Münchenstift Wie sich Altenheime auf Senioren mit Migrationshintergrund einstellen

Die Bewohnerinnen Ilse Baumgartl, Klara Scherer, Erika Mader und Albina Karl.

(Foto: Stephan Rumpf)

Münchenstift setzt in drei Häusern auf ein internationales Kulturangebot, Fernsehen in anderen Sprachen oder Speisen aus anderen Ländern. Das gefällt auch den Mitarbeitern.

Von Sven Loerzer

Eigentlich ist der Gruß ja nur eine Floskel, aber oft sind es eben gerade auch diese Kleinigkeiten, die über den ersten Eindruck entscheiden. "Dobro došli" steht auf dem Teppich am Haupteingang zum Münchenstift-Haus Heilig Geist in Neuhausen, unter "Willkommen" auf Deutsch und in anderen Sprachen. Cvjetko Prodanovic, 27, aus Bosnien, der gerade das dritte Jahr seiner Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, fiel die Begrüßung in seiner Muttersprache sofort auf. "Ich kann den Arbeitsplatz nur empfehlen", sagt er.

Die Begrüßungsformel freilich ist dabei eigentlich nur eines der äußeren Kennzeichen für den Wandel, den der städtische Heimträger vor fünf Jahren in drei seiner 13 Häuser begonnen hat. Denn die interkulturelle Öffnung bedeutet für Beschäftigte und Bewohner viel mehr als sich auf den ersten Blick erkennen lässt: Nicht nur Tageszeitungen in anderen Sprachen, TV-Empfang aus anderen Ländern oder ein internationales Speisen- und Kulturangebot. Die neue Vielfalt hat mehr Farbe ins Leben gebracht, hat aus einem Nebeneinander ein Miteinander entstehen lassen.

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Leicht gefallen sei es ihr nicht, ihre schöne Wohnung aufzugeben und in ein Einzelzimmer zu ziehen, sagt Erika Mader, 81. "Aber ich habe im zweiten Stock gewohnt, hatte zu wenig Kraft und bin da nicht mehr raufgekommen." Vor einem knappen Jahr ist sie krank und stark abgemagert ins Pflegeheim gezogen, "ich habe es nicht bereut, es geht mir sehr gut". Sie legt Wert auf gepflegten Schick, näht noch selber und rettet schon mal ein von einem Kind schwer gebeuteltes Plüschtier, das ihr eine Pflegekraft zur Reparatur bringt.

"Hier wird einem viel geboten", sagt Erika Mader und schwärmt vom Urlaub, den im letzten Jahr zehn Bewohner mit fünf Mitarbeitern eine Woche lang in Altötting verbrachten. Klara Scherer, 90, macht auch bei vielem mit: Bei der internationalen Modenschau trug sie kroatische Tracht. Turnen, Yoga, Trommeln, Kochen, afrikanischer Abend, spanisches Fest, italienischer Abend - "man hat genug zu tun, dass man um die Kurve kommt". Ja, bestätigt Ilse Baumgartl, 92, die bei der Modenschau ihre frühere Heimat Rumänien vertrat, sie sei überrascht gewesen, "was uns alles geboten wird".

Willkommene Abwechslung für die einen, ein Stückchen Heimat für die anderen: Mehr als siebzig Prozent der Mitarbeiter im Haus Heilig Geist haben Migrationshintergrund, sagt die Ausbildungsbeauftragte Sandy Zimmermann. Vor fünf Jahren waren dort erst knapp fünf Prozent der Bewohner Migranten, heute sind es 16 Prozent. Und sie fühlen sich wohl, weil ihnen Verbindungen zur alten Heimat bleiben. Der Bewohner aus Italien, dem Land, aus dem einst die "Gastarbeiter" kamen, die jetzt in München alt werden, freut sich, dass er italienische TV-Sender empfangen kann und auf die italienische Tageszeitung nicht verzichten muss. Und dass er zwischendurch auch mal mit einem Mitarbeiter in seiner Muttersprache reden kann.

Mediterranes Flair hat das Haus Heilig Geist mit der interkulturellen Öffnung erhalten.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Unsere Mitarbeiter kommen aus mehr als 70 Ländern", sagt Münchenstift-Geschäftsführer Siegfried Benker. Im Pflegealltag hat das Vorteile, wie Jeannette Lucas festgestellt hat: Eine kroatische Bewohnerin, die infolge von Demenz sich nur noch in ihrer Muttersprache äußern kann, findet dadurch schnell Gehör. Gerade in Krisen habe sich dieser "hauseigene Dolmetscherdienst" bewährt, erklärt die Münchenstift-Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeisterin Christine Strobl. Bewohner freuen sich zudem, wenn sie zum Geburtstag eine Karte oder ein kleines Ständchen in der Muttersprache von Mitarbeitern erhalten, erzählt Sanel Kadric.