Altstadt "Haben Sie Haustiere?"

Kleine Einführung: Auf der Tribüne des Sitzungssaals lauschen die Kinder dem Vortrag von Gerd Grüneisl.

(Foto: Jan Staiger)

Kinder schnuppern Rathausluft und dürfen Bürgermeisterin Christine Strobl mit Fragen löchern

Von Hannes Brandner, Altstadt

Im großen Sitzungssaal im Rathaus - dort, wo sonst die Stadträte diskutieren - sitzen Schulkinder und löchern Christine Strobl (SPD), Münchens dritte Bürgermeisterin, mit Fragen: "Haben Sie Haustiere?", "Wie viel verdienen Sie?", "Warum ist U-Bahn-Fahren so teuer?"

Etwa 120 Viertklässler aus mehreren Münchner Schulen sind am Freitag ins Rathaus gekommen, um etwas über Münchens Verwaltung zu lernen. Erst gibt es für die Kinder dazu eine Einführung von Gerd Grüneisl vom Verein Kultur und Spielraum. Danach stellt sich Strobl den Fragen der Schüler. Eine Stunde nimmt sie sich Zeit, um von sich und ihrer Arbeit zu erzählen. Dabei erklärt sie den Kindern auch, dass die U-Bahn eben einiges koste, da die Stadt ja die Fahrer und die Reparaturen an den Zügen bezahlen müsse.

Als nächstes fragt ein Junge nach einer Autogrammkarte. Ein anderer nach ihrer Lieblingsfarbe. "Ja, die ist tatsächlich Rot", sagt sie mit einem Schmunzeln, wobei natürlich nur wenige Kinder die Anspielung auf ihre Parteifarbe verstehen. Aber das ist auch nicht so wichtig. An diesem Tag zumindest. Denn es geht nicht um politische Details. Die Kindern sollen erfahren, dass Politik manchmal näher dran ist am Menschen, als es scheint. Ein Junge fragt zum Beispiel, warum in seinem Klassenzimmer noch immer eine alte Tafel und kein modernes Whiteboard hängt. Genau beantworten kann das die Bürgermeisterin auf Anhieb auch nicht, aber sie verspricht ihm, sich zu erkundigen, ihm und seiner Klasse schließlich in einem Brief zu antworten. "Demokratie zum Anfassen" - das wolle sie den Kindern vermitteln, sagt Christine Strobl. Für einige Klassen geht an diesem Vormittag der praktische Einblick noch tiefer. Denn sie führt Gerd Grüneisl auch noch durch verschiedene Abteilungen im Rathaus. Diese Touren gehören zum "Trepp auf- Trepp ab"-Programm, bei dem Schüler die Aufgabenfelder der Verwaltung kennen lernen. Für eine Gruppe geht es dabei auch ins Büro von Münchens zweitem Bürgermeister, Manuel Pretzl (CSU). Die Schüler wollen wissen, was ein Fraktionsvorsitzender so macht. "Er ist der Chef", schlägt ein Kind vor. "Naja, ich bin eher so eine Art Klassensprecher", erklärt Pretzl seine Rolle in der CSU-Rathausfraktion.

An die 450 Schüler haben in den vergangenen zwei Wochen das Rathaus erkunden. Jetzt macht "Trepp auf-Trepp ab" wieder Pause. Voraussichtlich bis nächstes Jahr. Dann können Schüler wieder einen Blick hinter die Kulissen des Rathauses werfen oder beim Stadtkämmerer einen Blick in das Ausgabenbuch werfen. Autogrammkarten gibt es dann natürlich auch wieder.