könnte umgebaut werden. Mehr Fläche auf den Trottoirs lasse zudem auch eine "Neubewertung der Freischankflächen" zu. Alles in allem "enorme Verbesserungen und ein enormes Entwicklungspotenzial", so die Grünen.

Doch sie standen mit dieser Einschätzung alleine da. So erklärte etwa Jörg Hoffmann (FDP), die Stadtrats-Entscheidung für die Ludwigsbrücke sei "fachlich falsch" gewesen, die SPD habe sich dabei "vor den Karren der Grünen spannen lassen", die CSU habe sich "übertölpeln" lassen. Die Isarbrücken seien "eines der Hauptprobleme des Münchner Verkehrs. Er hoffe nun, dass sich nach der Kommunalwahl im März 2020 wieder "die Vernunft Bahn bricht", so Hoffmann. Ein Umbau der Zweibrückenstraße werde nur Schleichwegverkehr in umliegende Straßen bringen. Auch andere Mitglieder des Gremiums warfen den Antragstellern vor, sie wollten "hier einen Verkehrsinfarkt bauen". Der Grünen-Antrag komme "zum falschen Zeitpunkt", hieß es. Mit großer Mehrheit wurde er abgelehnt.