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Alt-Hippie trifft auf Piraten:Langhans' neue Liebe

Um Drogen geht es bei der Diskussion dann nur noch am Rande: Kommune-1-Mitbegründer Rainer Langhans bringt die Piraten an ihre Grenzen. Er sieht im Netz die Möglichkeit zur Selbsterkenntnis.

Eigentlich hätte es ja um Drogenpolitik gehen sollen. Die Veranstaltung, zu der die Piratenpartei Bayern am Samstag ins Truderinger Kulturzentrum geladen hat, trägt den Titel "Neue Wege für Deutschland", diskutieren sollen Pirat Christoph Rossner als Sprecher der AG Drogen und Alt-Hippie Rainer Langhans unter der Leitung von Stefan Körner, dem Vorsitzenden des bayerischen Landesverbands.

Alt-Hippie Rainer Langhans diskutiert mit den Piraten - und sieht in ihnen die Nachfolger der 68er-Bewegung.

(Foto: Robert Haas)

Doch der Mitbegründer der "Kommune 1" mag sich nicht auf eine profane realpolitische Diskussion beschränken. Langhans strebt nach einer "neuen Form des Zusammenseins", die er bei der Partei mit der orangefarbenen Flagge zu erkennen meint. Drogen sind für den Mann mit der silbernen Lockenmähne daher nur ein vordergründiges Thema, geht es doch eigentlich vielmehr um die großen Lebensfragen, die hinter dem Konsum von Rauschmitteln stehen: der Suche der Menschen nach Glück, Identität und Liebe.

Piraten-Vorstand Körner, der während des Gesprächs die Basis via Twitter-Meldungen auf dem Laufenden hält, hat sichtlich Mühe, die hohen Erwartungen ein wenig zu dämpfen. Auch Drogen-Experte Rossner sitzt etwas verloren auf dem Podium. Der ganz in Weiß gewandete Langhans erkennt dagegen in den Piraten die Nachfahren der 68er, die durch ihre Sozialisation als "Onliner" den Weg zum Glück gefunden haben.

Im Netz sieht er die Möglichkeit zu Selbsterkenntnis und Vergeistigung. Die Piraten, so plaudert Langhans munter weiter, behaupteten zwar immer nur, sie wollten lediglich die bestehende Technik und Strukturen erneuern: "Doch in Wirklichkeit wollt ihr einen anderen Menschen", glaubt der Schwabinger Altkommunarde. "Man kann menschliche Probleme nicht im Internet lösen, sondern nur Face-to-Face", entgegnet ihm Körner. "Das Internet ist nur ein Medium zur Kommunikation, kommunizieren müssen die Menschen."

In der Podiumsdiskussion geht es schließlich auch noch um Drogen. Rossner plädiert für eine kontrollierte Legalisierung von Rauschmitteln, um diese sicherer zu machen. Außerdem will er sich der Aufklärung zuwenden, etwa durch das Fach "Rauschkunde" in der Schule. Doch solch ein systemgetreuer Lösungsansatz ist Langhans nicht grundsätzlich genug. Wenn die Piraten schon Schulwege beschreiten wollten, meint er, so müsse es zumindest "Glückskunde" sein, die unterrichtet werde.