Allach/Untermenzing Neue Töne

Ingrid Haussmann, Margarethe Roters und Gabriele Hartdegen haben in Allach die Bühne 23 gegründet. Die Konzerte ihres Vereins zeigen, dass dafür im Viertel sehr wohl Bedarf besteht - genauso wie für ein eigenes Kulturbürgerhaus

Von Nadja Tausche, Allach/Untermenzing

Allach und Kultur - das passe doch nicht zusammen. So habe es ihr Sohn einmal gesagt, erzählt Ingrid Haussmann. Sie ist eine der drei Gründerinnen des Vereins "Bühne 23". Die Entwicklung des Kulturvereins dürfte zumindest zum Teil das Gegenteil bewiesen haben. Bis ins Jahr 2020 hinein haben die Gründerinnen Anfragen für Konzertauftritte bekommen, berichten sie - mehr, als sie umsetzen können. Auch von Zuhörern erreicht sie positives Feedback, zu den Konzerten kommen viele Stammgäste.

Seit dem Jahr 2015 gibt es den Verein Bühne 23 in Allach. Gegründet haben ihn neben Haussmann Margarethe Roters und Gabriele Hartdegen. "Wir wollen Kultur nach Allach bringen", sagt Hartdegen. "Solche Anlässe sind für den Zusammenhalt einer Stadtteilgesellschaft sehr wichtig". Allach-Untermenzing ist der Stadtbezirk 23 in München, daher kommt der Name: Bühne 23. Mittlerweile hat der Verein etwa 30 Mitglieder und veranstaltet sechs bis acht Konzerte pro Jahr.

Das Trio der Bühne 23 (von links): Gabriele Hartdegen, Margarethe Roters, Ingrid Haussmann. Bei ihren Konzerten sind verschiedenste Stilrichtungen vertreten.

(Foto: Catherina Hess)

Konkret sieht das dann aus wie beim jüngsten Musikereignis, das der Verein organisiert hat: Kurz vor Weihnachten war der Münchner Monteverdi-Chor zu Gast in der Allacher Kirche St. Peter und Paul, 15 Euro Eintritt, rund 40 Zuhörer. Das ist der Standard-Eintrittspreis, auch die Zuhörerzahl entspricht dem Durchschnitt, wie die drei Gründerinnen erzählen. In Ausnahmefällen können es auch mal 100 Gäste sein. Die Musikrichtung wechselt dabei; einen Chopin-Abend hat es schon gegeben, ein Akkordeonkonzert, aber auch Rap oder südamerikanische Canciones. Für die Konzerte bekommen die Drei entweder Angebote von Musikern oder sie fragen selbst an. Dabei versuchen sie, Musiker aus dem Nordwesten Münchens auftreten zu lassen. Immer wieder spielen die Kinder von Margarethe Roters, alle vier Berufsmusiker. Und auch der eine oder andere ihrer Schüler habe schon ein Konzert gegeben, sagt Roters: Sie gibt privaten Klavierunterricht. Das sei ein weiteres Ziel des Vereins: Talente zu entdecken und zu fördern. "Die Kinder müssen wissen, was sie mit dem Instrument, das sie spielen, anfangen können", sagt Roters: Sie sollen Musiker im Konzert erleben und so musikalische Vorbilder finden. Einer ihrer Schüler sei mal zum Debussy-Konzert gekommen, sieben Jahre alt, "der hat fast zweieinhalb Stunden durchgehalten", erinnert sie sich. Danach habe er unbedingt Lieder von Claude Debussy spielen wollen.

Roters unterrichtet seit 2003 in Allach, ursprünglich kommt sie aus Moskau und ist 1991 nach Deutschland ausgewandert. Haussmann ist Richterin am Oberlandesgericht München, Hartdegen arbeitet in der Buchhaltung. Für die Bühne 23 ist sie ehrenamtlich tätig. Auch Roters' Tochter Maria hilft ehrenamtlich mit, sie gestaltet die Flyer für den Verein. "Die Konzerte sind eigentlich immer ein Verlustgeschäft", sagt Haussmann. Leisten könne man sich das, weil die Stadt und der Bezirksausschuss die Arbeit der Gruppe fördern. Die Ticketpreise wolle man aber nicht erhöhen: "Wir sind kein gewinnorientierter Verein", sagt sie, Hauptsache, man zahle nicht aus der eigenen Tasche drauf.

