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Allianz Arena:Es franzelt wieder beim FC Bayern

Allianz Arena Ceremonial Act

Eine illustre Runde in der Arena in Fröttmaning: Gerhard Schröder (rechts) umarmt Franz Beckenbauer. Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Klar, es gab Schatten, Fragen und Ermittlungen zur Vergabe der WM 2006. Das hält Altkanzler Gerhard Schröder bei einer Feier zum Stadion-Jubiläum aber nicht von einer Lobeshymne auf den Kaiser ab.

Von Thomas Becker

So eine Runde kriegt an einem handelsüblichen Freitagabend halt nur der FC Bayern hin: ein Kaiser (Beckenbauer), ein Alt-Kanzler (Schröder), ein Beinahe-Kanzler (Stoiber), ein Präsident (Hopfner), ein Bald-wieder-Präsident (Hoeneß), ein Vorstandsvorsitzender (Rummenigge) und ein gewesener SPD-Innenminister (Schily) - fast alle mit einem Weißbier in der Hand (Stoiber natürlich nicht) und offenbar allerbester Laune. Dröhnendes Männerlachen, offene obere Hemdknöpfe, und Otto Schily fragt die Ex-Lichtgestalt: "Und zu Hause alles gut?"

In der Tat wüsste man gern, wie in den letzten Monaten die Stimmung im Hause Beckenbauer so war. Aber darum soll es ja gar nicht gehen. Der Rekordmeister hat eingeladen, um "daran zu erinnern, dass es vor zehn Jahren eine Fußball-WM in Deutschland gab, die den Bau eines reinen Fußballstadions im Norden Münchens erforderte". Zehn Jahre Arena sollen begangen werden, auch wenn die Eröffnung im Mai 2005 über die Bühne ging. Egal, feiern wir halt die WM, feiern wir denjenigen, der sie nach Deutschland holte: Franz Beckenbauer.

Ganz klar ein Job für Gerhard Schröder, auch wenn der als Ehrenmitglied von Borussia Dortmund "nie geträumt hätte, mal eine Rede beim FC Bayern zu halten". Auch egal, er macht's trotzdem, "des Kaisers wegen", wie Schröder sagt. Und wie er ihn ehrt! "Der Franz hat wirklich Großes geleistet. Das darf auf gar keinen Fall vergessen werden." Klar, es gab auch Schatten, Fragen und Ermittlungen zur WM-Vergabe, so Schröder, "gerade ich weiß, dass Entscheidungen immer von Kritik begleitet sind. Aber mach' dir nix draus, Franz. Du bist ein Mensch, der sich um das Land verdient gemacht hat."

Der vom Lob Gezeichnete muss dann auch vors Mikro, wo er zuletzt selten zu sehen war. Als einziger in der "FC Bayern Erlebniswelt" kommt er ohne Jackett aus, ist gleich mittendrin in den Schoten von früher und petzt, dass Schröder einst Kofi Annan noch mal um den Block fahren ließ, weil der Kanzler noch ein bisschen seine Ruhe wollte. Stundenlang kann er so franzeln, doch es ist ja gleich Anpfiff. Auf dem Weg zum Sitzplatz hat sich Beckenbauer dann was Bequemes angezogen: einen Sonnenhut.

© SZ vom 27.08.2016/infu
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