Alligatoah in der OlympiahalleVom Rap zum Heavy Metal - bis es schmerzt

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„Ich bin so gut darin, mich schlechtzumachen“: Rapper Alligatoah (hier ein Archivbild) macht mittlerweile Heavy Metal, hat seine musikalische Herkunft aber nicht ganz vergessen.
„Ich bin so gut darin, mich schlechtzumachen“: Rapper Alligatoah (hier ein Archivbild) macht mittlerweile Heavy Metal, hat seine musikalische Herkunft aber nicht ganz vergessen. RalfxRottmann/IMAGO/Funke Foto Services

In der Olympiahalle präsentiert sich der einstige Hip-Hopper Alligatoah verwandelt. Das tut musikalisch weh – und ist dennoch eine großartige Show.

Kritik von Linus Freymark

Es ist eine Zumutung, er gibt es sogar selbst zu. „Es sind harte Zeiten für Alligatoah-Fans, die kein Metal mögen“, lässt Lukas Strobel sein Münchner Publikum wissen. Direkt darauf schickt der gebürtige Niedersachse Alligatoah die Entwarnung hinterher: Nur noch 800 Songs müssten seine Fans der ersten Stunde abwarten, bis endlich sein Mega-Hit von 2013 kommt: „Willst du mit mir Drogen nehmen? // Dann wird es rote Rosen regnen?“ Zeilen, tief verankert im musikalischen Gedächtnis einer ganzen Generation.

Bis es so weit ist, gibt Alligatoah aber erst einmal seine neuesten Werke zum Besten – und das tut mitunter genauso weh, wie der Bierpreis von sieben Euro in der Olympiahalle. Denn der Rapper von einst ist in der Zwischenzeit zum Heavy Metal übergelaufen. Für all die, die Alligatoah von früher kennen und ihn für seine frühen Songs lieben, sind das musikalisch wirklich harte Zeiten. Für alle Metal-Fans ist dieser Samstagabend eine einzige Party: Sie bekommen zu ihrer Lieblingsmusik die gewohnt scharfsinnig-ironischen Alligatoah-Texte, in denen es um den Irrsinn des Kapitalismus und die vielen Mitläufer geht, die das System am Leben halten und deren größtes Glück ein Vollzeitjob ist. Gleichzeitig gibt Alligatoah seinem Publikum praktische Tipps an die Hand, wie man aus dem Hamsterrad ausbrechen kann: Was tun, wenn man den Vorgesetzten doof findet? Na klar, kündigen!

Das Ganze transportiert Alligatoah mit einer Show, die den Mann auf der Bühne zum Gesamtkunstwerk werden lässt: Er leckt über Computerbildschirme, bevor er sie inbrünstig zertrümmert. Er wälzt sich über Schreibtische, rollt in Bürostühlen umher, schießt mit einer beeindruckend großen Waffe Konfetti in die Luft. Dazu trägt Alligatoah mal einen Pelzmantel, für den natürlich kein Tier sterben musste, weil es gar kein echter Pelz ist. Mal sucht er mit seinem Publikum als Pseudo-Psychocoach die innere Mitte eines jeden Einzelnen. Ein wenig schütteln, ein wenig ein- und ausatmen. Und zack, da ist sie doch, die innere Mitte. Alles gar nicht so schwierig. Vorausgesetzt, man ist an den richtigen Scharlatan geraten und bezahlt ihn adäquat.

Zwei Stunden lang versorgt Alligatoah die Olympiahalle so mit Zeilen á la „Ich bin so gut darin, mich schlechtzumachen“. Und weil er seine Metamorphose vom Rapper zum Heavy-Metal-Musiker zwar konsequent vollzogen, seine musikalische Herkunft aber nicht ganz vergessen hat, sind die 800 Songs bis zur Zugabe ziemlich schnell vorüber. Schade eigentlich.

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