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Altenpflege:Aufstehbett ja, Serviceroboter nein

Münchenstift informiert über Verbesserungen für die Bewohner in seinen 13 Heimen

Mehr geht eigentlich nicht: Die 2820 Wohn- und Pflegeplätze beim städtischen Heimträger Münchenstift waren im vergangenen Jahr zu 99,55 Prozent belegt, das ist fast ein Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor. Nahezu Vollbelegung, "das ist bundesweit einmalig", sagte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD). "Es läuft momentan sehr gut", erklärte die Münchenstift-Aufsichtsratsvorsitzende auf der Jahres-Pressekonferenz des gemeinnützigen Unternehmens. So sei ein Überschuss von 3,6 Millionen Euro erwirtschaftet worden, der in Ersatzbauten investiert werde.

Dass es so gut läuft, daran haben Migranten entscheidenden Anteil: 54 Prozent der knapp 2000 Mitarbeiter haben keinen deutschen Pass. "Wenn diese Menschen, die alte Münchner pflegen, nicht bei uns leben würden, könnten wir kein Heim betreiben." Münchenstift-Chef Siegfried Benker nutzt alle Möglichkeiten, neue Mitarbeiter für die Pflege zu gewinnen, er schaut sich dazu nicht nur im ehemaligen Jugoslawien, sondern jetzt auch in Albanien und in der Türkei um.

Christine Strobl wertet als weiteres gutes Zeichen, dass die Kündigungsquote rückläufig ist. Auch bei der Bewohnerbefragung schneidet der Träger von 13 Heimen gut ab, rund 87 Prozent der 588 befragten Bewohner gaben an, sie würden sich wieder für den städtischen Heimträger entscheiden. Die Qualität der Pflege zeige sich aber auch daran, dass nur noch 0,29 Prozent der Bewohner von sogenannten freiheitsentziehenden Maßnahmen, wie etwa dem Bettgitter, betroffen sind. Auf Bundesebene liege die Quote bei 8,9 Prozent. "Unser Ziel ist null Prozent, aber es gibt noch einzelne Angehörige und Betreuer, die sich nicht überzeugen lassen", obwohl es Alternativen gebe. Immer seltener komme zudem vor, dass sich Bewohner im Heim wund liegen: Nur noch 0,37 Prozent der Bewohner erleiden in Münchenstift-Häusern ein Druckgeschwür (bundesweit 3,9 Prozent).

Um mehr Zeit für die Pflege zu schaffen, setzt Benker auf die Digitalisierung. Vom Einsatz eines Serviceroboters hält er nach einem Testlauf allerdings nichts, da die Vorbereitungen viel zu viel Aufwand erforderten und die Maschine alte Menschen erschrecken lasse. Andere technische Neuerungen, wie etwa eine Lagerungsmatratze, die automatisch Bewohner in eine andere Lage bringt, damit sie sich nicht wund liegen, hätten sich für Wachkoma-Patienten als geeignet erwiesen, nicht aber für Bewohner mit Multipler Sklerose. Im Test befindet sich auch ein Sensorpflaster, das beim Sturz eines Bewohners das Pflegepersonal alarmiert. Ebenfalls ausprobiert wird ein halb automatisches, drehbares Aufstehbett, mit dem der Bewohner in eine am Bett sitzende Position gebracht werden kann.

Die gemeinnützige Gesellschaft bezahlt ihre Pflegekräfte "mit am besten in Deutschland", hob Benker hervor, "was die Pflegekräfte aber auch brauchen in einer teuren Stadt". Eine Münchenstift-Vollzeitfachkraft komme in der Regel auf 3648,03 Euro Brutto-Monatsgehalt, während der Durchschnitt in Bayern bei 2989 Euro und bundesweit bei 2744 Euro liegt. Hilfskräfte in der Pflege kommen in Münchenstift-Heimen auf 2851,75 Euro im Schnitt. Im bayerischen Mittel erhalten sie 2081 Euro, bundesweit betrachtet nur 1944 Euro.