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Altstadt:Ohne Grundlage

Grüne kritisieren die Sperrung des Marienplatzes für Radler

Von Marco Völklein, Altstadt

Die Debatte um die von CSU und SPD beschlossene Sperrung des Marienplatzes für Taxis, Busse, Rad- und Rikschafahrer kommt nicht zur Ruhe. Kurz vor der Beschlussfassung im Stadtrat in der vergangenen Woche hatten die Rathaus-Grünen eine Anfrage zu dem Thema an die Rathausspitze gestellt. Mittlerweile liegt die Antwort auf diese Anfrage vor - und die zeigt zumindest nach Lesart der Grünen, dass die Sperrung des Marienplatzes für Radfahrer jeder Grundlage entbehrt.

So hatten die Stadträte Sabine Nallinger, Paul Bickelbacher und Herbert Danner wissen wollen, wie hoch das Gefährdungspotenzial für Fußgänger am Marienplatz tatsächlich ist. Schließlich hatten CSU und SPD die Aussperrung sämtlicher Fahrzeuge aus Münchens "guter Stube" unter anderem damit begründet, dass es dort immer wieder zu Problemen zwischen Fußgängern und Radfahrern komme. Aus der Antwort von Stadtbaurätin Elisabeth Merk geht nun hervor, dass die Polizei im Jahr 2014 zwei Unfälle mit Personenschaden zwischen Radfahrern und Fußgängern registriert hat; im Jahr 2015 wurde bisher nur ein Unfall registriert. Beide Vorkommnisse seien mit leichten Verletzungen relativ glimpflich ausgegangen, heißt es. Merk zitiert zudem das Polizeipräsidium mit dieser Aussage: "Unter Zugrundelegung der tatsächlichen Zahlen an Menschen, die zu Fuß, mit dem Rad oder einem Kraftfahrzeug unterwegs sind, ist die Anzahl der Unfälle als verschwindend zu bezeichnen."

Für Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher zeigt sich damit, dass "die Situation am Marienplatz entspannt ist, weil Radfahrer und Fußgänger sich in der Regel verantwortlich und vorsichtig verhalten". Die Aussperrung des Radverkehrs, die nach dem Beschluss der schwarz-roten Rathaus-Mehrheit von Februar 2016 an wirksam werden soll, sei also "eine völlig unnötige und willkürliche Erschwernis für den Radverkehr". Zudem hatten sich der Bund Naturschutz (BN), Green City, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Radlerlobby ADFC gegen die Neuregelung gewandt. "Für uns ist damit die Aussperrung vom Tisch", sagt BN-Referent Dominik Lypp.

Doch es ist nicht zu erwarten, dass CSU und SPD ihren Beschluss rückgängig machen. SPD-Stadtrat Ingo Mittermaier hatte die Ausweitung der Fußgängerzone als "großen Gewinn für die Fußgänger und eine Aufwertung für den Marienplatz" gewertet. Künftig sollen die Radler auf eine neue Hauptroute über Sparkassenstraße und Viktualienmarkt ausweichen. CSU-Stadtrat Michael Kuffer glaubt, dass diese angenommen wird - und der Umweg den Radlern auch zugemutet werden kann: "In ein paar Jahren werden die Kritiker sehen, dass die angeblichen Probleme gar keine Probleme sind."

© SZ vom 19.11.2015
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