Mit dabei: Der Rap von Roters Sohn Anton.

(Foto: Privat)

Dass die drei Frauen die Bühne 23 gegründet haben, im April 2015 noch als Initiative, von Oktober an dann als Verein, hatte vor allem praktische Gründe. Damals musste Allach den Bedarf für ein Kulturbürgerhaus nachweisen. Hartdegen und Haussmann gehören selbst dem Bezirksausschuss an, Haussmann ist Vorsitzende des Unterausschusses Kultur und hat damals die Bedarfe gesammelt. Zum einen habe sie dabei gesehen, was an Kulturschaffenden alles vorhanden sei, aber im Stadtbezirk keine Bühne habe. Zum anderen habe man auch einfach mehr entsprechende Angebote gebraucht: "Es muss natürlich Kultur angeboten werden, damit die Stadt München sagt: Es braucht ein Kulturbürgerhaus", so Haussmann. Neben den bestehenden Offerten der alteingesessenen Vereine habe man deshalb weitere Kulturveranstaltungen anbieten wollen, so sollte auch die kulturelle Vielfalt gefördert werden. Mittlerweile hat die Stadt den Bedarf für ein Kulturbürgerhaus akzeptiert - ein großer Erfolg, sagen die drei Gründerinnen stolz. Wann und wie genau es entsteht, ist noch unklar, als Standort ist das Gelände des Vereinsheims an der Eversbuschstraße im Gespräch.

Zumindest für die Bühne 23 wäre ein solches Kulturbürgerhaus eine Erleichterung. "Was unsere Arbeit schwierig macht, ist, dass wir kein Haus haben, mit dem wir planen können", sagt Haussmann. Momentan müsse man ständig koordinieren: Welcher Saal ist verfügbar, wann hat der Künstler Zeit, wann ist der Saal frei? Haussmann nennt das ein "Maklergeschäft" und sagt, es sei mittlerweile fast mehr Arbeit als das Ausrichten der Konzerte selbst.

Lohnt es sich, in Allach in Kultur zu investieren? Viele junge Leute ziehen weg, das Zentrum Münchens mit all seinen Veranstaltungen ist schnell zu erreichen. Auch gibt es schon Kultur in Allach, neben Programmen des Trachtenvereins gehört dazu unter anderem das Schwabinger Podium, das vor Kurzem dorthin umgezogen ist. Tatsächlich lockt das Repertoire der Bühne 23 nicht viele Jugendliche an. "Junge Leute fahren leider in die Stadt und gehen eher weniger zu klassischen Konzerten", meint Hartdegen. Zu den Konzerten kämen meist Familien und ältere Menschen. Gerade von Familien mit kleinen Kindern bekomme man aber viele positive Rückmeldungen, sagt Roters: "Die haben oft nicht die Möglichkeit, weit zu fahren und teure Tickets zu kaufen." Für sie seien solche Angebote deshalb umso wichtiger.

Das nächste Konzert der Bühne 23 findet am Samstag, 26. Januar, statt. Um 18.30 Uhr tritt im Pfarrsaal Maria Himmelfahrt, Höcherstraße 14, das Lied-Duo Timo Janzen und Max Hanft auf. Sie spielen Lieder von Clara und Robert Schumann sowie von Franz Liszt. Im zweiten Teil ist der Zyklus op. 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff zu hören. Der Eintritt kostet 15 Euro. Karten gibt es bei Familie Roters, Georg-Reismüller-Straße 33 d in Allach-Untermenzing, unter buehne23@gmx.de oder an der Abendkasse.