Süddeutsche Zeitung

Altstadt:Reisebusse sorgen für Ärger

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Sie halten auf der Abbiegespur oder in zweiter Reihe: Die vielen Reisebusse am Isartor oder an der Oper behindern den Verkehr teils massiv. Jetzt hat das Kreisverwaltungsreferat reagiert.

Von Andreas Neukam, Altstadt

Als ein Taxifahrer hupt, aussteigt und heftig mit dem Kopf schüttelt, lehnt der Busfahrer weiter unbeeindruckt am Halteverbotsschild. Der rote Kreis mit dem roten Kreuz in der Mitte prangt direkt über seinem Kopf. Neben ihm parkt sein Bus mit italienischem Kennzeichen. Seit über einer Stunde steht er auf der Rechtsabbiegespur zum Isartor. Es ist kurz nach 13 Uhr. Den ganzen Vormittag über hielten immer wieder Reisebusse wie selbstverständlich dort, wo sie eigentlich nicht halten dürfen. Sie lassen Touristen aus- und einsteigen.

Seit die Arbeiten für die neue Tiefgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring begonnen haben und die Bushaltestelle der Baustelle zum Opfer gefallen ist, ist die Abbiegespur vor dem Isartor zum rechtsfreien Raum geworden. Wenigstens immer dann, wenn keine Politesse oder ein Politeur, wie die männliche Bezeichnung lautet, in der Gegend ist, also etwa 21 Stunden am Tag.

"Das ist alles halb so wild", sagt ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes eines Juweliergeschäfts. Den ganzen Tag über steht er an der Eingangstür des Ladens und blickt direkt auf die Abbiegespur. Chaos gebe es nicht. Von Chaos will auch das Kreisverwaltungsreferat (KVR) nicht sprechen. Zeitweise versuchten allerdings so viele Busse anzufahren, dass in der Konsequenz auch in zweiter Reihe gehalten werde. An der engsten Stelle rollt der Verkehr dann nur noch auf einer Spur. Deswegen hat die Behörde die Kontrollen intensiviert. Eine Statistik gebe es zwar nicht, das KVR schätzt aber, dass sich die Zahl der Verwarnungen mindestens verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht habe.

"Es ist illusorisch, die Busse hier aus der Stadt rauszuhalten"

"Je öfter wir hier stehen, desto besser ist es", sagt eine Politesse. Sie kommt gerade am Isartor an, als eine etwa 20-köpfige Reisegruppe in einen weißen Bus mit polnischem Kennzeichen steigt. Zweimal hat er die Bustüren schon geschlossen, aber immer wieder sprinten Touristen, die noch zusteigen wollen, aus den angrenzenden Geschäften. Die Politesse steht neben der Fahrertür, schaut den Busfahrer streng an und schüttelt mit dem Kopf, als er nach fünf Minuten endlich weggefahren ist.

"Es ist illusorisch, die Busse hier aus der Stadt rauszuhalten", sagt Thomas Kindling. Er leitet das Büro eines deutsch-chinesischen Reiseveranstalters am Thomas-Wimmer-Ring. Seit 14 Jahren arbeitet er dort. "Die Geschäfte sind total auf die Touristen angewiesen", sagt er. "Wenn die Busse nur noch auf der anderen Seite halten würden, am Stachus oder Odeonsplatz, würde keiner mehr den Weg ins Tal finden." Er beschwert sich, dass die Lokalpolitiker nur auf ihre Wähler schauen würden.

Dem widerspricht Wolfgang Püschel heftig. Der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel beteuert, sich seit Monaten mit den Anliegen der Geschäftsleute auseinanderzusetzen. "Das ist eine Unverschämtheit, zu sagen, dass man sich nicht um sie kümmert." Der BA habe versucht, das zu legalisieren, was derzeit illegal passiert: das Aus- und Einsteigen der Touristen auf der Abbiegespur. Auch jetzt müsse kein Bus bis zum Stachus oder Odeonsplatz fahren.

Ein Schild kurz vor dem Isartor weist auf Deutsch darauf hin, dass Busse am Karl-Scharnagl-Ring parken können. Sechs Stellplätze sind es dort, Höchstparkdauer zwei Stunden. Einen weiteren Busparkplatz gibt es in der Erhardtstraße. Am Oskar-von-Miller-Ring, in der Blumenstraße und in der Frauenstraße können die Busfahrer ihre Fahrgäste wenigstens aus- und einsteigen lassen. "Ich weiß nicht, wo ich halten soll", beschwert sich ein tschechischer Busfahrer, der am Thomas-Wimmer-Ring im Halteverbot steht.

Etwa einen Kilometer nördlich liegt der Max-Joseph-Platz. Vor knapp drei Wochen hat der Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrats beschlossen, dass der Platz vor dem Nationaltheater künftig für Busse gesperrt sein soll. Bis Ende Oktober sollen laut KVR die Schilder stehen. Schon jetzt dürfen Busse nur direkt vor dem Theater maximal zehn Minuten halten. Trotzdem parkt eine Busfahrerin nebenan im absoluten Halteverbot. "Wenn ich beim Bus bleibe, sagen die Reiseveranstalter, dann sind die Behörden kulant und verwarnen nicht", verrät sie.

In der Stadt sei es problematisch, überhaupt einen Parkplatz zu finden und die Busstellplätze seien meistens von Autos zugeparkt. Das Kreisverwaltungsreferat geht deswegen seit Freitag verschärft gegen diese Falschparker vor. Die Polizei habe den bestehenden Abschleppkatalog erweitert, teilte die Behörde mit. Darin sind unter anderem alle Behindertenparkplätze und Feuerwehranfahrtszonen aufgeführt. Wenn jetzt ein Busparkplatz von einem Auto besetzt sei, werde man sich von der Polizei das Okay holen und es abschleppen lassen.

"Die Sperrung des Max-Joseph-Platzes", so das KVR, "wird die Situation am Isartor nicht entspannen." Im Sommer 2019 soll die Tiefgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring eingeweiht werden. Auch danach sollen keine Busse mehr in der Straße halten. Wolfgang Püschel vom BA fordert daher von der Stadt so schnell wie möglich ein Konzept, das nachhaltig viele Busparkplätze schafft. "Man kann nicht hoffen, dass sich das Problem von alleine löst. Es löst sich nicht", sagt er.

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SZ vom 14.08.2017/bica
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