Allach/Untermenzing Masterplan wird angepasst

Wichtige Lebensgrundlage für Arten: ein Totholzbaum im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Allacher Forst und Angerlohe.

(Foto: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg)

Die überraschenden Funde seltener Arten wie Hirsch- und Juchtenkäfer haben Auswirkungen auf die Biotoppflege im Allacher Forst und der Angerlohe

Von Anita Naujokat, Allach/Untermenzing

Um es gleich vorwegzunehmen: Einschneidende Maßnahmen im Allacher Forst und in der Angerlohe im Münchner Norden sieht der Managementplan für den Aufbau des europäischen Biotopverbundnetzes "Natura 2000" nicht vor. Beim runden Tisch am Dienstag bescheinigte Daniela Janker vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg (AELF) dem Wald insgesamt gesehen einen noch guten Zustand, auch mit seinem Anteil an Totholz. Er macht rund 70 Prozent des 221 Hektar großen Flora-Fauna-Habitat-Gebiets aus und gilt als großflächigster Lohwaldrestbestand des einstigen Gürtels mit Hutewald und Magerrasenrelikten auf der Münchner Schotterebene. Der alles prägende Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald mache das Gebiet zu einer herausragenden Besonderheit im ganzen südbayerischen Raum.

Neben dem Eschentriebsterben, das auch vor dem Allacher Forst nicht Halt gemacht hat, und der notwendigen Verjüngung des Eichenbestands beherrschten die Diskussion vor allem die überraschenden Funde der "extrem schutzwürdigen" Arten wie Eremit oder Juchtenkäfer und Hirschkäfer, von dem man geglaubt hatte, er sei dort längst ausgestorben. Der Bund Naturschutz (BN) in München, der das Käfergutachten in Auftrag gegeben hatte, geht sogar davon aus, dass im Allacher Forst zwischen der A 99 und dem Rangierbahnhof die womöglich letzte Population dieser großen und außergewöhnlichen europäischen Käferart mit den markanten Zangen im ganzen Raum München leben dürfte. Sie könnte auch den Ausbau des Allacher Tunnels verzögern. BN-Geschäftsführer Rudolf Nützel kritisierte denn auch, dass die Behörden nicht von sich aus solche Urwaldreliktarten automatisch kartierten. "Uns hat das 4000 Euro gekostet, für den Staat ist das doch nichts", sagte er.

Nun haben sich die Behörden streng an die im Standarddatenbogen aufgeführten Schutzgüter zu halten, wie Martin Bachmann, Leiter des regionalen Kartierteams Oberbayern, erläuterte. Schließlich seien Angerlohe und Allacher Forst nur eines von 148 zu kartierenden Gebiete in Oberbayern. Dies bedeutet, dass nicht alles untersucht wird, was vorhanden ist - zumal die finanziellen Mittel begrenzt seien, sagte Helmut Knauer vom Forstamt. Laut Daniela Janker habe sie auch keine Anhaltspunkte oder Fragmente für das Vorhandensein der Tiere gehabt, außer dass Alteichen Lebensräume für sie sind. "Wäre uns ein Hirschkäfer vor die Füße geraten, hätten wir natürlich Spezialisten eingebunden."

Jetzt wollen die Behörden zunächst das Käfergutachten abwarten, das sie noch nicht haben, es bewerten und dann versuchen, es einzubeziehen. Für den BN ist sein Gutachten über den Allacher Forst ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass es Umweltschutzorganisationen gibt. "Diese können wesentlich schneller reagieren als die Behörden", sagte eine Frau vom BN.

Dass wieder mehr Eichen als eine Maßnahme des Managementplans zu bekommen sind, könnte ausgerechnet das Eschentriebsterben befördern. Revierförsterin Maria Reuther lässt aus Sicherheitsgründen auf einer Weglänge von sechs Kilometern beidseits erkrankte Eschen abschneiden. Dies könnte Eichen das für sie zum Leben nötige Licht verschaffen. Ansonsten setzt der Masterplan für eine naturverträgliche Freizeitnutzung auf Informationen und Lenkung der Besucher auf die richtigen Pfade. Für die Behörden ist er verbindlich. Für die 135 Eigentümer von rund 110 Hektar gilt nur, dass sie aktiv nichts verschlechtern dürfen. Ihnen können die Ämter keine Auflagen setzen, aber Anreize geben, auch finanzieller Natur.