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Altstadt:Eisstockschießen auf der Sendlinger Straße

Eiszauber in München, 2018

Bahn frei für die Wintergaudi: In gewöhnlichen Jahren tummeln sich am Stachus die Schlittschuhläufer beim "Münchner Eiszauber".

(Foto: Robert Haas)

Hackerhaus-Wirte wollen kommenden Winter ihre Freischankflächen umwandeln und zwei 34 Meter lange Bahnen anlegen

Von Julian Raff, Altstadt

Momentan findet urbaner Eissport höchstens in Form unfreiwilliger Schlitterpartien statt. Nächstes Jahr um diese Zeit allerdings, könnten die Stockschützen auf der Sendlinger Straße ihre Zielgenauigkeit erproben - zumindest, wenn es nach den Plänen der Hackerhaus-Wirte Christine und Lorenz Stiftl geht, die ihre Freischankfläche schon im Winter 2021/22 in Eisstockbahnen verwandeln wollen und derzeit bei diversen städtischen Stellen vorfühlen.

Neben Kreisverwaltungsreferat (KVR) und Polizei, ist unter anderem der Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel gefragt. Dieser will erst einmal Pro- und Kontra-Argumente sammeln und die Antragsteller bis März einladen, auch wenn das KVR zunächst eine Antwort bis Ende Januar erwartet hatte. So schnell ist ein klares Ja oder Nein aus lokaler Perspektive aber nicht möglich: Einerseits fördert und fordert der BA seit Jahren "niederschwellige" Sport- und Freizeitangebote in der Stadtmitte und kann sich zum Beispiel eine öffentliche Tischtennisplatte zwischen Schrannenhalle und Hochbunker vorstellen.

Andererseits mag die Gaudi zwar anfängertauglich sein, wirklich finanziell niederschwellig dürfte sie aber nicht werden. Nach Informationen des BA, planen die Wirtsleute Bahnen mit Benutzungsgebühr und Leihgeräten, ergänzt durch einen Ausschank, also eher kein alltagstaugliches Sportangebot für Anwohner. Mit kommerziellen Eisstockbahnen an sich könnte sich der Bezirksausschuss wohl grundsätzlich arrangieren. Auf dem Viktualienmarkt gab es zwar seit 2017 beim "Winterzauber" zwei offene Bahnen, zuvor aber auch schon gebührenpflichtige Angebote angrenzender Gastronomen. Die Hackerhaus-Wirte selbst waren am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Speziell die Sendlinger Straße möchten die Stadtviertelvertreter eigentlich von großflächiger Nutzung aller Art freihalten, und so als echte Fußgängerzone bewahren. Für die hiesigen Freischankflächen hat der BA eine Art Flächennutzungsplan mit "Modulen" ausgearbeitet, der den Wirten nach Auslaufen der Pandemie-Sonderregeln wieder feste Bereiche zuweisen wird. Das Hackerhaus verfügt demnach über zwei Module von je acht auf acht Metern. Die beiden Stockbahnen würden mit 7,5 Metern Breite und einer Länge von 34 Metern aber weit über dieses Zone hinausragen, was die Lokalpolitiker kritisch sehen. Einen Antrag auf Erweiterung der Schankfläche hatte das Gremium im Januar 2019 einstimmig zurückgewiesen, auch wenn der damalige Wirt Paul Pongratz dafür Freiflächen in der Hackenstraße aufgeben wollte. Einwände hatte seinerzeit nicht nur der Denkmalschutz vorgebracht, sondern vor allem die Branddirektion, deren Veto dem BA auch diesmal die Entscheidung quasi abnehmen könnte.

Zu prüfen wäre auch, ob die Eisbahnen ohne Schaden für den relativ neuen Bodenbelag der Sendlinger Straße aufgebaut werden können, gab die BA-Vorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) zu bedenken. In dieser Hinsicht, vor allem aber im Platzangebot, unterscheidet sich das Terrain der Sendlinger Straße vom Stachus, wo - normalerweise - der "Münchner Eiszauber" zum winterlichen Schlittschuhlaufen einlädt.

Den Gastronomen das Geschäft und den zahlenden Gästen aus Prinzip den Spaß verderben wollen die Lokalpolitiker in diesen freudlosen Zeiten natürlich auch nicht. Eisbahnen seien "eine gute Sache, aber nicht ohne Risiko" für die künftige Entwicklung der Sendlinger Straße, fasste Bernhard Wittek (CSU) schließlich den Standpunkt nicht nur seiner eigenen Fraktion zusammen.

© SZ vom 28.01.2021
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