"Das Leiden der Nummer 38 540" vom 9. Juli, "Entsetzen über Tierquälerei" vom 10. Juli, "Tierärzte fordern mehr Kontrollen" vom 11. Juli und "Demonstration gegen Tierquälerei" vom 15. Juli:
Verbraucher haben's in der Hand
Vorbildlich: Die SZ nennt Ross und Reiter, etwas, das dem Verbraucher durch die zuständigen Veterinär-, Gesundheits-, Landwirtschafts- und Verbraucherbehörden sonst vorenthalten wird. Nun obliegt es jedem Einzelnen, ob er Produkte dieses Hofes, dieses "Bauern" kauft oder sich mitschuldig macht.
Wenn diese Agrar-Großindustrien keine Milch mehr absetzen können, steigt auf Grund der höheren Nachfrage bei den kleinen Bauern automatisch wieder der Milchpreis. Worauf warten wir noch? Es liegt wieder mal in der Hand des Verbrauchers, ob etwas geschieht. Auf die Behörden brauchen wir nicht zu hoffen, das haben wir längst gelernt. Rudolf Böhler, München
Schockierend
Der Zeitungsbericht über die Zustände und den Umgang mit den Tieren auf diesem Betrieb war schockierend. Als ich dann das Video zu den Vorfällen gesehen habe, war ich sprachlos und tief erschüttert. Da stellt sich mir die Frage: Wie kann man nur so verantwortungs- und skrupellos mit einem Lebewesen umgehen?
Vor zehn Jahren haben wir während unserer Ausbildung zum Landwirt diesen Betrieb besichtigt. Damals wurden dort schon circa 1000 Kühe gehalten und man sprach von einem Zukunftsbetrieb. Zu dieser Zeit wurde man immer wieder mit dem Satz "wachsen oder weichen" konfrontiert. Ein Betrieb von solcher Größe ist eher als ein Industriebetrieb zu sehen. Wenn man solche Strukturen und vor allem den Umgang mit Tieren sieht, hat das nichts mehr mit der Landwirtschaft zu tun, die ich kennen und lieben gelernt habe.
Ich denke, ich vertrete die Meinung vieler Berufskollegen, wenn ich sage, dass die Zukunft in der bäuerlichen Landwirtschaft liegt. Darunter stelle ich mir Familienbetriebe mit artgerechter Tierhaltung, nachhaltiger Erzeugung und verantwortungsvollem Umgang mit der Natur vor. Dafür bin ich gerne bereit, an Sonn- und Feiertagen früh aufzustehen.
Wir Landwirte können nur hoffen, dass Sie sich Ihre Meinung über die Landwirtschaft nicht nur anhand solcher Skandale bilden. Sie als Verbraucher haben einen großen Anteil an der Entwicklung der Landwirtschaft. Kaufen Sie doch mal Milch, Fleisch oder Eier regional im Hofladen oder beim Metzger im Ort ein. So unterstützen Sie die bäuerliche Landwirtschaft und schützen die kleinen Betriebsstrukturen. Sie werden sehen, dass sie solch hochwertige Produkte nicht im Geschäft kaufen können.
Wenn Sie Interesse haben, kommen sie bitte auf die Betriebe und schauen Sie sich die Haltung, Fütterung und Aufzucht an. Wir Familienbetriebe öffnen gerne die Stalltüre für Sie, denn wir haben nichts zu verbergen. Bernhard Eidelsburger, Landwirtschaftsmeister, Aletshofen
Scheinheilige Tierärzte
Wie scheinheilig ist der Tierärzteverband, wenn er mehr Personal fordert (Bericht "Tierärzte fordern mehr Kontrollen" vom 11. Juli). Richtig ist doch aus Berichterstattungen bekannt, dass diese Personen in weißen Kitteln bei solchen gravierenden Missständen gefilmt wurden und nichts unterbunden haben.
Sollen in Zukunft noch mehr weisungsbefugte Kontrollbeamte wegschauen? Hans Haunert, Berlin
Behörden schauen weg
Als Österreicher, der fast 50 Jahre im heiligen Bayern lebt, bin ich entsetzt, was es hier noch gibt, trotz der Bekundungen Eurer CSU-Granden von Franz Josef Strauß bis Markus Söder. Und die zuständigen Behörden schauen weg: "Is do eh nix, wos woits denn?"
Erst letzte Woche wurde im TV wieder der entsprechende Krimi nach Donna Leon "Tierische Profite" gezeigt, der spielt in Mestre, Italien. Da denkt man: "Naja, in Mestre mag es das geben, vielleicht, aber bei uns?" - Bingo, das gibt es!
Es ist meiner Meinung nach zu fordern, dass die verantwortlichen Typen (jawohl "Typen", keine "Bauern") den vollen Auswirkungen des geltenden Rechts unterzogen werden, vom Gerichtsverfahren bis hin zur Schließung des Betriebes und des Einzugs des Vermögens - so wie im Film, in Mestre. Wenn man über das Ganze nachdenkt, weiß man wirklich nicht mehr, welche Milch man beim Rewe, Edeka et cetera einpacken soll. Otto Schreiner, München